Indietronics

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Abgrenzung
Ursprünge: Indie-Pop und Electronica
Herkunft: international
Zeitraum: seit Ende der 1990er
Anders als: Elektro-Pop, Future Pop, Post-Rock, Electroclash

Der Begriff Indietronic (alternativ: Indietronics oder Indietronica) bezeichnet die sich seit Mitte der 1990er Jahre entwickelnde Vermischung von Indie-Pop und -Rock mit Stilmitteln der elektronischen Musik (vgl. Indietronica auf intro.de). Er bezieht sich dabei sowohl auf Musiker aus dem Indie-Lager, die elektronische Komponenten in ihre Stücke einarbeiten (vgl. Indietronics-Special auf bandsmagazine.ch), als auch auf Electronica-Musiker, die das Songformat für sich entdeckt haben (vgl. Reviews Styrofoam / Ulrich Schnauss auf skug.at).

Bezeichnung

Erstmals tauchte der Begriff Ende der 1990er Jahre auf und stand eine Zeitlang neben Alternativbezeichnungen wie Data Pop (nach einer 2001 erschienenen Compilation der Spex), Indie-Dance, Indie-Electro oder Lap-Pop, die mittlerweile nicht mehr gebräuchlich sind. Die spanische Compilation "Indietronica Vol. 1" (2002) popularisierte die begriffliche Mischung von Indie und Electronic. Der Begriff wird in der deutschsprachigen Fachpresse mittlerweile rege verwendet, im englischsprachigen Raum hingegen spricht man jedoch eher von indie electronic, electronic indie pop oder indie dance (vgl. 'About' auf this.bigstereo.net (englisch)). In seinem Buch "Fuck Forever - Der Tod Des Indie-Rock" befasst sich Musikexpress-Autor Albert Koch auch mit der Auswirkung der zunehmenden Begriffsverwirrung bezüglich Independent und Mainstream auf die elektronische Musik (vgl. Fuck forever (2007)).

Entstehung und Entwicklung

Grundsätzlich kann Indietronics als Mischung von Pop, Hip Hop, Electronica und Independent Rock beschrieben werden (vgl. 'Selected press bits' auf this.bigstereo.net (englisch)). Mit steigender Verfügbarkeit professionell einsetzbarer elektronischer Instrumente näherten sich auch Künstler aus dem Indie-Sektor an Stilmittel der elektronischen Musik an und nahmen dabei vor allem Bezüge aus Glitch und IDM auf. Zusätzlich integrieren verschiedene Künstler Elemente aus Folk, Jazz, Post-Rock und Krautrock (vgl. 'Wie Indie in die Matrix ging, Digitalisierung des melancholischen Schluffitums: Indietronic' auf musicline.de). Es gibt Schnittmengen mit Synthpop (vgl. Postal Service, The - Give Up bei discogs.com), die Musik ist aber in der Regel weniger offensiv als die sich in etwa zeitgleich entwickelnden, eher extrovertierten Subgenres Electroclash und Future Pop, die eher Wurzeln in New Wave bzw. EBM hatten. Die Stimmung bei Indietronics-Songs ist meist eher mit sanft, entspannt oder melancholisch und somit eher introvertiert oder impressionistisch zu beschreiben (vgl. Indietronics auf loopzeitung.ch). Die Rhythmen zielen nicht zwingend auf die Tanzfläche. Statt geraden Beats werden oftmals eher komplex-verspielte und verlangsamte Rhythmen, aber auch Störgeräusche (ähnlich wie bei Clicks & Cuts) eingesetzt (vgl. This Ding Is Indietronic bei spex.de). Trotz der zugrunde liegenden Besinnung auf den Song ist ein gewisser Hang zum spielerischen Experiment bei vielen Künstlern zu finden (vgl. Indietronica > Review bei allmusic.com).

Als erstes populäres Album dieser Richtung gilt "Shrink" von The Notwist, das 1998 erschien und die Vermischung der Stilmittel mit der Verbindung einer Indierock-Band mit einem Klangbastler (hier: Martin Gretschmann alias Console) ganz handfest veranschaulicht (vgl. Die Methode der sanften Kopfgeburt auf taz.de). Überhaupt produzierte deren Heimatstadt Weilheim zahlreiche für das Genre wichtige Veröffentlichungen, z.B. von Lali Puna und Ms. John Soda (vgl. 'Wie Indie in die Matrix ging, Digitalisierung des melancholischen Schluffitums: Indietronic' auf musicline.de). Als größter kommerzieller Erfolg hingegen ist wohl "Kid A" von Radiohead anzusehen, dessen Soundästhetik dem beschriebenen Klang entspricht, auch wenn die Band eher nicht dem Genre zuzurechnen ist.

2002 hatte The Notwists Album "Neon Golden" weltweiten Erfolg (vgl. The Notwist - City Slang meldet neues Album). 2003 erschien das Album "Give Up" von The Postal Service, welches ähnlich wie die letzten Veröffentlichungen von The Notwist das zwiespältige Wesen von Indietronics zeigt: Es erschien als elektronisch-poppiger Fremdkörper im Labelprogramm des vornehmlich für Indierock bekannten Labels Sub Pop, entwickelte sich aber zu einem der größten kommerziellen Erfolge dieses Labels (vgl. Postal Service Delivers 'give Up' auf allbusiness.com). Nach verschiedenen weiteren signifikanten Veröffentlichungen Mitte der 2000er Jahre waren 2006 mehrere Alben (etwa Hot Chip mit "The Warning" oder "So This Is Goodbye" von Junior Boys) insbesondere bei Kritikern sehr erfolgreich (vgl. Spex-Jahrescharts 2006). Generell findet diese Stilrichtung ihre Anhänger eher in der Zielgruppe der Spex und der Intro als bspw. in der der gitarren- und rocklastigeren Visions.

Wichtige Akteure, Alben und Songs

Wichtige Bands (in alphabetischer Reihenfolge):

Wichtige Alben:

Wichtige Songs

Vorläufer

Wichtige Labels