Deutschrock

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"...und ich scheiß auf deutsche Texte" (Die Sterne)

Abgrenzung
Ursprünge: Rock'n'Roll, Beat, Krautrock, Schlager, Bluesrock, Singer-Songwriter
Herkunft: Deutschland halt, vor allem aus den Zentren Berlin, Hamburg und Ruhrgebiet
Zeitraum: seit den 1970er Jahren
Anders als: Krautrock

Deutschrock ist einerseits ein Sammelbegriff für deutschsprachige Rockmusik im Allgemeinen, wird andererseits von Indie-Puristen aber auch latent abwertend zur Beschreibung von Mainstream-Bands und -Musikern wie Herbert Grönemeyer, Udo Lindenberg, BAP oder Marius Müller-Westernhagen verwendet.

Einführung und Geschichte

Entgegen seinem heutigen Ruf als "Musik für spießige Leute jenseits der 40" stellte der so genannte Deutschrock in seinen Anfangstagen zu Beginn der 1970er etwas nahezu Revolutionäres dar. Zuvor war die deutsche Sprache im weiteren populärmusikalischen Kontext nahezu ausschließlich im Bereich des Schlagers zum Einsatz gekommen, da noch immer der Grundsatz galt, dass deutsche Bands zwar an internationale (sprich britische oder US-amerikanische) Trends angelehnte Rockmusik spielen konnten, die Kombination dessen mit deutschen Texten jedoch als undenkbar (und zudem kommerziell nicht vermittelbar) galt. Die ersten Vertreter einer an Alltagsbefindlichkeiten, aber auch politischen Statements zur Lage der (deutschen) Nation angelehnten deutschsprachigen Rockmusik dürften Udo Lindenberg (aus Hamburg) und Ton Steine Scherben (aus Berlin) gewesen sein. Im weiteren Verlauf der Siebziger folgen die späteren Aushängeschilder deutschen Mainstreamrocks Herbert Grönemeyer und Marius Müller-Westernhagen, die sich in ihrer Frühzeit allerdings noch nicht ganz so staatstragend geben wie auf ihren späteren Alben. In den 1980er Jahren kommen noch Acts wie die Stadion-Schlager-Popper Pur oder der Osnabrücker "Niedermacher" Heinz Rudolf Kunze als kommerziell erfolgreiche Vertreter ihrer Zunft hinzu. Musikalisch ist der Deutschrock lange Zeit weniger innovativ, da sich die Protagonisten hauptsächlich am besagten klassischen Rock zwischen Beatles und Rolling Stones mit gelegentlichen Bluesrock- und Soul-Einflüssen orientieren (einzelne Exponenten wie Grönemeyer experimentieren später auch im Bereich Electronica, was jedoch die Ausnahme bleibt). Es entwickeln sich außerdem auch mundartlich geprägte Richtungen des Deutschrocks, wobei vor allem Formationen aus dem Raum Köln/NRW (BAP, Brings) und Bayern/München (Spider Murphy Gang, Relax, Haindling) größere Bekanntheit erlangen. Diese erzielen erstaunlicherweise auch jenseits ihrer Dialektregionen zum Teil enorme Verkaufszahlen.

Um die Dekadenwende Anfang der 1990er Jahre, als Grönemeyer und Westernhagen auf dem Höhepunkt ihrer Popularität stehen, stellen sich unter dem Einfluss von innovativen Genres wie Indierock, HipHop oder Grunge stehende Formationen und Künstler wie Bernd Begemann, Blumfeld oder Element of Crime die Frage, inwieweit sich deutschsprachige Rockmusik jenseits des als spießig und saturiert empfundenen Gestus der Altvorderen realisieren lässt. Wichtige Impulse hierfür kommen von Indielabels wie Fast Weltweit und L'Age D'Or, die als Keimzelle der Hamburger Schule gelten. Diese wiederum sollte mit Bands wie den Genannten sowie den Sternen, Tocotronic, Stella, Huah! und vielen weiteren Sinnbild für musikalisch vielseitige Rockmusik mit deutschen Texten zwischen Alltagsbeobachtungen, Systemkritik, freier Assoziation und persönlicher Nabelschau werden. Im Vergleich zu dieser "jungen Garde" wirkten die bisherigen Exponenten recht altbacken, obwohl Heinz Rudolf Kunze beispielsweise die neuen Bands für seine Iniative für eine feste Quote deutschsprachiger Rockmusik in Radio und Fernsehen zu vereinnahmen suchte (siehe hierzu auch den Artikel über den Satiriker Wiglaf Droste). Daneben gab es aber auch neue, erfolgreiche Bands wie Selig oder Nationalgalerie, die zwar ebenfalls jung waren, vom Gestus her aber weniger politisch und mehr in klassischer Rock-Tradition auftraten.

In den 2000er Jahren trat, aufbauend auf die gestiegene Akzeptanz von Deutsch als Rock-Idiom (maßgeblich allerdings auch durch den Erfolg deutschsprachiger Hiphopper wie Die Fantastischen Vier angeschoben), eine neue Generation von Bands an, die nun oftmals als Quartett mit Frontfrau daherkam. Wegbereiter hierfür waren eindeutig Wir sind Helden, in deren Windschatten Acts wie Juli, Mia. oder Silbermond Chart-Erfolge feiern konnten. Im Gegensatz zu den sich mehr oder weniger offen links bzw. "dissident" platzierenden Bands der Hamburger Schule gab sich die neue Generation zumeist unpolitisch oder "patriotisch-entspannt", was mitunter wiederum Kontroversen der Marke "I Can't Relax in Deutschland" befeuerte und zudem die Diskussion um die martialische, seit Rammstein kommerziell zeitweise jedoch enorm erfolgreiche Neue Deutsche Härte in ihrer Abgrenzung zum Rechtsrock in Erinnerung rief. Daneben suchten aber auch mit klassischem Indie-Background sozialisierte Bands wie Tomte, Kante, Kettcar oder Madsen nach einem Weg, deutsche Texte ohne (falsches) Pathos in ihre jeweiligen musikalischen Ansätze zu integrieren.

Die Veteranen des klassischen Deutschrock sind ungeachtet dessen immer noch aktiv und suchen dabei zuweilen auch die Unterstützung ihrer Nachfolger, so etwa Udo Lindenberg auf seinem Album "Stark wie zwei" von 2008, bei dem ihn unter anderem Jan Delay und Silbermond unterstützten.

Wichtige Akteure, Alben und Songs

Wichtige Bands und Künstler:

Wichtige Alben:

  • Udo Lindenberg: Alles klar auf der Andrea Doria
  • Marius Müller-Westernhagen: Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz
  • Herbert Grönemeyer: Ö, Luxus