Digitales Vinyl System

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Ein Digital Vinyl System oder Digitaler Vinyl Emulator ist die Ausführung eines Interfaces {Analog/Digital, Digital/Analog) zwischen gewöhnlichen Plattenspielern und einem Laptop. Die Signalkette verläuft von den Plattenspielern über den Wandler selbst (eine kleine Kiste namens Scratch Amp), dann zum Laptop und von dort aus zum Mischpult. Das erste Patent wurde 1996 angemeldet, das heute zumeist gültige 2002.

Anwendungsgebiete

Das Digital Vinyl System wird von DJs oft als die größte Erfindung seit der Entwicklung des Technics MK II Plattenspielers gefeiert und ist für solche vergleichbar mit der Erfindung der vollautomatischen Waschmaschine für die Hausfrau in den 1950er und 60er Jahren. Sie ermöglicht das Steuern von zunächst Audiofiles vom Laptop, indem die Vorteile der Schallplatte bis hin zum Scratchen, Backspinning und Pitchen, sowie ganz im allgemeinen die bekannte und beliebte Griffigkeit von Vinyl genutzt werden können. Ein DJ kann so seine gesamte Musikbibliothek mitnehmen und ist nicht mehr auf das Schleppen von Direktvinyl angewiesen. Der Ablauf eines DJ-Sets kann vorweg geplant und bereits geordnet werden, so können zum Beispiel iTunes-Playlisten eingebunden werden. Musik aus dem Internet kann abgespielt werden, ohne auf das Schneiden von Dubplates zurückzugreifen.

Manche Systeme erlauben über ReWire die Einbindung von VST-Plug Ins und ermöglichen die Kommunikation mit anderen Audioprogrammen. So kann man auch Mikrofonsignale und Liveinstrumentarium zusätzlich per Vinyl steuern.

Setup

Musiklogisch beschreibt man es vielleicht am besten so, dass die Plattenspieler als Steuereinheiten mittels Scratch Amp zwischen die Files (vom Laptop) und das Mischpult dazwischengeschaltet werden.

Von den fast ausnahmslos an die jeweilige Produktlinie gebundenen Time-coded Vinylschallplatten wird ein Timecode abgespielt, ein Audiosignal, das Stunde, Minute, Sekunde und Frame wiedergibt. Wird das Signal direkt verstärkt, dann ist ein digital moduliertes Pfeifsignal zu hören. Timecode Vinyl kostet zur Zeit etwa 20€ pro Platte. Serato bedient sich besonderer Timecode-freier Signale, der Serato-Noisemap (vgl. Youtube-Ad The Rane SL 2 … unter Weblinks). Kontrollvinyl für die Seratobox kostet 2013 zwischen 40 und 60€. Die Schallplatten nutzen sich auch nach jahrelangem intensiven Gebrauch kaum ab. Signalposition und alle Bewegungen des Tonabnehmers werden mit vernachlässigbarem Delay fast Echtzeit von einer Emulationssoftware auf dem Laptop dekodiert und durch das Audio Interface in Audiosignale zurückkonvertiert, um dann zum Mischpult zu gelangen, wo der eigentliche Mischvorgang stattfindet.

Copyrightsituation

Da das Copyright zur Zeit bereits seit längerem im Umbau ist, gibt es bei vielen eine gewisse Rechtsunsicherheit. Was bisher als Laptopzuschlag von den Betreibern einer Veranstaltung beglichen wurde (plus 30%), soll ab 1. April 2013 von den DJs selbst geregelt werden. Die GEMA veranschlagt einen Betrag von 13 Cent pro Titel im Repertoire.[1]

Trivia

Viele Clubs besitzen ihre eigenen Systeme, wenn ein DJ jedoch Wert auf sein System legt, ist es wichtig, dass das Setup von der Nadel bis zum Mischpult genauestens abgestimmt ist, um Troubleshooting zu vermeiden. Gespielt werden die bekanntesten Formate bis hin zu .mp3-Files, deren Abspielen allerdings weithin verpönt ist. Auch Loops und Cue Points können eingestellt werden. Unter den ersten bekannteren DJs und Musikern, die die Technologie verwendeten, sollen Richie Hawtin und John Acquaviva gewesen sein.[2]

Ein Scratch Amp hat üblicherweise Phonoein- und ausgänge, damit normales Vinyl auch ohne Unterbrechung der Performance direkt ins Mischpult geschliffen werden kann, falls der Computer abstürzt, was in Clubs eher vorkommt als in Studios.

Die Idee des Timecodes stammt aus der Postproduktion von Filmen zur Synchronisation von Bild und Ton.

Die bekanntesten Hersteller

Rane Serato Scratch Live, Native Instruments Traktor Scratch Pro. Historisch: Final Scratch.

Systemvoraussetzungen

Windows XP (mit SP3 oder höher, 32 bit), Windows Vista (mit SP2 oder höher, 32 bit), Windows 7 (32 bit), Mac OS 10.5 oder höher, Linux.

Einzelnachweise

  1. Nico Ernst – DJs sollen für Kopien von legalen Musikdateien zahlen (2013 [1] bei Golem.de
  2. Yülli und spätere – Artikel Final Scratch [2] bei de.wiki

Weblinks

  • Steven Carroll – Who Invented Digital Vinyl? (2010) [3] bei who-invented-digital-vinyl.co.uk
  • Serato – The Rane SL 2 for Serato Scratch Live [4] 1 Minute Ad bei Youtube
  • Yülli – Ein time-coded Vinyl in der Vergrößerung [5] bei wikimedia
  • jonasbo – ‪vinyl+ • Expanded Timecode Vinyl‬ [6] Synchronisation mit einem Projektor, Video bei Youtube
  • Yülli und spätere – Artikel Digital Vinyl System [7] bei de.wiki
  • Anonym und spätere – Artikel Rane Serato Scratch Live [8] bei de.wiki
  • ellaskins – ‪Traktor scratch pro video 10 verifying timecode signal.‬ [9] 1 1/2-Minuten-Tutorial zur Einstellung des Timecode-Signals bei Traktor Scratch Pro, Youtube

Links im Juli 2017.