Killing Joke

Aus indiepedia.de
Wechseln zu: Navigation, Suche
Killing Joke
Herkunft: London (Notting Hill), England
Aktiver Zeitraum: 19791996, seit 2002
Genres: Postpunk, Heavy Metal, Alternative Rock, Punk
Labels: EG, Cooking Vinyl ...
Homepage: killingjoke.com
Line-Up:
Jaz Coleman (Gesang, Keyboards)
Geordie Walker (Gitarre)
Youth, Peter Raven (E-Bass)
Paul Ferguson, Dave Grohl (Schlagzeug

Die englische Band Killing Joke wurde Ende 1978/Anfang 1979 in Notting Hill (wo auch Rough Trade entstand) in der Nähe von London von einer Gruppe von Leuten um Jaz Coleman gegründet. Ihr erstes Konzert fand als Vorgruppe der Ruts und von Selecter statt.

Hintergrund

John Peel ist es zu verdanken, dass die erste Single Turn To Red 1979 ein Untergrundhit wurde und einen Plattenvertrag nach sich zog. 1980 folgte das selbstbetitelte, einflussreiche Debüt-Album (s/t), in dem Punk mit Elementen der NWoBHM und Dub gemischt wurde, und das mit Klassikern wie Wardance und besonders The Wait [3] für die spätere Entwicklung der vom Industrial beeinflussten Rocksparte maßgebend verantwortlich werden sollte.

<– Turn to Red (1979)

Noch eigenständiger präsentierte sich die Gruppe auf dem Nachfolger What's THIS for...!. Die Singleauskopplung Follow The Leaders bescherte Kiling Joke erste Chartserfolge. Das dritten Album Revelations wurde dann von Elektronik-Legende Conny Plank in Köln produziert. Jaz Coleman nahm danach in Island, wohin er sich vorübergehend zurückgezogen hatte, unter anderem ein Album mit dem Projekt Theyr auf, aus denen sich später die Sugarcubes gründeten. 1983 kehrten Coleman und Co. wieder nach England zurück und nahmen unter dem alten Bandnamen ihr viertes Album auf. Das sehr rhythmische Fire Dances, mit neuem Bassisten Paul Raven eingespielt, klang stellenweise überraschend eingängig und positiv.

Mit dem fünften Album Night Time und der Single Love Like Blood stellten sich größere kommerzielle Erfolge ein. Gitarren-Wave und harmonische Keyboard-Flächen, der Gothics wie U2-Fans gefiel, ließen Coleman und Co, trotz strikter Rhythmik bereits wesentlich zahmer wirken. Ihr bis heute größter Hit, Love Like Blood, ist auch nicht repräsentativ für den eigentlichen Stil der Band, aber Auslöser für eine weit poppigere Platte im folgenden Jahr.

1988 wollte Coleman ein Soloalbum veröffentlichen, unter anderem als Ehrerbietung für den verstorbenen Conny Plank, aber die Plattenfirma witterte kaufmännisches Potential und überredete ihn, Killing Joke auf das Cover drucken zu lassen. Tatsächlich sollten neben Geordie Walker auch Ferguson und Raven an dem heute als rotes Tuch empfundenen Outside the Gate mitwirken. Letztere verließen aber während der Aufnahmen genervt das Studio und damit die Band.

Nach dem Split reformierte sich die Band 1990 mit Martin Atkins am Schlagzeug, der im Folgenden das All-Star-Indie-Projekt Pigface gründete. Die Band zerfiel jedoch nach dem wieder sehr harten, aber weitgehend ignorierten Werk, Extemities Dirt And Various Repressed Emotions, erneut. Coleman interessierte sich für orientalische Musik und veröffentlichte mit Anne Dudley von The Art Of Noise das von ägyptischer Folklore inspirierte Album Songs From The Victorious City, Youth stieg vorübergehend als Bassist bei Godflesh ein und gründete das Goa-Label Dragonfly, Raven ging zu Prong.

Der Wahlneuseeländer Coleman, in seiner Jugend in klassischer Musik ausgebildet, wurde Komponist und Dirigent des neuseeländischen Symphonieorchesters und veröffentlichte seine erste, noch in Island geschriebene Symphonie Symphony No. 1. Während er mit klassischer Musik beschäftigt war, gründete der Rest der Band mit weiteren Gästen das Projekt Murder Inc., allerdings auch nur für ein Album und eine EP.

Erst 1994 kam es zu einer neuen Zusammenkunft von Coleman und Youth (der nun wieder statt Raven den Bass zupfte), die Killing Joke reaktivierten und das kommerziell erfolgreichste Album der Bandgeschichte, Pandemonium, aufnahmen. Legendärerweise wurde die Gesangsspur zu Exorcism illegal in der großen Grabkammer der Cheopspyramide aufgenommen. Im Folgenden gab es diverse Remixcompilations und Live-Wiederveröffentlichungen sowie ein weiteres Album, das stilistisch ähnliche, aber erfolglose Democracy. Danach verschwanden Killing Joke für sieben Jahre in der Versenkung. Aus Murder Inc. wurde derweil The Damage Manual.

