Jullander

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Jullander
Jullander 2005 in Berlin
Jullander 2005 in Berlin
Herkunft: Hamburg
Aktiver Zeitraum: 19962006
Genres: Post-Rock, Indiepop
Labels: Beau Rivage, Sunday Service
Homepage: Jullander.de
Line-Up:
Andi Schoon: Gesang, Gitarre, Tasteninstrumente
Arne Kittler: Gitarre, Bass, Tasteninstrumente
Jochen Brandt: Bass, Gitarre, Gesang
Jens-Rainer Berg: Schlagzeug

Jullander waren eine Postrock/Indiepop-Band aus Hamburg, die von 1996 bis 2006 aktiv war.

Bandgeschichte

Jullander aus Hamburg gründeten sich 1996 als Trio bestehend aus Andi Schoon, Jochen Brandt und Jens-Rainer Berg, später stieß noch Arne Kittler hinzu. Das zwischen Post-Rock und Indiepop agierende Quartett – live wie auf Platte fast durchgehend vom Saxophonisten Philip Andernach verstärkt – veröffentlichte zunächst einige Kleinformate auf Beau Rivage, 2001 dann gefolgt vom ersten Longplayer "John Symmes' Welt". In ihrem Frühwerk orientierten sich Jullander noch stark am Postrock Slint'scher oder Codeine'scher Prägung mit starken Lo-Fi-Einflüssen und zum Teil sogar noch Screamo-Vocals, was in der Musikpresse durchaus zwiespältig aufgenommen wurde, und das der Band ansonsten sehr positiv gesonnene Intro attestierte der noch relativ karg und sperrig instrumentierten Debüt-LP gar "unsägliche postmoderne Ironiefähigkeit"[1]. Für die weitere Entwicklung der Band noch bedeutsamer war allerdings der seinerzeit bereits etablierte "Diskursrock" der Hamburger Schule – vor allem in Lyrik und Sprechgesang an Bands wie Blumfeld, die Sterne oder die Goldenen Zitronen erinnernd – und als dritte Grundlage kam eine deutlich vom Jazz geprägte Instrumentalarbeit hinzu, so dass sich auch Notwist und Tortoise als Vergleichsmomente anboten. Ambient und experimentelle Electronica fanden sich hingegen erst bei den späteren Werken des Quartetts in prominenterer Funktion wieder. Wichtiger Bestandteil des Bandstils von Jullander sind auch die sehr anspielungsreichen Titel, Texte und Konzepte der Alben (siehe Referenzkasten), die auf zahlreiche Vorlagen aus Literatur, Musik, Film und Fernsehen sowie immer wieder auf das eigene musikalische Werk der Band verwiesen. Rein instrumentale Stücke wechselten sich mit deutschen und englisch gesprochenen oder gesungenen Lyrics ab, mitunter diente die Musk auch nur dazu, die Atmosphäre des erzählenden Textes zu untermalen (beispielsweise im Stück Der Herr vom Filmressort arbeitet jetzt an der Popcornmaschine, ein Dialog zweier Männer in der "Spiegel"-Kantine im Zeichen der aufziehenden Wirtschaftskrise).

Seit ihrem zweiten, klanglich bereits deutlich freundlicher gestalteten Album "Interiors" von 2003, das erstmals auf dem aus der Radiosendung FSK Sunday Service hervorgegangenen Label Sunday Service erschien und zu dessen fast schon Disco-artigem Track Behind the Scenes auch ein Video gedreht wurde, wurden Jullander auch in der Musikpresse mit gestiegener Aufmerksamkeit behandelt. Einerseits wurde die Band gar als "Vorbild für einige Kollegen aus Chicago"[2] bezeichnet, während das Visions die Band als zu spät gekommene Adepten der Hamburger Schule sowie die "bleischweren Texte" kritisierte.[3] Als Fortsetzung erschien 2005 die Remix-12" "Reworks & Continuations", auf der sich unter anderem Lawrence, Jörg Theurer (u.a. Ponika) und Thomas Leboeg (Kante) fünf Stücken vom "Interiors"-Album annahmen. Wenige Monate später erschien dann mit "Phobos in Funkytown" das dritte und letzte Jullander-Album, das erneut sehr gute Kritiken erhielt (u.a. vom Goon Magazin, wo es als "bestes deutschsprachiges Album derzeit" bezeichnet wurde)[4] und die Band laut Intro endgültig als Exponenten der sogenannten "Neuen Hamburger Schule" etablierte[5].

