Butthole Surfers

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Line Up

Rest wechselnd, meist aber

und eben wechselnde Bassisten (z.B. Mark Farner von Mark Farner of Grand Funk Railroad, Andrew Weiss von Ween).

Geschichte

"Der durchschnittliche Buttholes-Fan war männlich und hat vor zehn Jahren Selbstmord begangen, nachdem er sich eine kryptische Nachricht mit dem Lippenstift seiner Mutter auf den Körper geschrieben hatte." (Paul Leary)

Gibby Haynes, Sohn des Kinderprogrammstars Mr. Peppermint, und Paul Leary lernen sich 1980 im Trinity College San Antonio kennen und stellen fest, dass sie beide auf schreckliche Musik stehen, so gründen sie zuerst die Ashtray Babyheads. Die Band wird später noch mehrere Namen annehmen, z.B. The Inalienable Right To Eat Fred Astaire's Asshole oder Nine Inch Worm Makes Own Food, bis sie eines Abends in einem Nachtclub fälschlicherweise als die Butthole Surfers vorgestellt werden. Zu dieser Zeit hatten sie den gleichnamigen Song im Programm und man beschließt – es war ihr erstes Konzert, das Geld einbrachte – den Namen zu behalten.

Ihre Musik hat schon zu dieser Zeit die Grenze gottesfürchtigen Punk/Noiserocks weit überschritten und auch die Bühnenshows hatten schon den Anleihen der später zelebrierten Anarchie. 1983 wird Jello Biafra (Dead Kennedys) auf die Band aufmerksam und nimmt sie für sein Alternative Tentacles Label unter Vertrag. Es entsteht 84 die Brown Reason To live EP, das Label hat aber nicht genug Geld um die Pressung aus dem Presswerk freizukaufen und die Band veröffentlicht einen vergleichsweise billigen Livemitschnitt, die Live PCPPEP EP, um das Album veröffentlichen zu können.

Zu diesem Zeitpunkt sind die Butthole Surfers schon fester Bestandteil der sich abzeichnenden New York Noise-Ära (sie selbst stammen natürlich aus Texas) um Bands wie Sonic Youth, Big Black, Lydia Lunch oder Birthday Party. Aufgrund der Probleme in Jello Biafras Label (Alternative Tentacles scheint zu dieser Zeit eine Ansammlung von Punkern zu sein, die eben Platten veröffentlichen und das Label war nicht nur einmal am Rande des Ruins) wechseln sie zu Touch and Go, einem Indie-Label aus Chicago, das die Band eigentlich schon sehnsüchtig signen wollte, sich aber nicht traute sie anzurufen.

Sie veröffentlichen 85 Psychic...Powerless...Another Man's Sac, zwei Monate später im selben Jahr Cream Corn of the Socket of Davis und im April 86 Rembrandt Pussyhorse, alle auf Touch and Go (Europa: Blast First). Die Titel der Alben geben nicht nur auf den ersten Blick keinen Sinn, meist sind es nur Aneinanderreihungen der vorgeschlagenen Titel bzw. Drogenreferenzenwortspiele. Die Band lebt in dieser Zeit meist auf der Strasse und vom Pfandflaschensammeln, abgesehen von einem kurzen Intermezzo in Athens, der Stadt aus der R.E.M. stammen. Sie zogen dahin um eben jene zu stalken (was nicht wirklich funktionierte, obwohl sie ihre Konzerte oft mit einer "Version" von R.E.M.s' The One I Love ausklingen ließen).

1987 bekamen die Surfers durch einen Zufall genug Geld um sich häuslich niederzulassen (man könnte sagen die Band bevorzugte immer einen kommunenähnlichen Lebensstil) und hatten damit die Zeit das Album Locust Abortion Technician aufzunehmen. Sie versuchten in diesem Album die verstörenden Liveshows quasi in Konserve umzusetzen. Auf Touch and Go erschienen weiter Hairway to Steven und Widowermaker. Obwohl schon öfter Major Labels Interesse gezeigt hatten wechselten sie erst, als Rough Trade ihnen einen Deal über eine Platte für so unglaublich viel Geld boten, dass selbst ihre Freunde von Touch and Go ihnen rieten zu wechseln. Dort erschien Piouhgd, ein recht versöhnliches ruhiges Album mit einer netten Donovan Coverversion.

Nachdem 1991 Punk finally broke waren es seltsamerweise gerade die Butthole Surfers und die Melvins, die als erstes einen Plattenvertrag von einem wirklich großen Label angeboten bekamen. Es tat den Melvins nicht sonderlich gut, den Surfers aber noch weit weniger. Sie bekamen zwar so die Chance mit John Paul Jones (Led Zeppelin) ihr 93er Album Independent Worm Saloon aufzunehmen und hatten mit Pepper von der 96er LP Electric Larryland einen Achtungserfolg, doch war das Label mit den Verkäufen nicht zufrieden. Irgendwann zwischen 97 und 2001 versuchten sie ihr Album After the Astronaut zu veröffentlichen, das aber von der Plattenfirma (Capitol) abgelehnt wurde und 2001 als eine Art Remixplatte veröffentlicht wurde. Paul Learys Gitarrenspiel, dass vorher die Fans begeistert hatte, wurde dabei durch technische Effekte ersetzt und die Weird Revolution blieb aus. 2002 veröffentlichten die Surfer noch Humpty Dumpty LSD, eine Compilation mit unveröffentlichten Songs.

