Frank Zappa

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Frank Zappa
Frank Zappa 1977
Frank Zappa 1977
Herkunft: Baltimore, Maryland, USA
Geboren: 21. Dezember 1940
Gestorben: 4. Dezember 1993
Aktiver Zeitraum: 19611993
Instrumente: alles
Homepage: Zappa.com
Bands:
The Mothers of Invention

Frank Zappa war einer der einflussreichsten Musiker der US-Gegenkultur, der in den mehr als drei Jahrzehnten seines Wirkens immer wieder die Grenzen zwischen Avantgarde, Pop und alternativer Musik durchbrochen hat.

Biographie

Der 1940 geborene Frank Zappa sammelte bereits in seiner Kindheit unterschiedlichste Einflüsse, die sich alle später in seiner Musik und seinen Performances niederschlagen sollten. Auf der nichtmusikalischen Seite waren es Erfahrungen wie in seiner Heimatstadt Baltimore direkt neben einem Chemiewerk zu leben (weshalb im Hause Zappa stets Gasmasken griffbereit lagen) oder wegen seines Asthmas an der Nase behandelt zu werden. Von der Musik her traten nacheinander Rhythm and Blues, Doo-Wop, Avantgarde (insbesondere der Komponist Edgar Varèse, den Zappa zeitlebens verehrte) und Jazz in Frank Zappas Leben, die sich ebenfalls in seinen eigenen Kompositionen wiederfinden sollten. Insbesondere ungewöhnliche Perkussionstechniken erweckten Zappas Interesse, weshalb auch das erste von zahlreichen von ihm erlernten Instrumenten das Schlagzeug war. Hinzu kam eine deutliche Vorliebe für das Obskure und nicht im Mainstream Vertretene, was sich sowohl auf Musik als auch Kunst und Literatur bezog.

In den späten 50er Jahren begann Frank Zappa dann selbst Musik zu machen, wobei er das Spiel auf der elektrischen Gitarre erlernte und es bis zur Meisterschaft brachte. Anfang der 60er arbeitete er als Songwriter für andere Künstler und verdiente so sein erstes Geld mit der Musik, womit er sich unter anderem sein eigenes Studio finanzierte. Dabei wurde Zappa auch zu einem erfahrenen Studiotechniker, der viel auf dem Bereich von Overdubbing und anderen Techniktricks experimentierte. 1965 stieß Frank Zappa dann auf seine spätere Hauptband, die Mothers of Invention, mit denen er 1966 sein erstes Album namens "Freak Out!" aufnahm. Auf diesem wurde die wegweisende Mischung aus klassischen Pop- und R&B-Sounds mit Doo-Wop-Gesangseinlagen und experimentellen Klängen geboren, verbunden mit Texten, die Zappas lebenslange Opposition zur Mainstreamkultur und Autoritäten zum Ausdruck brachten, sich gleichzeitig aber auch über die Klischees der Hippie-Kultur lustig machten. Weitere wichtige Platten folgten mit "Lumpy Gravy" (1968), das die Verknüpfung von orchestralen und avantgardistischen Elementen mit innovativer Studiotechnik neu definierte, sowie "We're Only in It for the Money", eine Art Konzeptalbum, das die Hippie-Kultur auf die Schippe nahm (u.a. war das Cover eine Parodie des Beatles-Albums "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band"). 1969 löste Zappa die Mothers of Invention aus finanziellen Gründen auf, weil er die Band zunehmend aus eigener Tasche bezahlte. Auf Frank Zappas ersten Soloalbum "Hot Rats" von 1970 spielten dennoch einige Musiker aus seiner vormaligen Combo mit, außerdem sein Langzeit-Musikerfreund und Bruder im Geiste, Captain Beefheart. Die Platte ging deutlich mehr in die Jazz-Rock-Ecke und hatte einigen Einfluss auf die Entwicklung des Genres.

