GEMA

Aus indiepedia.de
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) ist eine staatlich anerkannte Verwertungsgesellschaft, die sich laut Satzung um die Wahrung der Verwertungsrechte der Komponisten ("Autoren" genannt) bemüht. Dazu übernimmt sie treuhänderisch den Gebühreneinzug für öffentliche Aufführungen aller Werke ihrer Mitglieder. Die GEMA übernimmt außerdem das Inkasso der GVL.

Geschichte und Grundlage

Als Vater der GEMA gilt Josef Strauss. Er gründete die erste Musikverwertungsgesellschaft in Deutschland. Die rechtliche Grundlage der GEMA stützt sich auf europäisch weitgehend konform gehende Gesetze und Verordnungen zum geistigen Eigentum. Grundlage in Deutschland bieten Artikel 14 des Grundgesetzes und darauf bezogene Gesetze (Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte).

Tarife für "Musiknutzer"

Die GEMA kümmert sich um die Wahrnehmung der Rechte der Komponisten (bei der GEMA als Autoren bezeichnet). Da einem Autor für jede Verwendung seines Werkes eine angemessene Vergütung zusteht (Urheberrecht), zieht die GEMA Gebühren von Veranstaltern, Rundfunkanstalten, Filmverleihen, Gaststätten etc ein. Jede öffentliche Aufführung von bei der GEMA gemeldeter Musik ist gebührenpflichtig. Die Gebühren werden nach einen komplizierten Schlüssel auf die gemeldeten Autoren umgerechnet und an diese "ausgeschüttet".

Die "GEMA-Vermutung" besagt, dass aufgrund des großen Weltrepertoires der GEMA in der Rechtsprechung davon ausgegangen wird, dass bei Aufführungen von Musik GEMA-Repertoire gespielt wird. In Anbetracht dessen, dass die GEMA die einzige Verwertungsgesellschaft für Musikaufführungen in Deutschland ist, ist diese Annahme nicht völlig bodenlos. Die Beweispflicht, dass nicht bei der GEMA gemeldete Werke aufgeführt werden, liegt allerdings beim Veranstalter/Rundfunkbetreiber/etc und muss durch eine exakte Werkauflistung erbracht werden.

VR-T-H 1: Tarife für Tonträgerherstellung

Das Inkasso-System der GEMA fängt schon bei der Tonträgerproduktion an. Die Presswerke sind verpflichtet, keine Tonträger herzustellen, bevor nicht eine Meldung bei der GEMA vorliegt (für VUT-Mitglieder gilt dies nicht). Die zu zahlende GEMA-Gebühr beträgt 10 % vom höchsten vom Label veröffentlichten Einzelhandelspreis. VUT-Mitglieder zahlen 9,0009 % des HAP (= Händlerabgabepreis).

Für Kompilationen, Zeitschriftsbeilagen-CDs und ähnliches gibt es natürlich eigene Vergütungssätze.

-> mehr Informationen hier

U-VK: Tarife für Konzertveranstaltungen

Bei U-VK-Veranstaltungen (Unterhaltungs- und Tanzmusik mit Musikern), zu deutsch: Konzerten, berechnet sich die zu zahlende GEMA-Gebühr nach der Größe des Veranstaltungsortes und dem Preis der Eintrittskarten. Die Mindestvergütung liegt bei einem bis zu 100 m² großen Raum bei einem Eintritt von umsonst bis zu 1 € bei 20,50 €. Jeder Veranstalter ist verpflichtet, sein Konzert bei der GEMA zu melden und ein Formular auszufüllen, in welchem die einzelnen, gespielten Werke aufgelistet sind.

Für den Fall, dass die auftretenden Bands nicht bei der GEMA gemeldet sind, muss für diese natürlich keine Gebühr an die GEMA gezahlt werden (einen Anspruch auf angemessene Vergütung haben sie natürlich trotzdem). Die Chance, dass den ganzen Abend lang kein GEMA-pflichtiges Repertoire gespielt wird, ist allerdings äußerst gering, da auch Coverversionen und Pausenmusik kosten.

-> weitere Informationen hier

Kritik

Die GEMA wird stark von verschiedenen Seiten kritisiert. Künstler beschweren sich über ungerechte und unvollständige Ausschüttungen und zu starre Verträge, die IFPI über zu hohe Abgaben bei der Tonträgerherstellung und Veranstalter über Pauschalforderungen. Besonders bei der Abrechnung von Auslandstantiemen kann es bis zu zwei Jahren und länger dauern bis ein GEMA-Mitglied Kasse machen kann. Firmen wie EMI sind deshalb dazu übergegangen, ihre Tonträger nur noch unter der gesamteuropäischen bel/Biem Lizenz zu veröffentlichen, um den Kapitalfluss zu beschleunigen.

