Hard Bop

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Der Hard Bop oder Hardbop ist eine Stilrichtung des Jazz und hat sich seit Mitte der 1950er Jahre aus dem dann stagnierenden Be Bop entwickelt. Die für den Be Bop typischen Phrasen wurden vereinfacht und in eine gänzlich neue Form eingepasst, die Elemente des aufkommenden Rhythm and Blues enthielt. Streng gesehen existierte der Hard Bop bis in die frühen 1960er, er ist aber nach wie vor präsent und beeinflusst neben Jazzszenen viele weitere Szenen besonders auch der Populären Musik.

Hintergrund

Die Hard Bop-Bewegung der 1950er Jahre entwickelte sich zunächst alternativ zum Cool Jazz in New York und dem West Coast Jazz in Kalifornien. Die meisten Größen des Hard Bop waren Schüler erfolgreicher Musiker des Be Bop und Swing oder haben mit solchen zusammengespielt (Art Blakey zum Beispiel bei Charlie Parker, Charles Mingus bei Duke Ellington). Das 1957 erschienene Album von Art Blakeys Jazz Messengers Hard Bop markiert den Anfang der Entwicklung.[1] Bis Mitte der 60er war der Hard Bop dann als Bewegung wieder beendet: "During the 1960s hard bop gradually became more complex as many of its soloists showed their awareness of the free jazz movement’s developments. Soul jazz, in contrast, often became simpler, focusing on danceable grooves, repetition, and soulful solos."[2]

Musik

Hinsichtlich der rhythmischen Bearbeitung fällt die typische Akzentuierung der Backbeats auf, die neben den geshuffelten Motiven für das Bouncen der Stücke (den Swing) verantwortlich sind, zusätzlich sind die Tracks grundsätzlich laid back gespielt und folgen dem Call-and-Response-Schema. Hinzu kommt ein an den Motiven der jeweiligen Stücke orientiertes Stop and Go und eine explizite Quartenharmonik als Grundlage von Motiven und Soli. Die Besetzungen sind nicht größer als bis zu sechs Mitgliedern. Fast alle Tracks folgen der sogenannten Jazz-Performance-Form, das Thema wird zu Beginn eines Stücks vorgestellt, dann folgen bis zum Ende des Stücks diverse Instrumentalsoli, zum Abschluss wird das Thema noch einmal rekapituliert (Reprise).[3] Die Themen sind aus mehreren oft repetitiven Elementen zusammengesetzt, während der Improvisationen wird der Shuffle von Anfang bis Ende strikt durchgespielt. Die Drums sind sehr zurückhaltend und im Mix mit Schwerpunkt auf den Becken eingebracht. Im Durchschnitt sind die Stücke etwa fünf Minuten länger als die meisten bekannten Jazzstandards zu der Zeit waren, die Entwicklung der Langspielplatte seit 1949 begünstigte diese Entwicklung. Eigentlich alle Hardbop-Musiker thematisieren Repetition anhand ihrer Variationen.

Techniken

Die Soli sind oft bis ins Detail festgelegt und wiederholen sich von Auftritt zu Auftritt. Elemente des Be Bop werden reduziert und konsequent zuende gedacht.

Der Bass spielt grundsätzlich einen Walking Bass (im Grunde eine Ostinate), der Hard Bop ist die erste Stilrichtung des Jazz, in der auch der Bass ein Solo bekam.

Viele Pianisten sind auch Organisten baptistischer Kirchen, die auf Grundlage ihrer Erfahrungen im Umgang mit dem Gospel spielen, entsprechend oft spielen sie eine Art von „Kirchenklavier“, wie es im Be Bop nicht vorkam. Das Gospel-Piano ist in den Themata oft als plagale Kadenz ("amen chord") hinzugefügt und wird teils synchron (unisono) nachvollzogen.

Die Drums sind im Hintergrund gehalten und wie beim Bass besteht oft die Möglichkeit eines Solos. Im Mix dominieren die Hi Hats (Becken), zumeist werden nur die Basics mit wenigen sporadischen Zusatzfloskeln gespielt. Die Hi Hats werden gewöhnlich auf den Backbeats akzentuiert.

