Emocore

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Abgrenzung
Ursprünge: Hardcore
Herkunft: USA, Washington, D.C.
Zeitraum: seit ca. 1985
Anders als: Punk, Alternative

Einführung und Geschichte

Emocore (oft auch schlicht Emo) ist eine Spielart des Hardcore. Der Begriff läßt sich auf den Begriff Emotion zurückführen – deshalb ist besonders auffällig in Abgrenzung zum „normalen“ Hardcore: der stärkere Bezug auf persönliche Inhalte als auf politische (wobei sich dies hier nicht unbedingt ausschließen muß).

Emokids (2008)

Emocore – ein mittlerweile vielgeschmähtes Label, mit dem wohl vornehmlich postpubertäre Befindlichkeits-Lyrik und musikalische Beliebigkeit verbunden wird. Zu Recht? Kommt darauf an – wenn man die sich heutzutage etwa im Drive-Thru-Records-Umfeld tummelnden Pop-Punk-Bands als Maßstab nimmt, sind derartige Tendenzen zumindest nicht völlig von der Hand zu weisen.

Aber: Emo bedeutet viele Dinge, umfasst Bands, deren jeweiliger Klang unterschiedlicher nicht sein könnte. Gerade das macht es so schwierig, eine einheitliche Definition zu finden – ergo wird gerne mit groben Vereinfachungen hantiert, die das gesamte Genre unter „Generalverdacht“ stellen. Nicht zuletzt auch das Verdienst von Musikjournalisten, deren Ärger darüber, die Emo-Blütezeit Mitte bis Ende der 1990er Jahre in den allermeisten Fällen komplett verschlafen zu haben, sich gerne in derartigen Ressentiments äußert.

Ein Versuch, doch eine große Schublade aufzumachen, die so disparate Künstler wie Moss Icon, Heroin, Les Savy Fav, Braid, Get Up Kids, Jimmy Eat World oder Ur-Gesteine Fugazi fasst, könnte wie folgt aussehen: Als Emo wurden seit Mitte der 1980er Bands bezeichnet, die ihre Wurzeln in der Hardcore-Szene verorteten, eine starke Bindung zur D.I.Y.-Kultur (Indie-Labels, Fanzines etc. – selbst die jetzigen Mainstream-Lieblinge Jimmy Eat World spielten anfangs in besetzten Häusern) aufweisen, und in diesem Rahmen Musik machen, in der – gerade im Gegensatz zu toughen Hardcorebands – in erhöhtem Maße persönliche Inhalte und der emotionale Umgang mit solchen zum Thema gemacht wird.

Als stilistischer Startschuss des Emocore wird zumeist die Band Rites of Spring aus Washington, D.C. angesehen, die mit ihrer selbstbetitelten 12"-Veröffentlichung von 1985 auf dem lokalen Label Dischord brillierten. Deren Sänger und Gitarrist Guy Picciotto spielt noch heute in der ebenfalls für die Entwicklung des klassischen Emo-Sounds immens wichtigen Band Fugazi.

Und ebendieser Guy Picciotto äußerte einmal auf eine Interview-Frage, was er denn von dem Begriff Emo im Allgemeinen, und sich selbst als vielgepriesener „Erfinder des Emo“ im Besonderen halte:

„I've never recognized emo as a genre of music. I always thought it was the most retarded term ever. I know there is this generic commonplace that every band that gets labeled with that term hates it. They feel scandalized by it. But honestly, I just thought that all the bands I played in were punk rock bands. The reason I think it's so stupid is that – what, like the Bad Brains weren't emotional? What – they were robots or something? It just doesn't make any sense to me.“

Auch die Ur-Punk und -Hardcore-Kapelle Hüsker Dü hat mit ihren im späteren Verlauf der Bandgeschichte melodiöseren Songs (nicht ohne den Gesang von Bob Mould) großen Einfluss besonders auf die früheren Bands des Emocore gehabt.

Klanglich konnte dies dann vor allem in den 90er Jahren die unterschiedlichsten Ausprägungen erfahren: der chaotische, manische Sound von Bands wie Antioch Arrow oder den bereits genannten Moss Icon ist von dem, was heutzutage unter Emocore verstanden wird, Lichtjahre entfernt. Genauso sind jedoch in Anlehnung an die absolut stilprägenden Sunny Day Real Estate eine Vielzahl melodischer, am Indie-Rock orientierte Bands entstanden (Mineral, The Promise Ring, Get Up Kids etc.), die maßgeblich an der Popularisierung des Genres teilhatten. Dennoch waren auch die wichtigen Alben dieser Bands alles andere als stumpfer Mall-Punk – spielerische, an alte Heroen wie The Smiths angelehnte Songstrukturen, assoziative stream-of-consciousness-Lyrics und Upbeat ohne Spaßterror, all das machte Emo zur echten Alternative für Leute, die den klassischen, quirligen Indie-Sound von Bands wie Sebadoh, Superchunk oder Archers of Loaf vermissten. Daneben gab es dann auch noch die punkigere Variante a la Jawbreaker, Hot Water Music bzw. auch technisch-frickelige Ausprägungen wie bei Jawbox. Auch der Screamo entstand aus dem klassischen Emocore, diese Unterart, auch Emotive Hardcore oder Chaoscore genannt, verbindet die kakophonische Rhytmik des Grindcores mit der energetischen, emotionalen Stimmung des Emos in Verbindung mit ruhigen, atmosphärischen Passagen. Wichtige Bands hierbei sind vor allem Orchid, Yage oder jüngst Daughters.

Mit dem Erfolg von Bands wie Dashboard Confessional schließlich wurde der Mainstream-Erfolg (und, wie viele meinen, der Abstieg) eingeläutet. Wie es um die Zukunft des Genres bestimmt ist, bleibt abzuwarten – interessant ist, dass sich viele Musiker, die ursprünglich aus diesem Umfeld stammten, sich mittlerweile dem Disco-Punk hingeben (Radio 4, Q and Not U, Hot Hot Heat etc.).

Emocore & Straight Edge

Straight Edge, d.h. Hardcore-szeneintern der Verzicht auf Alkohol, Nikotin, härtere Drogen und den übermäßigen "Konsum" von Sex, konnte aufgrund der großen Verwandtschaft (auch infrastrukturell, Clubs, Vertriebwege, Labels...) zwischen der sog. Emocore- und Hardcore-Szene auch hier viele Anhänger finden. Bands wie Policy of 3, Boy Sets Fire u.a. sind und/oder waren Beispiel hierfür.

Wichtige Akteure, Alben und Songs

Wichtigste Bands:

Wichtige Alben:

Wichtige Songs

Vorläufer

Wichtige Labels

Literatur

Weblinks