Kritik von Künstlern

Mit der GEMA lässt sich ein Vertrag abschließen, bei dem es möglich ist die verschiedenen Auswertungsrechte für mechanische Rechte, Airplay, TV, Live und Download zu selektieren bzw. auszuschliessen. Dies ist schon seit vielen Jahren möglich, aber weitestgehend unbekannt. Die GEMA erlaubt dies auch nur bei der Anmeldung mit einem Sonderschreiben des Künstlers (eine Option im Standardvertrag gibt es nicht). Auch ist der Wechsel der Modi möglich, allerdings nur nach mindestens drei Jahren Mitgliedschaft und immer nur zum 1. den kommenden Jahres, wenn man bis 31.6. im Vorjahr gekündigt, bzw. den Modus geändert hat.

Der o.g. Umstand hat dazu geführt, dass viele Künstler heute aufgrund einer offensichtlichen Unwirtschaftlichkeit der mechanischen Rechte, diese bei der Anmeldung herausnehmen, oder ausschliessen.

Es ist dem Künstler nicht möglich, selbst bestimmte Werke von der GEMA-Meldung auszuschließen . Dies kann dadurch umgangen werden, dass ein Künstler seine Werke nur an einen Musikverlag weiterlizensiert und selbst nicht Mitglied der GEMA ist. Dadurch sind nur beim Musikverlag gemeldete Werke GEMA-pflichtig, was aber zu Mindereinnahmen führt, da ein Musikverlag selbst Gebühren in Rechnung stellt.

Nach ausgiebiger Kritik an besonders letzerem Punkt wurde eine Übergangslösung geschaffen, die es Künstlern unter strengen Auflagen erlaubt, eigene Stücke zu Promotionszwecken auf ihrer Homepage zum Stream anzubieten. Der VUT konnte für seine Mitglieder eine erschwingliche Lösung aushandeln, nach welcher Labels für einen Pauschalvergütungssatz von derzeit 150 € im Jahr Lieder zum Stream anbieten dürfen.

-> siehe hier (Eigene Präsentation von GEMA-Mitgliedern)

Allerdings ist eine unkommerzielle Nutzung der Werke auch mit Zustimmung der Künstler noch immer nicht möglich. In Deutschland werden die Creative Commons-Lizenzen nicht anerkannt, sodass rechtlich gesehen Webradio, Promotion mit Downloadmöglichkeit, Snippet-Previews (wie bei Internet-Mailordern) und vergleichbares ohne gerade in der Independent Szene kaum leistbare Zahlungen nicht möglich ist.

Kritik von Veranstaltern

Auf Seiten der Veranstalter wird die hohe Gebührenpolitik sowie die Meldepflicht angeklagt. Als unfair werden besonders die Pauschalforderungen empfunden. Unabhängig davon, wie viele Stücke (oder Autoren) auf einem Konzert wirklich durch die GEMA vertreten sind, wird immerzu der gleiche Betrag fällig. Ad absurdum geführt, könnte man sich ein Festival mit einem fast nahezu GEMA-unpflichtigem Line-Up und nur einer gemeldeten Band vorstellen, was zu immens hohen Abgaben führen würde.

Trivia: Verwertung in jeder Lebenslage

Das Inkassosystem der GEMA ist perfekt. Deshalb gibt es auch Tarife für:

  • Digitale Vinylsysteme
  • Musik in Telefonwarteschleifen
  • Regelmäßige Musikwiedergaben mittels Tonträgern in Table-Dance-Lokalen, Striptease-Lokalen usw.
  • Nutzung von Werken des GEMA-Reptertoires bei Bestattungen
  • Wiedergabe von Fernsehsendungen während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006
  • Videoeinzelkabinen
  • Musik in Gottesdiensten

->eine vollständige Auflistung aller aktuellen Tarife und der Tarife ab Januar 2014 findet sich hier


Aufkommende Konkurrenz

Mit der Cultural Commons Collecting Society formiert sich gerade ernstzunehmende Konkurrenz für die europaweite Auswertung von Creative-Commons-Lizenzen. Prominentester Unterstützer ist Dr. Motte, der ehemalige Veranstalter der Love Parade.


Weblinks