Die Hauptsolisten, fast immer Saxofon oder Klarinette, seltener Trompete und weitere, bauen ihre Soli auf repetitiven Schemata auf, einzelne Phrasen werden zum Teil in Variationen transponiert. Die Melismatik erscheint reduziert.

Rezeption in der Populären Musik

Die repetitiven Elemente nicht nur der Themata, sondern auch in den Soli, sind möglicherweise mit dafür verantwortlich, dass dem Hard Bop in vielen Substilen der Populären Musik anhaltend Respekt gezollt wird, Loops finden eine Tradition im Hard Bop. Die Bedeutung des Hard Bop für den Techno und Drum'n'Bass wird gemeinhin unterschätzt, wie auch die Bedeutung, die er für den Punk nicht nur aufgrund des Ideals der Straightness der musikalischen Form gehabt hat und immer noch hat[4]: "Three chords is the way to a solo".[5] Dadurch, dass der Hard Bop bis in viele Einzelheiten hinein standardisiert und formalisiert ist, unterscheiden sich viele Stücke aus größerer Distanz vielleicht nur wenig, auch hier ist eine Parallele zum Beispiel zum Minimal Techno zu sehen, die Tendenz, ein Soundbild eher als eine lineare Form spezifisch zu repräsentieren. Besonders die Aufwertung des Basses, aber auch weitere formale Kriterien (namentlich Amen Break <–> Amen Chord)[6], entsprechen Formeln der Drum'n'Bass-Szene, einzig der Soul Jazz ist als Spielart des Hard Bop noch gradliniger aufgebaut als dieser (Jimmy Smith, Horace Silver und andere).[7] Das Stop-and-Go-Verfahren findet sich bei Bands wie Helmet, im Speed Metal und Post-Hardcore ebenso, wie ganz offensichtlich schwerpunktmäßig im Breakbeat und dann Breakcore.

Einflüsse

Be Bop, Swing, Gospel, Soul, Rhythm and Blues, Blues, Soul Jazz, Repetitive Musik

Hauptvertreter

Art Blakey, Horace Silver Quintet, Jazz Messengers, Thelonious Monk, Sonny Rollins, Bill Evans, Wynton Kelly, Joe Henderson, Wayne Shorter, Robbie Hutchinson, Donald Byrd, Freddie Hubbard, Hank Mobley, Dave Brubeck, Max Roach, Cannonball Adderley, zum Teil: Charles Mingus, Miles Davis, John Coltrane, Ornette Coleman, Ray Charles

Einzelnachweise

  1. Profil The Jazz Messengers – Hard Bop [1] bei allmusic
  2. Clifford Brown & Horace Silver – New York Hard Bop and Soul Jazz. What is Hard Bop? [2] bei encyclopedia.jrank.org
  3. Brent Jensen – Jazz-Styles. Hard Bop [3] bei Youtube
  4. Der Hard Bop hat mit dem Punk auch den Anspruch gemein, eine besonders harte oder radikale Form einer Musikrichtung auszufüllen (dort zum Beispiel den Rock'n'Roll), vgl. auch Artikel Hard Bop [4] bei der de.wiki
  5. Brent Jensen – Jazz-Styles. Hard Bop [5] 11:04 min. bei Youtube. Auch der Einsatz der durchlaufenden Hi Hats auf den Backbeats ist für Elektronische Tanzmusik typisch.
  6. Ob formal oder funktionell Parallelen zwischen Amen Break und Amen Chord erkennbar sind, sei dahingestellt, so fern das liegen mag, würde es aus allgemeineren Überlegungen heraus doch wieder passen.
  7. Artikel Hard Bop [6] bei der de.wiki

Weblinks

  • Clifford Brown & Horace Silver – New York Hard Bop and Soul Jazz. What is Hard Bop? [7] bei encyclopedia.jrank.org
  • Hard Bop Fanseite [8] bei Hardbop.tripod.com

Links im September 2018.