Equipment

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Equipment (Ausrüstung) ist ein in den Musikszenen oft verwendeter Anglizismus, der die Gesamtheit der zur Verfügung stehenden Instrumente für einen bestimmten Zweck bezeichnet.

Hintergrund

Was in der traditionellen Musiklandschaft keinen Begriff benötigte, weil es ohnehin klar war, welche Instrumente an einem Konzert teilnahmen und deren jeweilige Klangqualitäten bekannt waren, ist mit der Neuen Musik, der Bandsituation in der Populären Musik und dann noch einmal mit den Möglichkeiten elektronischer Instrumente, wie zum Beispiel Synthesizern oder Drummaschinen, sich gegenseitig annähernd (aber nicht genau) zu emulieren beziehungsweise abzubilden und so die Aufgaben eines ähnlichen oder sogar ganz anderen Instrumentes zu übernehmen, zu einer der wichtigsten Fragen für das, was im Anschluss resümierend Band- oder Actsound genannt wird, geworden. Musiker sind ihren Instrumenten oft sehr verbunden, so dass es eher selten ist, wenn ein Equipment auf Instrumentenebene für einen Auftritt ausgeliehen wird. Das Equipment macht sozusagen am meisten vom Klang einer Musik aus. Thomas David Finke weist darauf hin, dass die Verwendung eines bestimmten Equipments in der Popmusik auratische Züge beinhaltet:

„Um die Forderungen nach Flüchtigkeit und zeitlicher Zuordnung zu erfüllen, ergibt sich also für den Komponisten bzw. Produzenten von Popmusik die Notwendigkeit, möglichst mit aktuellem Equipment zu arbeiten, um sich nicht dem Vorwurf aussetzen zu müssen, reaktionär zu handeln. Glücklicherweise handelt es sich bei Popmusik um eine Musikform, die dieser Aktualität durch einen ständig laufenden Wettbewerb zwischen Studios, Musikern und Geräteherstellern zwangsläufig ausgesetzt wird [...] Der Sound selbst ist dabei oft für eine in den Produktionsprozess des Stückes nicht eingebundene Person, selbst wenn sie vom Fach ist, nicht mehr reproduzierbar, wodurch eine gewisse Einzigartigkeit gewahrt wird ...“[1]

Ein Equipment ist entweder analog oder digital oder, wie in den meisten Fällen, beides (hybrides Equipment). Theodor W. Adorno zufolge klingt Elektronische Musik wie Webern auf der Wurlitzerorgel, jeder Ton werde durch die „dazwischengeschaltete Apparatur geprägt“.[2]

Tipps bei der Anschaffung elektronischer Instrumente

Das Zitat vorab weist in seiner allgemeinen Formulierung bereits darauf hin: Wer sich Equipment anschaffen will und keinen Plan hat, dem können folgende Kriterien besonders, was elektronisches Equipment betrifft, weiterhelfen: Sinnvoll ist es, sich entweder Equipment anzuschaffen, das der Zeit entspricht, oder, wenn das zu teuer oder zu aufwändig ist, was die Recherche betrifft, Instrumente, die schon älter sind, aber in ihrer Zeit entweder auf irgendeine Weise Referenz waren oder Kultstatus erreichen konnten.[3] Sinnvoller als ein Behringer-Mischpult ist es allemale, den Klang direkt in die Stereoanlage zu schicken und wenn es brummt, den Brummsound zum Ausgangspunkt weiterer Bearbeitungen zu machen. Anstelle eines Clones empfiehlt sich grundsätzlich das Original. Extraspielereien sind oft nach kurzer Zeit abgenutzt. Interessant ist für Elektronische Musik besonders auch das Filterverhalten, die Komplexität der Hüllkurve und die Qualität der jeweiligen Oszillatoren. Wo Qualität allerdings ein dehnbarer Begriff ist, sollte hauptsächlich auf den guten Ruf der Instrumente geachtet werden. Zumeist gibt es Gründe für einen solchen guten Ruf, wenn sie auch verborgen sind. Die genauen Filter eines aktuellen Synthesizers können innerhalb sehr kurzer Zeit enttäuschen, während Ungenauigkeiten bei Hardware nicht unbedingt ein qualitativer Mangel sein müssen, so zum Beispiel beim KORG MS-10. Es stellt sich also beim Kauf eines Instrumentes besonders die Frage, aus welcher Idee heraus es entstanden ist und nicht nur, wie es verarbeitet ist oder was es kostet. Oft ist ein spielerischer Ansatz gefragt, bei dem Gadgets zum Zuge kommen. In der Regel ist ein schweres Instrument besser als ein leichtes, ebenso wie ein Gerät mit einem großen Knopf anstelle von hundert Einstellmöglichkeiten. Auf intuitive Bedienung sollte achtgegeben werden, das bedeutet auch, dass besonders Mehrfachbelegungen für Bedienelemente möglichst außen vor gelassen werden. Ein Beispiel für intuitive Bedienmöglichkeiten bietet in etwa der 12bit-Sampler Akai S612, bei dem Anfang und Ende eines Samples mit zwei übereinander liegenden Schiebereglern an der Front eingestellt werden können.[4] Ein nicht zu unterschätzendes Kriterium ist, ob ein Instrument einem aus nachvollziehbaren Gründen sympathisch ist. Wenn ein Instrument aus „nicht nachvollziehbaren Gründen“ sympathisch erscheint, dann ist das oft ein Optimalzustand bei der Entscheidungsfindung. Selbstverständlich sollte es zu diesem Zweck ausprobiert werden. Bevor aus finanziellen Gründen die abgespeckte Version eines Instruments angeschafft wird, das einem ansich eher gefiele, sollte ein anderes gewählt oder ein komplett anderer Zugang zur Musik gesucht werden.

Einzelnachweise

  1. Thomas David Finke: Über das Auratische in der Popmusik und seine kompositorischen Implikationen. 3.2 Benjamin und Pop im Einklang (2008) [1] bei der Folkwang Universität der Künste
  2. Ein Hinweis auf die Bedeutung des Equipments bei: Theodor W. Adorno – Dissonanzen. Musik in der verwalteten Welt (1958)
  3. Der Begriff Vintage-Instrumente, der besonders hochwertige oder klassische Instrumente bezeichnet, ist dort etwas unglücklich gewählt, wo er den Anschein eines Rückwärtsgerichtetseins erweckt. So hat schließlich ein Bösendorfer-Flügel auch nicht nach ein paar Jahren ausgedient, weil das Fabrikat nicht mehr in Mode ist. Richtiger ist es, hier von stilbildenden Instrumenten zu sprechen.
  4. JPG Akai S612 von 1985 [2] bei sequencer.de