Hippie

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Der Begriff Hippie (von hip als Gegenteil zu square = spießig) kam in den 1960er Jahren in den USA auf, als von der Beatnik-Generation beeinflusste junge Menschen zunächst an der Westküste der Staaten (mit dem Zentrum San Francisco) alternative Lebensformen zu erproben begannen. Die Bezeichnung "Hippie" war ursprünglich eine Abwandlung des Begriffs "Hipster", einem Modephänomen, das seine Ursprünge in den 1940er Jahren hatte und musikalisch mit dem Bebop und Modern Jazz assoziiert wurde. Handelte es sich bei den Hipstern noch um eine überschaubare Gruppe, mutierte die Hippie-Bewegung zu einem Massenphänomen. Ab 1966 erwuchs daraus eine regelrechte Bewegung, die ihren Höhepunkt 1967 im "Sommer der Liebe" fand, während das Popfestival Woodstock 1969 gemeinhin als medial einflussreichstes Ereignis im Hippiekontext gesehen wird.

Ziele und Merkmale

Die Hippie-Bewegung entwickelte sich vor dem Hintergrund einer studentisch geprägten Gegenkultur, die sich in den 1960ern insbesondere in Nordamerika und Westeuropa in verschiedenen gesellschaftlichen Debatten wie der Kontroverse um den Vietnam-Krieg, um die Rechte von Frauen oder der Diskriminierung von Minderheiten herausbildete und bestehende Verhältnisse hinterfragte. Die Hauptmerkmale der Hippie-Bewegung, welche schon zu ihren Hochzeiten schnell belächelt und zum Klischee wurden, zielten auf freie Liebe, Frieden statt Krieg, den Konsum bewusstseinserweiternder Drogen (insbesondere LSD und Marihuana) sowie die Abkehr von als beengend empfundenen bürgerlichen Normen in sexueller, moralischer und sozialer Hinsicht ab. Musikalisch spielte der Psychedelic Rock eine wichtige Rolle, dessen Westcoast-Exponenten wie die Grateful Dead, Jefferson Airplane oder Big Brother and the Holding Company praktisch die Musik zur Bewegung schrieben. Generell waren auch hier die Beatles mit ihrem Album "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" enorm einflussreich; andere wichtige Bands und Künstler der Hippie-Ära waren die Woodstock-Heroen Crosby, Stills, Nash & Young (sowie deren Vorgängerband Buffalo Springfield), The Byrds, die Polit-Folk-Sängerin Joan Baez, Country Joe & the Fish oder Richie Havens, während "If You're Going to San Francisco", der Hippie-Song par excellence, von Scott McKenzie gesungen wurde.

Neben der Musik spielten auch Literatur und Filme eine wichtige Rolle für das Hippie-Selbstverständnis. Zu den wichtigsten Einflüssen gehörten hierbei neben den Beatnik-Klassikern Jack Kerouac ("Unterwegs") und William S. Burroughs ("Naked Lunch") Schriftsteller wie Ken Kesey ("Einer flog übers Kuckucksnest"), Carlos Castaneda ("Tales of Power") und Aldous Huxley ("The Doors of Perception" als die Bibel der LSD-Jünger). "Easy Rider" mit Peter Fonda, Dennis Hopper und Jack Nicholson wurde zum Kultfilm der Hippiegeneration. 1967 wurde die Hippiebewegung im Musical Hair reflektiert.

Nachleben

In den 1970er Jahren breiteten sich Mode und andere Attribute des Hippie-Lifestyles zwar rasch aus, doch gerieten die ursprünglichen Anliegen der Bewegung dabei in den Hintergrund. Nicht zuletzt forderten auch der Drogenkonsum prominente Todesopfer wie Jim Morrison, Janis Joplin und Jimi Hendrix ein. Schließlich übernahm Punk ab 1976 die Rolle der stärksten globalen Gegenkultur und rechnete mit seiner Aggression und seinem Nihilismus auch mit den als naiv empfundenen Idealen der Hippies ab.

Heute ist das Neo-Hippietum eine von vielen Retro-Subkulturen; musikalisch wirkt das Erbe der Sechziger in Neo-Psychedelia-Bands (im härteren Rockbereich auch teilweise in Stonerrock und Doom) oder in Folkies wie Devendra Banhart oder The Pleasants nach, während die domestizierte Form der Schlaghose zum festen H&M-Inventar gehört.