F.S.K.

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Freiwillige Selbstkontrolle, später kurz F.S.K. (nach der 1949 gegründeten Wiesbadener Selbstzensuranstalt), ist eine deutsche Avantgarde-Band aus München. Sie entstand 1980 in einem vom aufkommenden Punk, Neuer Deutschen Welle und New Wave geprägten Umfeld.

Bandgeschichte

Gegründet wurde die Band in München von Thomas Meinecke, Justin Hoffmann, Michaela Melián und Wilfried Petzi. Die Bandmitglieder hatten sich über das Untergrundmagazin Mode und Verzweiflung (1978 bis 1986) kennen gelernt, das sie gemeinsam herausgaben. Ihre Basisvorbilder reichen von Kraftwerk über Velvet Underground bis hin zu Roxy Music, darüberhinaus referieren F.S.K. auf viele Stile. Sie reflektieren den Authentizitätsbegriff nicht nur in der Popmusik und interessieren sich vor allem für kulturelle Brüche. Die Band verweigert sich aus ästhetischen Gründen, die in ihrer Lesart auch politisch sind, Angeboten großer Plattenfirmen, die im Zuge der „Neuen deutschen Welle“-Euphorie in den frühen 1980er Jahren auch an ungewöhnliche Bands herantraten.

Ihre erste EP erschien im Frühling 1980 beim Hamburger Label ZickZack von Alfred Hilsberg und war die sechste Veröffentlichung auf dem Label, auf dem bis 1989 ihrer regulären Veröffentlichungen erschienen. Im Winter 1980 gaben sie in der Hamburger Markthalle ihr erstes Konzert. 1981 erschien ihre erste LP Stürmer (benannt nach dem Roman „Der Stürmer“ von Berg Lauchstaedt, der beim Kern Verlag hätte erscheinen sollen). Während die ersten Aufnahmen noch im NDW/Punk-Umfeld zu verorten waren, gingen Freiwillige Selbstkontrolle auf den Platten „Ça c'est le Blues“ (1984) und „Goes Underground“ (1985) dazu über, Elemente amerikanischer Folk-Musik einfließen zu lassen.

1985 nahm F.S.K. ihre erste Peel-Session bei der BBC auf – der noch weitere sechs folgten (die letzte kurz nach Peels Tod). Damit bestritten F.S.K. in der über zwanzigjährigen Geschichte der John Peel-Sessions die meisten Sessions als nicht-britische Gruppe. F.S.K. war John Peels erklärte deutsche Lieblingsband und in den folgenden Jahren spielten F.S.K. häufig live in England. Ihre Platten wurden im New Musical Express und Melody Maker mit Höchstwertungen beurteilt.

Ab Ende der 1980er Jahre beschäftigte sich F.S.K. verstärkt mit „elektrifiziert-gebrochener, zeitgenössischer transatlantischer Folklore“ (angeregt u.a. durch die britischen Mekons). Sie versuchte so, die Wurzeln deutscher Musik in den USA zu erforschen und nach Deutschland zu reimportieren. Aus England zurück, nahmen sie im Sommer 1987 in Hamburg die LP In Dixieland auf, die Detlef Diederichsen produzierte. 1989 folgte mit Original Gasman Band ihre erste LP unter dem verkürzten Namen F.S.K. und ihre letzte LP auf Alfred Hilsbergs ZickZack-Label. Mit der Zusammenstellung Bei Alfred (1985) wurde dieser Zeit auf zwei CDs ein Denkmal gesetzt.

Bis 2004 erschienen ihre regulären Veröffentlichungen auf dem Münchener Label Sub Up Records. In dieser Zeit arbeiteten sie eng mit dem Musiker und Produzenten David Lowery (Camper van Beethoven, Cracker) zusammen, nahmen ihre Alben in seinem Studio in Richmond, Virginia auf und tourten mehrfach in den USA. Die Band, die sich aus ästhetischen Gründen lange gegen Drummer gewehrt hatte, nahm im Herbst 1991 Carl Oesterhelt als solchen auf.

1997 wandten sich F.S.K. mit der Veröffentlichung der Vinyl-EP 4 Instrumentals auf Disko B, der Elektronik-Tochter des Sub-Up Labels House und Minimal Techno zu. Bis 2004 nahmen sie nur noch in den Uphon Studios von Mario Thaler im bayrischen Weilheim auf. Jedoch geht es auch hier nicht um Imitation, sondern um die Betonung der Brüche und Dekonstruktion vorgegebener Muster. So nahm die Band die „elektronischen“ Stücke mit konventionellem Instrumentarium auf und konfrontierte unter anderem die Detroiter House-Produzenten-Legende Anthony Shake Shakir mit ihrem schrulligen Material.

Unter dem Titel Lob der Kybernetik (2007) veröffentlichte der Suhrkamp Verlag in Frankfurt am Main sämtliche seit 1980 entstandene F.S.K.-Songtexte. Die Band wechselte zum Hamburger Label Buback, wo sie im Spätsommer mit Ted Gaier und Mense Reents von den Goldenen Zitronen als Produzenten, in deren Art Blakey Studio das Album Freiwillige Selbstkontrolle aufnahmen. Abgemischt wurde bei Mario Thaler in Weilheim.

