Fischmob

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Fischmob
Fischmob 1998(v.l. Cosmic DJ, Stachy, DJ Koze, Der Schreckliche Sven)
Fischmob 1998
(v.l. Cosmic DJ, Stachy, DJ Koze, Der Schreckliche Sven)
Herkunft: Hamburg/Flensburg
Aktiver Zeitraum: 19931999
Genres: HipHop, Crossover, Electronica
Labels: Plattenmeister, Intercord
Homepage: Fischmob-Tribut bei MySpace
Line-Up:
DJ Koze (aka Stefan Kozalla):
DJ, Produktion, Rap/Gesang
Cosmic DJ (aka Daniel Sommer):
DJ, Produktion, Rap/Gesang
Stachy (aka Rafael Gondesen):
Schlagzeug
Ehemalige Mitglieder:
Der Schreckliche Sven/Timebomb/Sven Franzisko (aka Sven Mikolajewicz):
Produktion, Rap/Gesang (1998 ausgestiegen)

Fischmob wurden 1993 in Hamburg gegründet und sind seit dem Ausstieg von Sven Mikolajewicz 1998 nicht mehr aktiv. Sie waren eine der erfolgreichsten und experimentierfreudigsten norddeutschen HipHop/Crossover-Gruppen der Neunzigerjahre.

Bandgeschichte

Die Flensburger Jungs DJ Koze, Der Schreckliche Sven und Cosmic DJ hatten im Laufe der späten 80er und frühen 90er Jahre bereits in unterschiedlichen Konstellationen zusammen HipHop-Musik gemacht. Als alle nach und nach Richtung Hamburg aufbrechen, werden die bisher parallel laufenden Projekte – TBC-Attack mit Sven und Cosmic, Daily Oppressors/Space Funk mit Koze sowie die embryonalen Fischmob mit Koze und Sven – 1994 zu Fischmob fusioniert. Über die befreundete Band Flugschädel gelangen Fischmob an das Lübecker Kultlabel Plattenmeister, wo im Folgenden alle Platten der Band erscheinen. Die ersten beiden Maxis "Ey, Aller" und "Bonanzarad" werden rasch zu Szeneerfolgen, und im August 1994 macht Live-Drummer Stachy das Quartett schließlich komplett.

1995 erscheint dann das Debutalbum "Männer können seine Gefühle nicht zeigen", das sich überraschenderweise mehr als 50.000 Mal verkauft und als eine der frischesten und vielfältigsten Variationen deutschen HipHops seiner Zeit gilt, da Fischmob weder inhaltlich noch musikalisch Scheuklappen haben und sowohl ernsthafte politische Themen anpacken als auch puren Nonsense- und Partystoff vorlegen. Ebenfalls 1995 kommt die limitierte "In Orange"-EP heraus, zudem steuern Koze und Cosmic Reime zum Fettes Brot-Hit Nordisch by Nature bei. 1996 ist das Jahr der Fischmob-Soloprojekte: Koze präsentiert das "erste deutsche TripHop-Hörspiel" unter seinem Alias Adolf Noise mit der EP "Wunden, s. Beine offen", Sven bringt als Mikolajewicz die Ambientscheibe "Gleiche Höhe ist kein Abseits" heraus, und Stachy arbeitet an den Grundlagen für sein späteres Chill-Out-Projekt Hofuku Sochi.

1997 kommen dann mit "The Doors of Passion", "Tranquilo" (bzw. "Ich hab Dich lieb!" in der Vinyl-Version) und "Triggerflanke" gleich drei Appetizer-EPs auf das zweite Fischmob-Album heraus. Darauf zu hören ist neben Hymnen an den Schmutz (EP #1), Schlafmützen-HipHop (EP #2) und reinem Acid House (EP #3) auch die abgedrehte Schlumpftechno-Version des Slime-Klassikers Bullenschweine namens Polizei Osterei. Dieser Track – als White Label-12" an diverse DJs verteilt – sorgt aufgrund der Zeile "Mollis und Steine gegen Bullenschweine" auch für eine Klage gegen die Band, der Aufruf zur Straftaten wie Körperverletzung vorgeworfen wird. Letztlich fällt der Rechtsstreit bezüglich des Songs – den übrigens auch die Ärzte in ihrem damaligen Hit Ein Schwein namens Männer zitieren – zugunsten von Fischmob aus – inwieweit die Tatsache, dass der ermittelnde Staatsanwalt der Vater von Mob-Drummer Stachy ist, das Ergebnis beeinflusste, sei dahingestellt...