Im Video zur erstmals 2006 vorgestellten vierzehnminütigen Flash-Animations/Musik-Installation von Jullander namens "Die Mappe", "eine episodische Annäherung an die endlose Optimierung der eigenen Biografie", schreibt die Band 2010 im Youtube-Kommentar: "Jullander haben zwischen 1997 und 2006 Tonträger veröffentlicht und Konzerte gespielt. Das Kernteam hat inzwischen den langen Marsch durch die Institutionen angetreten. Wiederaufnahmen juveniler Praktiken werden fortlaufend diskutiert und nicht umgesetzt."[6]

Kollaborationen

Diskographie

Alben

Singles/EPs

Kompilationsbeiträge

Referenzkasten

John Symmes' Welt
  • Der im Albumtitel genannte John Cleves Symmes Jr. war ein US-amerikanischer Naturforscher des frühen 19. Jahrhunderts, der die Theorie der Erde als Hohlwelt mit Öffnungen an den Polen vertrat. Sein Name wurde bald zum Symbol für aussichtslose Unterfangen.
  • Libuda: Reinhard "Stan" Libuda, nach dem sich auch der Alternative-Singer/Songwriter Lee Buddah benannt hat, war in den 1970er Jahren Fußballspieler bei Schalke 04.
  • Der aufgebahrte Marat: Jean-Paul Marat war ein Hauptakteur der Französischen Revolution auf der Seite der radikalen Jakobiner, der im Jahr 1793 ermordet wurde.
Interiors
  • Das Album "Interiors" ist nach einem Film von Woody Allen aus dem Jahr 1978 benannt (dt. "Innenleben"), der auch Thema des gleichnamigen Songs auf der Platte ist.
  • Martin Luther verliert die Geduld imaginiert eine fiktive Szene um den deutschen Reformator.
  • Die Yamanote-Linie ist eine der wichtigsten Bahnlinien in Japan.
Phobos in Funkytown
  • Der Albumtitel spielt auf den Früh-Achtziger-Disco-Hit Funkytown von Lipps, Inc. an.
  • Titel Thesen Tempranillo ist ein Wortspiel mit der Kulturfernsehsendung "Titel Thesen Temperamente" und der spanischen Rotweinsorte Tempranillo. Ähnliches gilt für den Titel Vorsicht, Farfalle!, der ebenfalls eine Fernsehsendung ("Vorsicht, Falle!") mit einem kulinarischen Begriff (Farfalle, eine Nudelsorte) vermischt.
  • Reinhard Libuda verliert die Geduld beschreibt einerseits eine fiktive Episode aus dem Leben des schon bei Libuda erwähnten gleichnamigen Fußballspielers und zitiert mit Songtitel und Textaufbau andererseits das Stück Martin Luther verliert die Geduld vom Vorgängeralbum "Interiors".

Trivia

  • Bei dem Stück Jullander Screaming auf "Phobos in Funkytown" ist ein Ausschnitt aus einem Konzert der befreundeten Band Gaston zu hören, bei dem die Musiker von Jullander johlenderweise im Publikum zu hören sind.
  • Andi Schoon ist mit Sandra Zettpunkt verheiratet, die zu diversen Jullander-Stücken auch Gastvocals beigetragen hat. Beide haben außerdem bei FSK Sunday Service moderiert.

Referenzbands

Videoclips

MP3s

Weblinks

Quellen

  1. Rezension von "John Symmes' Welt" bei Intro.de
  2. Rezension von "Interiors" bei Intro.de
  3. Rezension von "Interiors" in Visions #127
  4. Rezensionssammlung zu "Phobos in Funkytown" bei jullander.de
  5. Rezension zu "Phobos in Funkytown" in Intro #131
  6. Ausschnitt zu "Die Mappe" bei Youtube