Industrial

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Abgrenzung
Ursprünge: Dadaismus, Avantgarde, Art Brut, Musique concrète
Herkunft: Großbritannien
Zeitraum: von 1975-1980, über den Post-Industrial bis heute
Anders als: EBM, Elektro, Industrial Metal

Industrial ist ein Genre, das sich ab Mitte der 1970er Jahre weltweit entfaltete und Anfang der 1980er Jahre in viele Subgenres überging, die unter dem Begriff Post-Industrial zusammengefasst werden. Industrial thematisiert die Zusammenhänge zwischen Klang, Rhythmus und Musik.[1] Mir der Auflösung der Hauptprotagonisten Throbbing Gristle wird das Ende des Industrial angesetzt. Nach Michael Goddard (2011) war das Anliegen des Industrial nicht, auf industrielle Technologien und Rhythmen zurückzugehen, sondern die Dekonstruktion (Destabilisierung) von Rhythmus zu nonrhythmischen Formen, die von den Subgenres des Post-Industrial und der „begleitenden kollektiven Schizophrenie“ mit tanzbaren Rhythmen bzw. rhythmischen Variationen „überdeckt“ werden.[2]

Einführung und Geschichte

Industrial als Genrebezeichnung ist etwas problematisch, da diese Bezeichnung über die Jahre eine Bedeutungsveränderung erfahren hat. Zwar läßt sich die Entwicklung von den Anfängen bis heute als kontinuierlicher Prozeß erfassen, jedoch hat das, was heute unter diesem Begriff verstanden wird, mit den Ursprüngen nicht mehr viel gemein, steht zum Teil sogar in krassem Widerspruch dazu. Der Begriff Industrial wurde geprägt von der Gruppe Throbbing Gristle um Genesis Breyer P. Orridge, die von 1975-1981 in der britischen Musikszene Furore machte. Die Band betrieb ein eigenes Label unter dem Namen Industrial Records. Der Musiker und Künstler Monte Cazazza, der auch auf dem Label veröffentlichte und zu den Industrial-Pionieren zu zählen ist, prägte als Beschreibung der Musik von Throbbing Gristle den Slogan Industrial music for industrial people. Es war der Anspruch von Throbbing Gristle, eine musikalische Ausdrucksform zu finden, die dem Ende des industriellen Zeitalters, der ökonomischen Krise und dem Verfall der britischen Großstädte aufgrund der Wirtschaftskrise in den Mitt-Siebzigern angemessen war. Nach ihrer Ansicht war die Rockmusik, die auf der Tradition des Rhythm & Blues und damit also der ländlichen amerikanischen Kultur des frühen 20. Jahrhunderts beruhte, dazu nicht geeignet. Deshalb versuchte die Industrial-Bewegung (anders als die etwa gleichzeitig startende Punkbewegung) die totale Abkehr von den üblichen Ausdrucksformen der Rock- und Popmusik, auch wenn sie sich mit voller Absicht der gleichen Mittel (Konzerte, Plattenveröffentlichungen) bediente. Ein wesentliches Mittel bestand in der Schock-Taktik, einer bewusst provozierenden Darstellung, die den Hörer verunsichern und zum Nachdenken anregen sollte. Um diese Ziele erreichen zu können, wurde großen Wert auf vollständige Autonomie und die volle eigene Kontrolle über die Veröffentlichungen gelegt. Musikalisch arbeitete man mit dem Konzept der Anti-Musik, d.h. der Verwendung von Geräuschen und Sprachsamples, die zumindest in den damaligen Hörgewohnheiten nicht als Musik wahrgenommen wurden (heutzutage hat sich diese Wahrnehmung stark verändert, was nicht zuletzt auf den Einfluß des Industrial auf die Musikkultur zurückgeht). Inhaltlich wurden Tabus bewusst gebrochen und die Kontrolle von Medien und Informationsverbreitung attackiert. Insofern gehört die Industrial-Bewegung auch zu den ideologischen Vorreitern des sogenannten Informationszeitalters.

Abgesehen von diesen mehr ideologischen und ästhetischen Gemeinsamkeiten hatten die frühen Industrial-Pioniere keinen gemeinsamen Sound, der eine musikalische Genredefinition ermöglicht hätte, jedoch konstituierte sich in der Folge eine größere Szene von Musikern, die mit dem Ursprungslabel Industrial Records nicht mehr verbunden waren, aber einen ähnlichen ideologischen Hintergrund hatten und mit vergleichbaren Mitteln arbeiteten (z.B. die Einstürzenden Neubauten, Laibach, Test Dept. u.a.m.). In der Folge wurde vor allem in der Presse mit dem Begriff Industrial ein harter Sound mit Metall- und Maschinengeräuschen sowie kontroversen Texten verbunden, die ursprünglichen Zusammenhänge gerieten immer mehr in den Hintergrund. Erschwerend kam hinzu, dass einige Industrial-Künstler der esten Stunde wie z.B. Cabaret Voltaire oder SPK mit der Zeit ihren Stil zugunsten einer poppigeren, konventionelleren Musik veränderten und damit im Strom der aufkommenden elektronischen Popmusik aufgingen. Der Begriff Industrial wandelte sich damit zu einer Genrebezeichnung für elektronische Popmusik der härteren Gangart, neue Genrekombinationen wurden erschaffen wie z.B. Electronic Body Music (EBM), Industrial Metal, Power Electronics und Noise, die zwar noch rudimentäre Gemeinsamkeiten mit dem Industrial der ersten Stunde aufwiesen, jedoch ansonsten einen gänzlich andersartigen Hintergrund besaßen. Genrekenner benutzen für diese Entwicklungen gerne den Überbegriff des Post-Industrial.

In den neunziger Jahren gelangten einige dieser Post-Industrial-Stile zu weitreichender Anerkennung, allen voran der Industrial Metal, so dass von vielen jüngeren Hörern der Genrebegriff Industrial gleichgesetzt wird mit "Metal mit viel Elektronik".

Wichtige Akteure, Alben und Songs

Wichtige Bands:

Ursprünge: Throbbing Gristle, Cabaret Voltaire, NON, SPK, William Burroughs

zweite Welle: Laibach, Einstürzende Neubauten, Test Dept., Nurse With Wound, Foetus

Derivate: Ministry (Industrial Metal), Nine Inch Nails (Industrial Rock) Front 242, Frontline Assembly (EBM) Merzbow (Noise) Negativland (Cut-ups & Sampling)

Wichtige Alben:

Wichtige Songs

Vorläufer

Wichtige Labels

Literatur

Einzelnachweise

  1. Michael Goddard – Industrial music for post-industrial people (2011) [1] bei Backdoor Broadcasting
  2. ebd., Michael Goddard