John Lydon und Kele Okereke prügeln sich beim Summercase 2008

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Am Samstag, den 19. Juli 2008 kam es beim Summercase Festival in Barcelona zu einer Prügelei zwischen Kele Okereke (Bloc Party) und John Lydon (Sex Pistols), auch Yannis Philippakis (Foals) und Ricky Wilson (Kaiser Chiefs) waren beteiligt. Dieser war auch der erste, der sich zum Vorfall äußerte, als er am 20. Juli in Suffolk auf dem Latitude Festival von der Bühne aus erzählte, dass die Band es fast nicht zu ihrem Auftritt geschafft hätten, da er sich mit Johnny Rotten geprügelt hätte und dafür Handschellen tragen musste.[1]

Einen Tag später, am 21. Juli erzählte Kele Okereke in einem offiziellen Statement seine Sicht der Ereignisse. Demzufolge sprach Okereke Lydon backstage an, weil er ein großer Fan von Lydons zweiter Band Public Image Ltd. war und ihn fragen wollte, ob die Band sich nicht wieder zusammenfinden könnten. Darauf hätte Lydon sehr aggressiv und einschüchternd reagiert, während sein Gefolge rassistische Tiraden vom Stapel gelassen hätten, darunter die Aussage, das Okerekes Problem seine "schwarze Einstellung" sei.[2] Danach kam es zu einer Schlägerei, als drei Leute auf Okereke losgingen und dieser sich mehrere Wunden im Gesicht und eine aufgeplatzte Lippe zuzog. Ricky Wilson und Yannis Philippakis kamen Okereke zuhilfe und ca. dreißig weitere Leute schritten ein, u.a. die Security des Festivals, wobei Philippakis von den Sicherheitsleuten erst niedergeschlagen und dann in Handschellen gelegt worden war.

Okereke sagte außerdem, dass ihn trotz des unprovozierten Angriffs weniger die Gewalt schockierte als vielmehr die Tatsache, dass das Thema der Rasse so schnell eingebracht wurde. Weiter sagte er:

"Jemand, der so respektiert und intelligent ist wie Lydon, sollte es besser wissen, als die Rasse so schnell ins Spiel zu bringen oder sich wenigstens nicht mit Leuten einlassen, die solch engstirnigen Ansichten haben. Ich bin darüber enttäuscht, dass jemand, von dem ich mal soviel gehalten habe, sich als ein so intoleranter Mensch erweist."[3]

Noch am selben Tag äußerte sich John Lydon selbst zu den Vorwürfen, die er abstritt und Okereke die Schuld an dem Vorfall gab. Nach dem Auftritt der Sex Pistols sei Lydon mit seinem Management hinter der Bühne geblieben, um Autogramme zu geben, was er dann für vier Stunden getan und sich dabei mit vielen spanischen Bands gut verstanden habe. Seiner Ansicht nach hätte das bei Okereke Neid verursacht. Weiter sagte er in seinem Statement:

"Mir tut jemand leid, der es nötig hat über einen eigentlich perfekten Abend zu lügen. Wir haben den Ärger aufgehalst bekommen, so dass die für den Ärger Verantwortlichen von der Festivalsecurity entfernt werden mussten. Wir befinden uns mitten in einer wunderbaren Tournee und nach 30 Jahren haben wir eine wahre Eintracht in unserem Publikum erreicht. Es ist sehr vielseitig, es gibt alle Altersstufen, alle Rassen, Glaubensrichtungen oder Farben. Wenn man sich auf einem Festival befindet, bei dem sich neidische Idioten aufhalten, entstehen üblicherweise schnell Lügen und Verwirrung. Wenn sie so dringend Publicity brauchen, verrennen sie sich in einem Universum von Anschuldigungen."[4]

Außerdem riet er Okereke, er solle erwachsen werden und lernen sich wie ein echter Mann zu verhalten. Er fügte dem Rat hinzu:

"Wenn du soviel erreicht hast wie ich, komm und red wieder mit mir. Es ist eine Schande, dass die wundervolle Welt der Medien sich mit so einem Unsinn beschäftigen muss."[4]