Thomas Meinecke arbeitet neben der Band erfolgreich als Schriftsteller, Michaela Melián ist bildende Künstlerin, Justin Hoffmann Direktor des Kunstvereins Wolfsburg und Wilfried Petzi Fotograf. Carl Oesterhelt lebt als Musiker in München und war in den 1990er Jahren im Rahmen des legendären Münchner Indie-Clubs Club 2 aktiv.

Line-Up

Genres

Avantgarde, NDW

Diskografie

Alben

  • 1981 Stürmer (LP, ZickZack)
  • 1984 Ça c'est le Blues (LP, ZickZack)
  • 1985 Goes Underground (LP, ZickZack)
  • 1987 In Dixieland (LP, ZickZack)
  • 1989 Original Gasman Band (LP/CD, ZickZack)
  • 1991 Son of Kraut (LP, Sub Up)
  • 1993 The Sound of Music (CD/LP, Sub Up)
  • 1996 International (CD/LP, Sub Up)
  • 1998 Tel Aviv and Eleven Other Originals (CD/LP, Sub Up)
  • 2000 X (CD/LP, Sub Up)
  • 2004 First Take Then Shake – F.S.K. Meets Anthony ‚Shake’ Shakir in the Studio (CD/LP+7", Disko B)
  • 2008 Freiwillige Selbstkontrolle (CD/LP, Buback)
  • 2012 Akt, eine Treppe hinabsteigend

Singles/EPs

Andere

Jahrescharts

Jahr Titel Kritiker Charts Leser Charts
Spex Spex
1985 FSK Goes Underground
18
1989 Original Gasman Band
26
1993 The Sound Of Music
21
2004 First Take Then Shake
23
Singles
2008 Nokturn 1 27

Kompilationsbeiträge

Referenzbands

Coverversionen

F.S.K. covern …

  • My Funny Valentine von Richard Rodgers/Lorenz Hart (auf „Ça c'est le Blues“, 1984)
  • Did You See Jackie Robinson Hit That Ball? von Buddy Johnson (auf „Goes Underground“, 1985)
  • Kansas City von Leiber & Stoller (auf „Goes Underground“, 1985)
  • Drunk von Jimmy Liggins (auf „Last Orders“, 1985)
  • A Swingin' Safari von Bert Kaempfert (auf „Last Orders“, 1985)
  • Salt Lake City von Leiber & Stoller (auf „American Sektor“-12", 1987)
  • (I Wish I Could) Sprechen Sie Deutsch von Dave Dudley (auf „American Sektor“-12", 1987)
  • Mendocino von Sir Douglas Quintet (auf „Original Gasman Band“, 1989)
  • Nationalhymne der DDR von Hanns Eisler (auf „Son of Kraut“, 1991)
  • Hitler Lives von Rosalie Allen (auf „Son of Kraut“, 1991)
  • Fraulein von Bobby Helms/Lawton Williams (auf „Son of Kraut“, 1991)
  • Wooden Heart (Muss ich denn) von Bert Kaempfert/Ben Weisman (auf „Son of Kraut“, 1991)
  • Lonely River Rhine von Bobby Helms (auf „The Sound of Music“, 1993)
  • Distant Drums von Roy Orbison (auf „The Sound of Music“, 1993)
  • Ramblin' Man von Hank Williams (auf „The German-American Octet“, 1994)
  • California Blues (Blue Yodel 4) von Jimmy Rogers (auf „The German-American Octet“, 1994)
  • She's About a Mover von Sir Douglas Quintet (auf „The German-American Octet“, 1994)
  • Last Fair Deal von Robert Johnson (auf „The German-American Octet“, 1994)
  • Derailed von Rainer (auf „The German-American Octet“, 1994)
  • Gold Watch and Chain von The Carter Family (auf „The German-American Octet“, 1994)
  • Dallas von The Flatlanders (auf „The German-American Octet“, 1994)
  • Sleep Walk von Santo & Johnny (auf „The German-American Octet“, 1994)
  • She Acts Like a Woman Should von Marilyn Monroe (auf „International“, 1996)
  • To the Other Woman von Doris Duke (auf „International“, 1996)

F.S.K. werden gecovert von …

  • MotionWas kostet die Welt? (auf „Ex-Leben (Land, Meer)“, 1993)
  • Robert ForsterFreddy Fender's Sohn (auf „2541“-EP, 1994)
  • MerricksMove Ahead (auf „Escape From Planet Munich“, 1999)
  • Die Braut haut ins AugeWhen It Rains in Texas (It Snows on the Rhine) (als Texas auf „+ 1 auf der Gästeliste“, 2000)
  • FinkUnter dem Rhein (auf „Er sieht sie an“-EP, 2000)

Weblinks