Charles Mingus

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Charles Mingus Jr.
Charles Mingus am 4. Juli 1976 in Manhattan, New York
Charles Mingus am 4. Juli 1976 in Manhattan, New York
Herkunft: Los Angeles, Kalifornien, USA
Geboren: 22. April 1922
in Nogales, Arizona
Gestorben: 5. Januar 1979
in Cuernavaca, Mexiko
Aktiver Zeitraum: 19431979
Genres: Jazz, Hard Bop, Avantgarde
Instrumente: Bass, Klavier
Homepage: mingusmingusmingus.com

Charles Mingus (*1922 in den USA an der Grenze zu Mexiko – 1979 in Mexiko) war Jazz-Bassist (Kontrabass), Bandleader, Pianist und Komponist und einer der Hauptvertreter des Hard Bop. Er gilt als einer der bedeutendsten und wegweisendsten Musiker des 20. Jahrhunderts. Seine Musik hatte nicht nur großen Einfluss auf die Entwicklung des Jazz, sondern auf die gesamte Musikwelt.

Biografie

Charles Mingus wächst in Watts, einem vor allem von Afroamerikanern bewohnten Vorort von Los Angeles auf, die Familie ist multinationaler Abstammung. Sein Interesse für den Jazz wird geweckt, als er im Alter von neun Jahren im Radio zum ersten Mal Duke Ellington hört, was ihn dazu bewegt, eine Reihe von Instrumenten zu lernen, darunter Posaune, Flöte, Cello und Klavier. Das Cellospiel lernt er intuitiv und ohne feste Regeln, hört jedoch zugleich auch klassische Musik – Ravel, Debussy und andere. In der Highschool gerät er an den Kontrabass, den er bald wie kaum ein anderer spielen kann. Außerdem beginnt er bereits im Teenageralter damit, eigene Stücke zu schreiben, die sich zunächst noch an klassischen Vorbildern orientieren. Seit 1938 beginnt er, Unterricht in Harmonielehre zu nehmen und konzentriert sich zunehmend auf das Kontrabass-Spiel. Ende der 1930er Jahre entstehen die ersten umfassenden Kompositionen.[1] 1940 spielt er mit Dexter Gordon in der Al Adams Band. Seit 1942 nimmt er Unterricht am Bass und spielt in lokalen Formationen für durchreisende Solisten. Später schreibt er Stücke für den Filmmusiker Dimitri Tiomkin und ist an einigen seiner Kompositionen beteiligt.[2] Es folgen Auftritte mit Größen des Jazz, die Mingus in seinem Schaffen zum Teil stark beeinflussen. Dennoch bleibt er der klassischen Form des Jazz bis in die Mitte der 50er Jahre hinein treu. Stationen sind bis Mitte der 1940er Jahre Art Tatum, Lee Young und Louis Armstrong. 1947/48 spielt er in Lionel Hamptons Band und begleitet bei der Gelegenheit Billie Holiday und Benny Goodman. Für Billie Holiday schreibt er das Stück Eclipse und tritt bis 1950 mit seinen ersten eigenen Besetzungen unter dem Namen Baron Mingus and his Rhythm auf.[3] Außerdem spielt er beim Pastel Sextet. 1950/51 spielt er im Trio Red Norvo, das ihn bei Fernsehaufnahmen aufgrund seiner Hautfarbe durch einen weißen Bassisten ersetzt sehen will, sodass Mingus 1951 wieder aussteigt. Im gleichen Jahr spielt er mit Miles Davis und Charlie Parker. 1952 bis 1957 leitet er mit Max Roach Debut Records, das erste musikereigene Label der 1950er. In diesem Zusammenhang spielt er mit Paul Bley, Lee Konitz und vielen anderen, 1953 wird das „Massey-Hall-Konzert“ in Toronto organisiert. An der Organisation nehmen neben ihm und Max Roach Charlie Parker, Dizzy Gillespie und Bud Powell teil. Im gleichen Jahr spielt er vorübergehend auch in Duke Ellingtons Band.

Jazz Composers Workshop

Ebenfalls 1953 gründet Mingus unter Einfluss der Musik von Lennie Tristano und Count Basie mit Teo Macero, John LaPorta und weiteren in unterschiedlichen Besetzungen die Third-Stream-Band Jazz Composers Workshop:

"Das Konzept dieser Band war, in Annäherung an die europäischen klassischen Musiktraditionen der kollektiven Jazz-Improvisation genau definierte Grenzen zu setzen: So sollte ein Instrument das jeweils führende sein und die anderen es begleiten oder kommentieren. Es sollten eher melodischen Themen und Stimmungen geschaffen werden als Akkordsequenzen. Gleichzeitig haben Mingus´ Beiträge zu den Platten des Workshop direkte Beziehungen zu seinem späteren Werk: Das Stück Thrice Upon A Time führt direkt zu Jump Monk (1955), Minor Intrusions zu Pithecanthropus Erectus (1956). In seinen späteren Jazz-Workshop Projekten löst sich Mingus allerdings weiter von vorgegebenen Kompositionsrahmen."[4]

<– Pithecanthropus Erectus (1956)

<– Haitian Fight Song (1957)

Charles Mingus lässt den Namen Jazz Workshop als Warenzeichen eintragen und verwendet ihn auch für weitere Projekte und in anderen Zusammenhängen. So erscheint das wegweisende und philosophisch aufgeladene 1956er Albums Pithecanthropus Erectus unter diesem Label, das ihn endgültig als Bandleader einer Jazzcombo etabliert und die gesamte Bandbreite seiner Kompositionen zeigt. Während die ersten Aufnahmen des Workshop sich an zeitgenössischer Komposition und dem Cool Jazz orientieren und der Be Bop gemieden wird.