Teilweise erwähnenswert sind noch die diversen Nebenprojekte. Da ist erst P, die Band, die hauptsächlich durch den Gitarristen Johnny Depp bekannt wurde, aber durch Depps Zeitplan und dem ungünstigen Zufall, dass River Phoenix sich ausgerechnet während einem Konzert von P einen goldenen Schuss setzte, nicht von langer Dauer war. Schon vorher, 1990, erschien das Jackofficers Album von Gibby (der auch bei P dabei war).

Seit 2002 ist es um die "einmal beste Band der Welt" (Jon Spencer) recht still geworden. Paul Leary treibt sich meist auf den Platten anderer Indiebands herum, Gibby Haynes ist mit Gibby Haynes and his Problem unterwegs und hat eine Platte herausgebracht. Dennoch, die Radikalität der Anfangstage ist wohl dahin.

Bühnenshows

"Well son, a funny thing about regret is
that it's better to regret something You have done,
than to regret something You haven't done."

Sind besser zu beschreiben als die Musik, die aus Versatzstücken aller Musikrichtungen im LSD-Noiserockgewand daherkommt. Gibby war der erste, der das Megaphon als Instrument in seine Lieder einband, eine Erfindung, die heute hundertmal kopiert auftaucht. Was war sonst? Eine Nackttänzerin, die in Tassen urinierte und (vorgetäuschten) Sex mit Gibby auf der Bühne hatte, zwei stehende Drummer, die eine Art Kriegstanz auf der Bühne aufführten, medizinische Filme, die vor- und rückwarts auf eine Wand von Nebel projeziert wurden, von einem Hehler gekaufte Stroboskope im eigentlichen Wert von mehreren tausend Dollar, die unglaubliches vollbrachten, ständige Kleidungswechsel auf der Bühne, Kunstblut und andere künstliche Körperflüssigkeiten. Gibby betrat die Bühne mal durch eine am Boden liegende, blutbeschmierte Matratze, mal mit einem Messer bewaffnet, um einem Pappmodel den Kopf aufzuschneiden und einen Big Mac herauszuholen. Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt.

Trivia

Referenzkasten

  • Red Hot Chili PeppersDeep Kick (vom Album One Hot Minute): "I remember.../ 10 years ago in Hollywood/ We did some good/ and we did some real bad stuff/ but the Butthole Surfers said/ It's better to regret something you did/ Than something you didn't do"

Diskographie (nur EPs/LPs)

Studioalben

  • 1984 Brown Reason to Live (oft auch einfach Butthole Surfers)
  • 1985 Live PCPPEP
  • 1985 Psychic...Powerless...Another Man's Sac
  • 1985 Cream Corn from the Socket of Davis
  • 1986 Rembrandt Pussyhorse
  • 1987 Locust Abortion Technican
  • 1988 Hairway to Steven
  • 1989 Widowermaker
  • 1991 Piouhgd
  • 1993 Independent Worm Saloon
  • 1996 Electric Larryland
  • 2001 Weird Revolution

Live

  • 1989 Double Live (Bootleg, von Band selbst veröffentlicht)
  • 1995 The Hole Truth and nothing Butt

(auf ihrer Homepage sind Double Live und 3 weitere Livemitschnitte frei zum Download verfügbar)

Projekte

  • 1990 Jackofficers – Digital Dumb (Gibby)
  • 1991 The History of Dogs – Same (Paul Leary)
  • 1996 P – same (Gibby, Johnny Depp)
  • 2005 Gibby Haynes and his Problem – same

Charts

Jahr Titel Charts
D US UK A CH SV F NOR FIN NZ
1993 Independent Worm Saloon - 154 - - - - - - - -
1996 Electriclarryland - 31 - - - - - - - -
2001 Weird Revolution - 130 - - - - - - - -

Jahrescharts

Jahr Titel Kritiker Charts Leser Charts
NME Spex Spex
1986 Rembrandt Pussy Horse
45
-
-
1987 Locust Abortion Technician
30
7
12
1988 Hairway To Steven
-
-
26

All-Time-Charts

Independent Worm Saloon
Locust Abortion Technician

Kompilationsbeiträge

Videoclips

Weblinks

Quellen

  • Michael Azerrad – Our Band could be Your Life (ISBN: 0-316-78753-1)
  • MC Strong – The great Indie Discography (keine ISBN, Zweitausendeins-Verlag)