Zusätzlich gab noch Gruff Rhys (Super Furry Animals) seine Version der Ereignisse in einem Interview mit MTV zu Protokoll. Er bestätigte Okerekes Geschichte und bezeugte, dass alles genauso passiert sei, wie dieser es erzählt hatte. Ihm zufolge bekam niemand außer Okereke, Lydon und Ricky Wilson den Anfang der Streitigkeiten mit und danach brach das "totale Chaos" aus. Er bezeichnete die spanischen Sicherheitsleute außerdem als Schläger, da sie nicht nur Philippakis niederschlugen, sondern auch seine Bandkollegen Jimmy Smith und Walter Gervers, der ein geschwollenes Auge davontrug. Und selbst Rhys, der kaum involviert war, verletzte sich am Knie. Abschließend nannte er Okereke einen "mutigen Menschen."[5]. Der Tourmanager der Foals, Nick Jenkin, bekräftigte zudem in einem Interview mit Times Online noch mal die Version von Okereke.[6]

In einem Kommentar bei "The Independent" eine Woche später schenkte man Lydon ebenfalls keinen Glauben und spekulierte darüber, wieso rassistische Tendenzen beim Sänger nicht auszuschließen seien. Darin wird auch erwähnt, dass Lydon in der selben Woche in einem Pub betrunken Schmählieder über Araber gesungen habe. Die Überschrift der Kolumne nannte Lydon "a loaded Pistol with his sights trained on humbug."[7]

Nach all diesen Angriffen schlug Lydon erneut verbal zurück und sagte am 28. Juli in einem Interview mit "The One Show", dass er die Vorwürfe schlimm und verletzend finde. Er verteidigt sich mit den Worten:

"Meine Enkel sind Jamaikaner, okay? Es ist eine absolute Beleidigung ihnen und mir gegenüber, wenn ich solche Geschichten lese, die völlig unbegründet abgedruckt werden und sich die Freiheit nehmen, sich mit einem Mann wie mir Freiheiten rauszunehmen und mich einen Rassisten nennen, obwohl mein ganzes Leben das genaue Gegenteil beweist.

Auf die Frage, ob er denn nun ein Rassist sei, antwortete er: "Auf keinen Fall. Und jeder Mistkerl, der es wagt so etwas zu sagen, wird sich vor Gericht wiederfinden, verstehst du das?"[8]

Okereke legte einige Monate später noch mal nach und erzählte dem Boulevardblatt "The Sun", dass er Lydon gerne für seine Äußerungen verprügelt hätte, aber froh ist, dass ihn die anderen zurückgehalten hatten. Abschließend sagte er:

"I only have one thing to say about that man — John Lydon is the devil in my eyes."[9]

Beim Auftritt der Foals am Tag nach dem Vorfall, dem 20. Juli, bei dem die ganze Geschichte rauskam, widmete die Band ihren Song Cassius übrigens Lydon[10], wobei die Tatsache, dass das Lied den gleichen Namen trägt wie der berühmte Boxer Muhammad Ali, alias Cassius Clay, für sich spricht.

Siehe auch

Quellen

  1. http://www.nme.com/news/foals/38295
  2. http://www.guardian.co.uk/music/2008/jul/22/john.lydon.racist.assault
  3. http://www.nme.com/news/bloc-party/38297
  4. 4,0 4,1 http://www.nme.com/news/sex-pistols/38319
  5. http://www.guardian.co.uk/music/2008/jul/24/gruff.rhys.supports.okereke
  6. http://entertainment.timesonline.co.uk/tol/arts_and_entertainment/music/article4385022.ece
  7. http://www.independent.co.uk/opinion/commentators/neil-norman-lydon--a-loaded-pistol-with-his-sights-trained-on-humbug-878240.html
  8. http://www.digitalspy.co.uk/showbiz/a116667/lydon-threatens-legal-action-over-racism-row.html
  9. http://www.thesun.co.uk/sol/homepage/showbiz/sftw/article1927957.ece
  10. http://www.nme.com/news/foals/38295