Weiter Entwicklungen

Es folgen die wohl produktivsten Jahre seines künstlerischen Schaffens. In nur zehn Jahren veröffentlicht er mehr als 30 Alben, darunter bedeutende Platten wie The Clown (1957), Blues and Roots, Mingus Dynasty, Mingus Ah Um (alle 1959), Mingus, Mingus, Mingus, Mingus, Mingus (1963) und schließlich im selben Jahr sein wohl bedeutendstes, komplexestes und modernstes Werk, Black Saint and the Sinner Lady. Das aus sechs Teilen bestehende Werk greift zahllose Einflüsse auf und verstrickt diese zu einem vielschichtigen Gesamtwerk.

Nach diesen sehr produktiven Jahren drosselt der Musiker sein Arbeitstempo, die Anzahl der Veröffentlichungen geht zurück. Schließlich wird Anfang der 1970er Jahre die Erkrankung an Amyotrophe Lateralsklerose festgestellt. Diese die Nervenzellen schädigende Krankheit führt dazu, dass Mingus das Bassspielen aufgeben muss. Dennoch komponiert er bis zu seinem Tod am 5. Januar 1979 in Mexiko weiter.

Diskografie

Alben

  • 1952 Strings and Keys (Debut)
  • 1954 Jazz Composers Workshop (Savoy)
  • 1954 Moods of Mingus (Savoy)
  • 1954 Intrusions (Drive Archive)
  • 1954 Jazzical Moods, Vol. 1 (Period)
  • 1954 The Jazz Experiments of Charles Mingus (BCP)
  • 1955 Jazz Collaborations (Debut)
  • 1955 Jazzical Moods, Vol. 2 (Period)
  • 1955 Chazz (Fantasy)
  • 1955 Charles Mingus Quintet with Max Roach (Debut, OJC)
  • 1956 Pithecanthropus Erectus (Atlantic)
  • 1957 The Clown (Atlantic)
  • 1957 Tonight at Noon (Atlantic)
  • 1957 Mingus Three (Blue Note)
  • 1957 New Tijuana Moods (Bluebird / RCA)
  • 1957 Tijuana Moods (RCA)
  • 1957 East Coasting (Bethlehem Archives, Avenue Jazz)
  • 1957 A Modern Jazz Symposium of Music and Poetry (Bethlehem)
  • 1957 Scenes in the City (Affinity)
  • 1958 Weary Blues (Polygram)
  • 1959 Blues and Roots (Rhino)
  • 1959 Mingus Dynasty (Columbia Records, Legacy)
  • 1959 Mingus Ah Um (Columbia Records)
  • 1960 Pre-Bird (Mercury)
  • 1960 Mingus Revisited (Emarcy)
  • 1960 Mingus! (Candid)
  • 1960 Mysterious Blues (Candid)
  • 1960 Charles Mingus Presents Charles Mingus (Candid)
  • 1961 Oh Yeah (Rhino)
  • 1961 Reincarnation of a Lovebird (Candid)
  • 1963 Mingus, Mingus, Mingus, Mingus, Mingus (Impulse!)
  • 1963 Mingus Plays Piano (Impulse!)
  • 1963 The Black Saint and the Sinner Lady (Impulse!)
  • 1964 Right Now: Live at the Jazz Workshop (Debut, OJC)
  • 1971 Let My Children Hear Music (Columbia Records)
  • 1973 Mingus Moves (Rhino)
  • 1974 Changes One (Rhino)
  • 1974 Changes Two (Rhino)
  • 1976 Cumbia & Jazz Fusion (Atlantic)
  • 1977 Three or Four Shades of Blues (Atlantic)
  • 1977 Lionel Hampton Presents Charles Mingus (Giants of Jazz)
  • 1977 Lionel's Sessions (Universe)
  • 1978 Something Like a Bird (Atlantic)
  • 1978 Me, Myself an Eye (Atlantic)

Sonstige

  • 1955 Mingus at the Bohemia (Livealbum/ Debut, OJC)
  • 1960 Mingus at Antibes (Livealbum/ Atlantic)
  • 1964 Town Hall Concert (1964) (Livealbum/ Jazz Workshop, OJC)
  • 1964 The Great Concert of Charles Mingus (Livealbum/ Prestige)
  • 1965 My Favorite Quintet (Livealbum, Eigenvertrieb)
  • 1972 Charles Mingus and Friends in Concert (Livealbum/ Columbia Records, Legacy)
  • 1974 Mingus at Carnegie Hall (Livealbum/ Mobile Fidelity)

Kollaborationen

Mit Joni Mitchell, Louis Armstrong, Duke Ellington, Lionel Hampton, Billie Holiday, Benny Goodman und anderen.

Einflüsse

Gospel, Third Stream, Free Jazz

All-Time-Charts

Referenzen

Trivia

Für seine Musik berühmt, war Mingus für sein unkontrollierbares Temperament und seine Wutausbrüche berüchtigt. Wegen seiner Depressionen war er in psychiatrischer Behandlung.

Referenzbands

Einzelnachweise

  1. Als erste „richtige“ Komposition gilt das Stück Half-Mast Inhibition.
  2. Dimitri Tiomkins bekanntestes Stück dürfte "Do not forsake me, oh my Darling" aus dem Film „12 Uhr Mittags“ sein.
  3. Lady Will Carr With Baron Mingus & His Octet – Pipe Dream (ohne Jahr) [1] bei Youtube
  4. Artikel Jazz Composers Workshop [2] bei der de.wiki

Weblinks

  • Homepage [3] mingusmingusmingus.com
  • Charles Mingus [4] bei allmusic
  • Hotfox63 – Schlagwort: Charles Mingus (2017) [5] bei Wordpress

Links im Juli 2017.