Glissando

Aus indiepedia.de
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein Glissando (italisiert aus dem Französischen: glisser = gleiten) oder Portamento[1], oft auch als Anglizismus Glide oder Slide, entsteht, wenn ein Interpret eine Frequenz oder Tonhöhe von einer anderen Frequenz oder Tonhöhe aus stufenlos erreicht und die dazwischenliegenden Frequenzen oder Tonhöhen diskret bleiben. Quantisierungen sind nicht in der Lage, dazwischenliegende Tonhöhen definitiv zu bestimmen, weil die Verweildauer konzeptgemäß zu kurz ist. Bei vielen digitalen Synthesizern ist diese ansich analoge Option ein Problem, weil die Frequenzbereiche in Zahlenwerten wiedergegeben werden und die Verweildauern sich im hörbaren Bereich abspielen, bei Midisteuerung ist eine zusätzliche Quantisierung über 127 Schritte hinaus durch einen zusätzlichen LSB-Controller im Mikrobereich möglich. Schlimmstenfalls werden Portamenti mittels gerasterter Potentiometer erreicht, daraus ergeben sich Glissando-Imitationen, die den Möglichkeiten einer Klaviertastatur ähneln (diatonische, pentatonische, chromatische). In der elektronischen Musik eignen sich Glissandi besonders auch im Bassbereich dazu, dem Dilemma der Tonalität oder der Banalität eindeutiger Rhythmen zu entkommen, ein echtes Glissando enthält weder einen eindeutigen Rhythmus noch eine eindeutige Tonalität. Musiksoftware ist heutzutage gewöhnlich in der Lage, echte oder annähernd echte Glissandi zu repräsentieren. Bei Selbstoszillation entstehen bei Oszillatoren die, aus dem Acid House hinlänglich bekannten, Resonanz- / Zwitschersounds, die besonders der Roland TB-303 zugeordnet werden und Glissandi oder glissandoähnliche Effekte ergeben, Bleeps im Bleep House werden oft mit Glide-Effekten ausgekleidet.[2] Im Drum'n'Bass sind zum Teil die Bassbereiche mit den, für das Genre typischen, bis in die Subbassbereiche fallenden, rechteckigen Basstönen ausgefüllt.[3] Auch im Hardcore finden sich eindrucksvolle Vokalglissandi zum Beispiel bei der Demoversion Age of Quarrel der Cro-Mags (im Artikel eingebettet, ab min. 6:43). In der Neuen Elektronischen Musik finden sich Glissandi von Karlheinz Stockhausen bis György Ligeti.[4] Gottfried Michael Koenig: „In der seriellen Denkweise kommt ein Glissando nicht vor, aber als Element kann es vorkommen ....“ Derselbe an anderer Stelle: „Ich kann mir auch ein Glissando vorstellen, das nichtlinear ist, also mehr zickzackmäßig verläuft, aber schließlich doch dorthin kommt, wo man hin will. Ich kann mir auch vorstellen, dass [...] solche Übergänge eine gewisse Krümmung haben.“[5] Glissandi mit unbestimmtem Ziel können in der elektronischen Musik umgesetzt oder durch Aktionen im Rahmen der Live-Elektronik abgefangen werden. Ein gleitender Tonstärkenverlauf nennt sich Diminuendo oder Crescendo, das Pendant inbezug auf die Tempogestaltung Ritardando oder Accelerando.

Auch beim Dopplereffekt handelt es sich um ein Glissando. So gibt es eine Anschlagstechnik chinesischer Paarbecken, durch die ein Dopplereffekt erzeugt wird, die vorwiegend in der traditionellen chinesischen Musik zum Tragen kommt. Die Instrumente, der chinesische Gong oder auch das Bo zum Beispiel, sind zum Teil derart gefertigt, dass sie ein Glissando auf- oder abwärts erzeugen, das von anderen Instrumenten gegebenenfalls unterstützt wird.[6]

Instrumente, die auf Glissandi oder Glide-Effekte ausgelegt sind

Einzelnachweise

  1. Auf manchen Synthesizern wird das Glissando als Portamento ausgewiesen, beim Portamento müssen die zwischen Ausgangs- und Zielfrequenz liegenden Tonhöhen nicht vollständig diskret sein.
  2. Glide-Effekte (Pitchbending) bei Bleeps, siehe eingebettetes Video LFO (UK).
  3. Zum Beispiel Eskovah & DJ DazeeTramp drum and bass 97' style [1] Drum'n'Bass bei Youtube
  4. György Ligeti – Artikulation (1958) [2] mit einer, vom Komponisten anerkannten, „Hörpartitur“ in Form einer grafischen Notation von Rainer Wehinger (1970), bei Youtube
  5. Glissandi in serieller Musik: Gottfried Michael Koenig – LV am 15. November 2002 [3] ab min. 1:06:43, der im seriellen Denken nicht mögliche Verlauf kann durch übergreifende Bezugsgrößen, zum Beispiel eine Reihe, bestimmt werden. Zu den historisch-technischen Grundlagen der Erstellung von Glissandi in der Tonbandtechnik, vgl. ders.: LV am 19. November 2002 [4] ab min. 1:06:20 bis 1:10:45, zu nichtlinearen Verläufen ders.: LV am 11. Februar 2003 [5] ab min. 1:03:37 bei der TU Berlin
  6. Artikel Clash cymbals, Abschnitt Straps and alternatives [6] bei der en.wiki
  7. Zum Beispiel auch digitale Theremine, die bis in den Drumbereich steuerbar sind, hier von der Firma AlesisAir FX [7] bei Youtube
  8. Glissandi in südostasiatischer zeremonieller und Hofmusik, vergleiche etwa: Das National Gugak Center KoreaOhne Titel [8] bei Youtube
  9. Beispiel für einen Stimmwirbeleffekt, Blixa Bargeld in Nick Caves Avalanche (1984, Original von Leonard Cohen) [9] ab 4:02 min. bei Youtube

Weblinks

  • Shephard-Risset-Effekt [10] bei Youtube
  • Shephard Tone (aufwärts): James TenneyFor Ann (rising) (1969) [11] Ausschnitt mit Escherschirm bei Youtube
  • Shephard tones im Portato [12] bei Youtube
  • How to make Electronic Music – How To Create A Portamento Square Wave Lead Sound [13] bei Youtube
  • 【京剧】苏三起解(女起解)Peking Opera – Susan left Hongtong county [14] chinesische Paarbecken bei Youtube
  • György Kurtág – Perpetuum Mobile (Objet trouvé) (seit 1973) [15] aus Játékok, bei Youtube

Links im Juni 2017.