Crossover

Aus indiepedia.de
Wechseln zu: Navigation, Suche
Abgrenzung
Ursprünge: HipHop, Rock, Metal, Funk
Herkunft: USA
Zeitraum: Mitte 1980er bis Ende 1990er
Anders als: Fusion, New Metal, Madchester

Der Begriff Crossover bezeichnet im Allgemeinen die Mischung zweier unterschiedlicher Musikgenres, wird seit den frühen 1990ern aber primär auf die Fusion aus Rock bzw. Metal und Funk bzw. Rap/HipHop angewendet, wie sie Bands wie die Red Hot Chili Peppers, Faith No More und Rage Against the Machine populär machten. Oft verwendet wurde der Begriff auch für eine generelle Beschreibung der Musiklandschaft in den 1990er Jahren, in denen so viele Genres wie nie zuvor nahezu gleichbedeutend nebeneinander existierten. Der vorher alles dominierende Rock öffnete sich in alle Richtungen und es entstanden neue Genres, wie Funk Metal oder Industrial Rock.

Einführung und Geschichte

Vorläufer und Grundlagen

Die erste Verwendung des Begriffs Crossover im modernen Rock-Kontext geht wohl auf die Band D.R.I. aus New Jersey zurück, die mit nämlichem Ausdruck ihr 1987 erschienenes drittes Album betitelten. Auch inhaltlich hatte dies mit der damit bezeichneten Verschmelzung zweier Musikstile zu tun, da D.R.I. (wie auch Corrosion of Conformity oder The Accüsed) zu einer der Bands gehörten, die Thrash Metal mit deutlichen Punkrock-Einflüssen spielten. In der Presse sprach man damals bei diesen Bands auch von Crossover Thrash [1]. Auch Bands wie Ministry oder Nine Inch Nails wirkten seit Mitte der Achtziger als Wegbereiter in ihrem speziellen Bereich des Industrial-Metal-Crossovers.

Weitaus stärker wurde die Bedeutung von Crossover jedoch durch jene Bands geprägt, die Mitte bis Ende der 1980er Jahre damit begannen, Gitarrenmusik wie Rock, Metal oder Punk mit Beat-geprägten Styles wie HipHop (mit Rap und DJing), Funk oder auch außereuropäischen Musikformen zu fusionieren. Ein erster kommerzieller Meilenstein war hierbei die Kollaboration der New School-HipHop-Helden Run-D.M.C. mit den alten Hardrock-Haudegen von Aerosmith, die 1986 gemeinsam den Siebziger-Aerosmith-Hit Walk This Way in einer Rap-Rock-Version zu einem großen Erfolg machten. Weitere Pionierwerke waren das 1984 erschienene Stück World Destruction von Afrika Bambaataas Time Zone, das er mit Ex-Sex-Pistols-Sänger John Lydon aufnahm, die frühe Faith No More-Nummer We Care a Lot (erstmalig 1985 aufgenommen, als Single 1988 veröffentlicht) sowie Funny Vibe von Living Colour (1988 als Single veröffentlicht), bei denen bereits Mitte der Achtziger Funk, Metal und Rap in wegweisender Form kombiniert wurden.

Durchbruch zum Erfolg: Faith No More, Chili Peppers und RATM

Neben frühen und unterbewerteten Vertretern wie Mucky Pup (ebenfalls aus New Jersey), Urban Dance Squad aus den Niederlanden oder die 1988 gegründeten Freaky Fukin' Weirdoz aus München waren es vor allem das 1989er Album "The Real Thing" von Faith No More (mit dem damals neuen Sänger Mike Patton) und das 1991er Durchbruchswerk der Red Hot Chili Peppers namens "Blood Sugar Sex Magik", die erstmals Crossover in seiner ganzen Bandbreite präsentierten und sowohl stilistisch wie auch kommerziell viel bewegten. 1992 kam dann der stark politisch geprägte Hardcore-Rap-Metal von Rage Against the Machine als drittes definierendes Genremuster hinzu, womit sich Crossover – neben dem ungefähr zeitgleich zu weltweiter Popularität gekommenen Grungerock aus dem Nordwesten der USA mit Nirvana, Pearl Jam, Mudhoney und Soundgarden – als eine der einflussreichsten und kommerziell ertragreichsten Formen von Rockmusik in den 1990er Jahren etablieren konnte. In der Nachfolge der Pioniere folgten zahlreiche Acts aus den USA und Europa wie die noch heute sehr erfolgreichen Incubus, Dog Eat Dog aus New Jersey, das kontroverse Rap-Metal-Projekt Body Count von Rapper Ice-T, die Schweden von Clawfinger sowie in Deutschland Bands wie H-Blockx, Guano Apes, Thumb, Das Auge Gottes oder Flugschädel.

Krise, Niedergang und New Metal

In der zweiten Hälfte der Neunziger waren dann die Pioniere der Bewegung von kreativen und persönlichen Problemen gelähmt, und auch der Mainstream hatte sich neuen Moden zugewandt. In dieser Zeit begann sich eine stark von Crossover geprägte Szene von neuen Bands zu formieren, die jedoch auch andere Einflüsse mit einbrachte und die später mit dem Begriff des New Metal (oder gar Nü Metal) bezeichnet werden sollte. Bands wie Korn, Limp Bizkit, Marilyn Manson (in der Nine Inch Nails-Nachfolge stehend) oder die Deftones traten in den Charts wie auch in den Kinderzimmern der Welt die Nachfolge von RATM und Chili Peppers an.

Mittlerweile haben sich viele der ehemaligen und zwischenzeitlich aufgelösten Crossover-Veteranen wieder zusammengefunden, während andere (wie etwa Clawfinger) auch in den dürren Jahren einfach immer weitermachten.

Crossover in Soundtracks von Filmen, Dokumentationen und Fernsehproduktionen und Kritik

Crossover eignet sich hervorragend zur Untermalung von Actionfilmen und wird besonders dort eingesetzt, wo das Martialische des Menschseins zumeist affirmativ inszene gesetzt wird. So zum Beispiel auch zur Dynamisierung von Schlacht- und Grillvorgängen bei Street-Food-Dokumentationen. Eine Kritik kann dort einsetzen, wo Crossover die Sensibilität gegenüber dem (musikalischen) Material zu untergraben vermag. In Fernsehserien wird Crossover auch zur Verwischung der musikalischen Substanz verwendet und spart damit Geld und Gedanken, was das Lenken von Aufmerksamkeit betrifft. Der Soundwall wird in einer gesellschaftlichen Mitte des bärtigen Undergrounds verortet, oft unter Präsentation von Tattoos. Crossover egalisiert nicht nur die Dynamikabstände, sondern auch die Abstände zwischen den Stilrichtungen und Genres, auf die verwiesen wird. Dabei spielt meistenfalls die höchstmögliche Lautstärke und ein aggressiver Gesamtklang die Hauptrolle. Der Schub, den Crossover zunächst verspricht, wird bei längerem Hören durch eine Art Taubheit ersetzt, die nunmehr nur das Lärmpotential als Auszeichnung der Musik begeht.

Wichtige Akteure, Alben und Songs

Wichtige Bands:

Wichtige Alben:

Wichtige Songs

Vorläufer

Weblinks

Intro.de: Quo Vadis, Crossover? Oder: Hurra, wir leben noch! (1998)

Einzelnachweise

  1. http://www.urbandictionary.com/define.php?term=crossover+thrash