Reunion

Mit wahlweise den Prager oder Londoner Symphonikern spielte Coleman nebenbei und zwischendurch Orchesterversionen von Bands wie Led Zeppelin (Kashmir), The Doors (Concerto, mit Nigel Kennedy), Rolling Stones, Pink Floyd (Us Or Them) oder The Who (Who's Serious) ein, zu denen Youth bisweilen Goa-Mixe anfertigte.

2003 wurde überraschend bekannt, dass mit Exfeind Dave Grohl (es gab Differenzen, weil Come As You Are von Nirvana stark an das Intro von Killing Jokes Eighties angelehnt war[1]) am Schlagzeug ein neues Album eingespielt werden sollte, das eine Rückkehr zu den musikalischen Wurzeln der Band darstellte. Verwirrend an der von relativ hohem Medieninteresse verfolgten Veröffentlichung war, dass es wie beim Debüt keinen Albumtitel gab.

Bevor das angekündigte Jubiläums-Live-Album XXV Gathering mit entsprechender DVD veröffentlicht wurde, erschienen Rereleases der ersten drei und der beiden 1990er Alben. Inzwischen wurde auch der Rest mit Bonustracks (Raritäten gibt es zuhauf) wiederveröffentlicht.

Selbst an eigenem Output gemessen sehr extrem fiel das mit dem damaligen Live-Drummer Benny Calvert eingespielte Hosannas From The Basements Of Hell aus. Kantig wie der Vorgänger wurde der Lärm noch durch alte Aufnahmegeräte absichtlich verstärkt.

Als im Herbst 2007 Bassist Paul Raven, der seit 2003 wieder Bassist der Gruppe war, überraschend an Herzversagen verstarb, schien Killing Joke vor dem erneuten Aus. Bei der Beerdigung fand sich aber auch Paul Ferguson ein und stimmte zu, in die Band zurückzukehren. Auch Youth stieg als fester Bassist erneut ein. Somit war die Urbesetzung (1978-1982) wieder komplett.

Das 2010 erschiene Album Absolut Dissent beinhaltete dann auch alle Aspekte des Schaffens der 30jährigen Geschichte der Band. Im rüden Soundgewand der jüngsten Werke gekleidet, finden sich paranoider Postpunk neben harten Industrial-Gewittern, eingängige, elektronikbeeinflusste Stücke, wie das Paul Raven gewidmete The Raven King und Erinnerungen an die Tage von Night Time. Wer die Vorab-EP In Excelsis noch nicht kannte, durfte sich sogar über eine Dub-Nummer, den Rausschmeißer Ghost of Ladbroke Grove, wundern.

Passend zum angeblich von den Maya prophezeiten Weltuntergangsjahr erschien 2012 ein Quasi-Konzeptalbum, schlicht MMXII betitelt. Die Band klingt hier sehr viel homogener als auf dem Vorgänger, setzt wieder auf einen sauberen Sound und zitiert vor allem den Industrial-Rock der Phase von Pandemonium. Die überraschend eingängige Singleauskopplung In Cythera, die eher an Love like Blood erinnert, fügt sich dabei erstaunlich gut zwischen Titeln mit deutlichem Metal-Einschlag ein. Damit klingt die Band zwar so, „wie man sich Mitte der Neunziger die Zukunft der Rockmusik vorgestellt hatte“ (Plattenkritik), erntet aber bei Fans und Kritikern breites Lob.

<– In Cythera (2012)

2014 erschien In Dub im Eigenvertrieb, das auf drei CDs / LPs viele Stücke in Dub-Mixen vorstellt. 2015 erschien das inzwischen sechzehnte Studioalbum Pylon.

Trivia

  • Jaz Coleman spielt in dem tschechischen Doku-Drama "Year of the Devil (Rok dábla)" (dt.: Im Jahr des Teufels) von Petr Zelenka aus dem Jahre 2002 den Teufel.
  • Night Time von 1985 erreichte die höchste Notierung in den UK-Charts, ansonsten hielt sich die Band über Jahre tapfer in den Top100 diverser Charts.

Genres

Punk, Post-Punk, NWoBHM, Dub, Disco, Pop, Goa, Metal, Ambient, Rock, Industrial.