Ebenfalls 1970 versammelte Frank Zappa eine neue Begleitband, die sich nun verkürzt The Mothers nannte. Außerdem begann er mit der – sowohl von ihm selbst wie auch den anderen Beteiligten – zwiespältig rezipierten Zusammenarbeit mit dem Royal Philharmonic Orchestra, dessen Mitglieder sich unter anderem weigerten, die "sinnlosen und obszönen" Anweisungen in Zappas Partituren auszuführen. Es entstand dennoch das Album "200 Motels", das auch von einer gleichnamigen Tour und einem Musikfilm ergänzt wurde. Ende 1971 hatte Zappa einen schweren Unfall, als er in den Orchestergraben einer Bühne fiel und sich vielfache Knochenbrüche zuzog. Nach der mühsamen Erholungsphase waren die Mothers wieder aufgelöst, und Zappa produzierte zahlreiche Jazz-orientierte Soloalben, von denen besonders "Apostrophe" (1973) und "Over-Nite Sensation" (1974) erfolgreich waren. Sein wohl ambitioniertestes Projekt, die Vierfach-LP "Läther", auf dem jede Platte einen von Zappas charakteristischen Stilen enthalten sollte, scheiterte zu Lebzeiten des Künstlers an der Weigerung seiner Plattenfirma Warner, die Musik zu veröffentlichen. ("Läther" erschien schließlich 1996.) Die Siebziger endeten schließlich mit zweien von Zappas größten Erfolgen, nämlich "Sheik Yerbouti" mit der immer noch beliebten Hitsingle Bobby Brown sowie der Dreifach-LP "Joe's Garage", einer teilweise satirischen Rockoper über den verklemmten amerikanischen Puritanismus, aber auch die Unterdrückung der freien Rede.

In den 80ern veröffentlichte Frank Zappa mit ungebrochener Produktivkraft, unter anderem drei Instrumentalalben nur mit seinem Gitarrenspiel (unter dem Motto "Shut Up 'N Play Yer Guitar") und "Ship Arriving Too Late to Save a Drowning Witch" mit der Erfolgssingle Valley Girl, auf der seine Tochter Moon Unit zu hören ist. Es folgten aber auch weitere Experimente mit Orchestern, so Pierre Boulez Conducts Zappa: The Perfect Stranger (1984), das vom Ensemble InterContemporain eingespielt wurde. Außerdem entwickelte sich eine neue Liebe zum Synclavier, das auf den meisten seiner 80er-Werke dominieren sollte. Frank Zappa geriet auch ins Visier der PMRC, jener Elternlobby um Tipper Gore, die den berüchtigten "Parental Advisory"-Aufkleber erfunden hat. Dieses Zusammentreffen hatte den Nebeneffekt, dass der Musiker sich Ende der 80er und Anfang der 90er sehr in der Politik engagierte und unter anderem vom Präsidenten der Tschechoslowakei Vaclav Havel (seinerseits Zappa-Fan) einige Zeit lang als Regierungsberater engagiert wurde.

Dies änderte sich jedoch schlagartig, als bei Frank Zappa Prostatakrebs mit tödlichem Ausgang diagnostiziert wurde. In seinen letzten Lebensjahren konzentrierte sich der Musiker fortan nur noch auf seine Musik und konnte noch sein Album "Civilization, Phase III" fertigstellen, bevor er am 4. Dezember 1993 starb.

Der Einfluss Frank Zappas durch seine experimentierfreudige Kompositionsweise, seine unbeugsame Haltung gegenüber Autoritäten und Klischees sowie nicht zuletzt sein Humor haben seit den 60er Jahren unzählige Bands und Künstler von Ween über Helge Schneider bis Matt Groening inspiriert.

Frank Zappas Sohn Dweezil brauchte mehrere Jahre, um sich einen Querschnitt des Werkes seines Vaters anzueignen und tourte ab 2007 mit der Formation Zappa Plays Zappa weltweit.

Dweezil Zappa zeigt ein großes Verständnis für die Kompositions- und Spielweisen seines Vaters und kann sich dabei auf ein großartiges Ensemble stützen, bei dem Terry Bozio und Steve Vai längere Gastauftritte absolvieren. Frische Ideen in Arrangement und Sound treffen dabei oft auf das Unvermögen die artistische Hochgeschwindigkeit der Mothers zu erreichen. Dweezil Zappas bedächtige Midtempo-Philosophie in Bezug auf das Werk seines Vaters, kommt bei den meist älteren Fans dennoch sehr gut an, wie die größtenteils enthusiastischen Wertungen auf Rateyourmusic.com beweisen.