Mit dem 1998 erscheinenden, schlicht "Power" betitelten zweiten Longplayer können Fischmob ihren Bekanntheitsgrad noch deutlich steigern: In der ersten kommerziellen Hochphase des deutschsprachigen HipHop reißen sich Gäste aus ganz unterschiedlichen Szenelagern wie Die Fantastischen Vier, Dendemann (Eins Zwo) oder die Stieber Twins geradezu darum, bei den Nordlichtern mitmachen zu dürfen. Selbst Indie-Rock-Gurus wie J. Mascis (Dinosaur Jr) und Guido Lucas (bluNoise-Chef) wirken bei der Entstehung des Albums mit. Die Auskopplung "Susanne zur Freiheit" (inklusive aufwändigem Thailand-Video) wird zu einem MTV-Hit, und Fischmob moderieren verschiedene Sendungen auf dem Musikkanal. Auf dem deutschen Pendant Viva präsentiert die Band unter anderem bei "Overdrive" einen voll instrumentierten Liveset.

Nach diesem vermeintlichen Durchbruch steigt noch 1998 allerdings überraschend Sven aus, was die übrigen Fischmobber in Konfusion stürzt. Obwohl Koze noch im Frühjahr 1999 Fischmob in einem Interview mit dem Visions als weiterhin aktiv bezeichnet, werden danach keine weiteren Tracks der Band mehr veröffentlicht. Stattdessen tun sich Koze und Cosmic zunächst zu ihrem erfolgreichen House/Disco-Projekt International Pony zusammen, bei dem auch noch Erobique (aka Carsten Meyer) mit an Bord ist. Das Trio veröffentlicht mit "We Love Music" (2002) und "Mit Dir sind wir vier" (2006) zwei Alben sowie mehrere Singles. Sven hat unterdessen einen kleinen Hit mit der Lotte Ohm.-Kollaboration Hinter diesen Mauern, dem Song zum Computerspiel Dungeon Keeper 2, und bringt zwei weitere Ambient-Alben als Mikolajewicz heraus ("Sven die Gondeln Trauer tragen" von 1999 sowie das nur im Internet veröffentlichte "Classify, Claim, Control" von 2005). 2006 begann er die Arbeit an seinem wieder deutlich mehr in Fischmob-Richtung gehenden Bizarro-HipHop-Disco-Projekt Schnuffel, das total süße Eichhörnchen, von dem bislang das Album "Leben auf der Überholspur" (2008) sowie die EP "Sans Comic" (2011) herauskaumen. Stachy ist mit Hofuku Sochi, deren erstes Album "Denshi" noch 1998 herauskam, sowie als DJ unter seinem neuen Pseudonym Stacy_g aktiv. Cosmic DJ schrieb unter anderem seinen "Dschungelbummel"-Blog für die Online-Version von "Die Zeit" und engagiert sich immer mal wieder für Kunst- und Kulturprojekte in Hamburg. DJ Koze ist als gefragter und produktiver DJ, Remixer und Adolf Noise-Musikguerillero mittlerweile wohl der meistbeschäftigte Ex-Mobber.

Kollaborationen

Diskographie

Alben

Singles/EPs

Kompilationsbeiträge

  • 1995 Du nennst mich Penner auf "Fuck Your Illusions 4"
  • 1995 Bonanzarad auf "Introducing Vol. 1"
  • 1995 Tut mir light my fire (Tut mir leid-Remix) auf "EFA Presents: Life Is Too Short for Boring Music Vol. 7"
  • 1996 Bonanzarad auf "Cool Bits"
  • 1996 Vater will uns sehen auf "Freedom Sucks Vol. 2"
  • 1996 Tut mir light my fire (Tut mir leid-Remix) auf "Eat This! Music for the Alternative Generation"
  • 1996 Tut mir light my fire (Tut mir leid-Remix) auf "Die Pauli Platte"
  • 1996 Bonanzarad und Ey, Aller auf "Willkommen in Schleswig-Holstein"
  • 1997 Syntax Terror in 1993 auf "Sozialamt bezahlt doch."
  • 1997 Fick mein Gehirn auf "Zensur!?"
  • 1998 David auf "The New, The Classic & The Unexplored Vol. 2"
  • 1999 Polizei Osterei auf "Visions 75th Anniversary Compilation"
  • 1999 Du (Äh, Du) (McQueen's in the Scene Mix Instrumental) auf "Lounge Records International"
  • 1999 Susanne zur Freiheit (Power Mix) auf "Pop 2000"
  • 1999 Männer können seine Gefühle nicht zeigen (Egoexpress-Medley) auf "Plattenbau"
  • 1999 Polizei Osterei auf "Medikamentedose"
  • 2001 Tranquilo (Instrumental) auf "Feeling:Good 02 Dubnotized"
  • 2002 Susanne zur Freiheit (Videoclip) auf "Introduced 100" (DVD-Video)
  • 2002 Dreckmarketing v1.7 auf "Introduced 100"

Charts

Jahr Titel Charts
D A CH UK US S F NOR FIN AUS NZ
1998 Power 29 - - - - - - - - - -
Singles
1998 Susanne zur Freiheit 72 - - - - - - - - - -

All-Time-Charts

Männer können seine Gefühle nicht zeigen

Referenzbands

Coverversionen

Fischmob covern...

Fischmob werden gecovert von...

  • 1994 NoNotNow!Ey, Aller (als Ey Allä auf der "Bonanzarad"-Split-7")

Videoclips

Weblinks