Referenzen

Kollaborationen

Diskografie

Alben

  • 1980 Killing Joke (EG / Virgin; wiederveröffentlicht 2003 als CD mit Bonustracks von Virgin, die US-Pressung enthält zusätzlich den Track Change[2])
  • 1981 What's This For...! (EG / Virgin; wiederveröffentlicht 2003 als CD mit Bonustracks von Virgin)
  • 1982 Revelations (EG / Virgin; wiederveröffentlicht 2003 als CD mit Bonustrack von Virgin)
  • 1984 Fire Dances (EG / Virgin)
  • 1985 Night Time (EG / Virgin)
  • 1986 Brighter Than A Thousand Suns (EG / Virgin)
  • 1988 Outside The Gate (EG / Virgin)
  • 1990 Extremities, Dirt And Various Repressed Emotions (EG / AGR)
  • 1994 Pandemonium (Butterfly Records / Rough Trade Distribution; wiederveröffentlicht 2003 als CD mit Bonustracks von Cooking Vinyl)
  • 1996 Democracy (Butterfly Records / Rough Trade Distribution; wiederveröffentlicht 2003 als CD mit Bonustrack von Cooking Vinyl)
  • 2003 Killing Joke (Zuma Recordings)
  • 2006 Hosannas From The Basements Of Hell (Cooking Vinyl)
  • 2010 Absolute Dissent (Spinefarm)
  • 2012 MMXII (Spinefarm)
  • 2014 In Dub (Eigenvertrieb)
  • 2015 Pylon (Spinefarm)

Singles und Maxis bei Discogs: [4]

Sonstige

  • 1982 Ha Live EP (EG/Virgin) (6-Track-10", erst 2005 als Album wiederveröffentlicht)
  • 1989 The Courtauld Talks (Invisible Records) (Spoken Word)
  • 1992 Laugh? I Nearly Bought One! (EG/Virgin) (Best Of)
  • 1995 Wilful Days (Virgin) (Raritäten)
  • 1995 BBC In Concert (Windsong) (Live 1986, später veröffentlicht als "Love Like Blood")
  • 1996 Alchemy (Butterfly Records/Rough Trade Distribution) (Remixes)
  • 1998 Wardance (Nova Tekk/Dragonfly Records) (Remixes)
  • 2001 No Way Out But Forward Go (NMC Music) (Live Loreley 1985, CD 2 mit komplettem Filmmaterial)
  • 2003 The Unperverted Pantomime? (Alchemy Entertainment) (Raritäten, Demos, Live)
  • 2003 Chaos For Breakfast (Malicious Damage Records) (5-CD-Box mit den ersten vier Singles und einer Demo-CD)
  • 2004 For Beginners (Virgin) (Best-Of und Rares)
  • 2005 XXV Gathering: Let Us Prey (Cooking Vinyl) (Live, auch als DVD)
  • 2007 Inside Extremities: Mixes, Rehearsals and Live (Dual-Disc mit Material der "Extremities"-Zeit)
  • 2007 Bootleg Vinyl Archive Vol. 1
  • 2007 Bootleg Vinyl Archive Vol. 2
  • 2008 Rmxd (Maxi-Versionen und Remixe aus den 80er-Jahren)
  • 2008 The Peel Sessions 1979-1981
  • 2008 Duende - The Spanish Sessions (In Original-Besetzung eingespielte ältere Stücke)
  • 2008 Live At The Forum Part 1 03.10.08 (Doppel-CD plus CD-ROM mit Fotos, Concertlive)
  • 2008 Live At The Forum Part 2 04.10.08 (Doppel-CD plus CD-ROM mit Fotos, Concertlive)
  • 2010 Live At The Hammersmith Apollo (3xCD, Concertlive)

Videos/DVDs

  • 2003 Loose Cannon (DVD Single) (Zuma Recordings)
  • 2005 XXV Gathering – The Band That Preys Together... Stays Together (Live DVD) (Cooking Vinyl)
  • 2009 Requiem: Lokerse 2003 (Live-DVD/CD) (Megaphon)

Kompilationsbeiträge

  • 1995 "Hollywood Babylon" auf "Showgirls OST"
  • 1996 "Drug" auf "Mortal Kombat: More Kombat"
  • 1996 "Democracy (United Nations Mix)" auf "E-Beat Phase Two"
  • 2000 "Our Last Goodbye" auf "Free The West Memphis Three"

Coverversionen

Killing Joke werden gecovert von...

Videoclips

Einzelnachweise

  1. Killing Joke – Eighties (1984) [1] bei Youtube
  2. Killing Joke – Change (1980) [2] bei Youtube

Weblinks

  • Homepage [5] bei killingjoke.com
  • Autor unbekannt – Biografie [6] bei laut.de
  • Artikel Change [7] bei der en.wiki

Musik

  • Killing Joke – Wardance (7"-Version 1980) [8]
  • Killing Joke – Follow The Leaders (1981) [9]
  • Killing Joke – Love Like Blood (1985) [10]
  • Killing Joke – Change (1980) [11] (Liveauszug)

Links im Juli 2017.