Solo-Diskographie

Alben (zu seinen Lebzeiten veröffentlicht)
  • 1966 Freak Out!
  • 1967 Absolutely Free
  • 1976 Lumpy Gravy
  • 1968 We're Only in It for the Money
  • 1968 Cruising with Ruben & the Jets
  • 1969 Uncle Meat
  • 1969 Mothermania
  • 1969 Hot Rats
  • 1970 Burnt Weeny Sandwich
  • 1970 Weasels Ripped My Flesh
  • 1970 Chunga's Revenge
  • 1971 Fillmore East
  • 1971 200 Motels
  • 1972 Just Another Band from L.A.
  • 1972 Waka/Jawaka
  • 1972 The Grand Wazoo
  • 1973 Over-Nite Sensation
  • 1974 Apostrophe (')
  • 1974 Roxy & Elsewhere
  • 1975 One Size Fits All
  • 1975 Bongo Fury
  • 1976 Zoot Allures
  • 1978 Zappa in New York
  • 1978 Studio Tan
  • 1979 Sleep Dirt
  • 1979 Sheik Yerbouti
  • 1979 Orchestral Favorites
  • 1979 Joe's Garage Act I
  • 1979 Joe's Garage Acts II & III
  • 1981 Tinseltown Rebellion
  • 1981 Shut Up 'n Play Yer Guitar
  • 1981 Shut Up 'n Play Yer Guitar Some More
  • 1981 Return of the Son of Shut Up 'n Play Yer Guitar
  • 1981 You Are What You Is
  • 1982 Ship Arriving Too Late to Save a Drowning Witch
  • 1983 The Man from Utopia
  • 1983 Baby Snakes
  • 1983 London Symphony Orchestra, Vol. I
  • 1984 Boulez Conducts Zappa: The Perfect Stranger
  • 1984 Them or Us
  • 1984 Thing-Fish
  • 1984 Francesco Zappa
  • 1984 The Old Masters, Box I
  • 1985 Frank Zappa Meets the Mothers of Prevention
  • 1986 Does Humor Belong in Music?
  • 1986 The Old Masters, Box II
  • 1986 Jazz from Hell
  • 1987 London Symphony Orchestra, Vol. II
  • 1987 The Old Masters, Box III
  • 1988 Guitar
  • 1988 You Can't Do That on Stage Anymore, Vol. 1
  • 1988 You Can't Do That on Stage Anymore, Vol. 2
  • 1988 Broadway the Hard Way
  • 1989 You Can't Do That on Stage Anymore, Vol. 3
  • 1991 The Best Band You Never Heard in Your Life
  • 1991 Make a Jazz Noise Here
  • 1991 You Can't Do That on Stage Anymore, Vol. 4
  • 1992 You Can't Do That on Stage Anymore, Vol. 5
  • 1992 You Can't Do That on Stage Anymore, Vol. 6
  • 1992 Playground Psychotics
  • 1993 Ahead of Their Time
  • 1993 The Yellow Shark

Referenzkasten

  • In Deep Purples Gassenhauer „Smoke On The Water“, der erstmalig 1972 auf dem Album Machine Head erschien, werden Frank Zappa and the Mothers wörtlich erwähnt. Der Text bezieht sich auf einen Vorfall in Montreux 1971 in der Schweiz, der sich während einer Show der Mothers Of Invention ereignete. Ein Konzertbesucher hatte mit einer Signalpistole ein Feuer ausgelöst, dessen Rauch über dem Genfersee zu beobachten war: We all came out to Montreux/ On the Lake Geneva shoreline/ To make records with a mobile/ We didn't have much time/ Frank Zappa and the Mothers/ Were at the best place around/ But some stupid with a flare gun/ Burned the place to the ground.
  • Frank Zappa wurde mehrmals in der Naturwissenschaft mit Benennungen geehrt: das Gen „ZapA Proteus mirabilis“, die Fischart „Zappa confluentus“, die Quallenart „Phialella zappa“, die Molluskenart „Amauratoma zappa“, die Spinnenart „Pachygnatha zappa“ und der Asteroid „(3834) Zappafrank“, der zwischen Mars und Jupiter im mittleren Hauptgürtel um die Sonne kreist.

Weblinks