Bruce Pavitt

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Biographie

Bruce Pavitt hat als der eigentliche Urheber des Sub Pop-Plattenlabels aus Seattle eine wesentliche Rolle bei der Entfesselung des Grunge-Hypes und der Neugestaltung der Musikszene im Zuge dessen gespielt. Aufgewachsen in Washington, D.C., wo er u.a. mit Ian MacKaye (Fugazi) Bekanntschaft geschlossen hatte, zog er 1979 von seiner Studienstadt Chicago nach Olympia im US-Bundesstaat Washington. Kurz zuvor hatte bereits sein alter High School-Kumpel und späterer Soundgarden-Gitarrist Kim Thayil am dortigen Evergreen College sein Studium begonnen. Pavitt, der von sich behauptete, an der Hochschule sein Diplom in Punkrock gemacht zu haben, wurde alsbald in der örtlichen Musikszene aktiv, spielte bei den Tiny Holes, war DJ beim Campus-Sender KAOS und begann schließlich mit der Herausgabe eines Fanzines mit Kassettenbeilage namens Subterranean Pop. Das Zine sollte zunächst einen Überblick sowohl über die regionale als auch die landesweite Underground-Musikszene geben.

Im weiteren Verlauf der 80er Jahre zog Pavitt nach Seattle und setzte dort seine Tätigkeiten als DJ, Popjournalist (beim Magazin The Rocket) und Labelmacher fort. Ein entscheidender Impuls für die Idee eines authentischen Underground-Szenelabels muß wohl Pavitts Job beim Fahrstuhlmusikproduzenten Muzak gewesen sein (bei dem er übrigens auch Jobs für Tad Doyle und Mark Arm besorgte), denn unter dem Eindruck dieser formatierten und gänzlich inhaltsleeren Musik kam schließlich das Ding namens Sub Pop in Gang. Pavitt tat sich mit dem Promoter (und Geldbeschaffer) Jonathan Poneman zusammen, nachdem Kim Thayil die beiden miteinander bekannt gemacht hatte. Nach der Überblickskompilation "Sub-Pop-100" von 1986 (auf der neben Local Heroes wie den Wipers, U-Men und Steve Fisk allerdings auch Nicht-Seattle-Bands wie Scratch Acid und Skinny Puppy versammelt waren) kam das Label dann 1987 mit den ersten Platten von Green River (die "Dry as a Bone"-EP) und Soundgarden (die Debutsingle "Hunted Down/Nothing to Say") richtig in Fahrt.

Es folgten die Jahre des ersten und zweiten Seattle-Hypes, bei denen Sub Pop erst knapp an der Pleite vorbeischrammte und dann durch Nirvanas Übererfolg saniert wurde. Bruce Pavitt hatte durch seine Idee, den englischen Musikjournalisten Everett True vom Magazin "Melody Maker" für ein Nirvana-Konzert zu "Bleach"-Zeiten, die erste finanzielle Krise abwenden können. Zudem geht, wenn man Kumpel Poneman Glauben schenken darf, auch der Begriff Grunge im Musikkontext auf ihn zurück, da er in einem Presseinfo zum Mudhoney-Release "Rehab Doll" von "ultra loose grunge that destroyed the morals of a generation" gesprochen und das nachfolgende Popkulturphänomen nun einen Namen hatte. Nachdem die beiden Sub Pop-Eigner auf der Höhe des Erfolges 49% der Labelanteile an den Major Warner Music Group verkauft hatten, zog sich Bruce Pavitt ab Mitte der 90er Jahre mehr und mehr vom aktiven Dienst bei Sub Pop zurück, was auch mit Differenzen mit Partner Poneman bei der zukünftigen Ausrichtung und Umstrukturierung des Labels weg vom reinen Grunge-Sound zu tun hatte. Seit seinem Ausstieg 1997 zeigt er sich praktisch nicht mehr in der Öffentlichkeit, und die Aufgabe der Labelrepräsentanz nimmt jetzt nur noch Jonathan Poneman wahr.

Trivia

  • In den beiden Schlüsselfilmen zur Grunge-Welle, namentlich die Dokumentation Hype! und der Spielfilm Singles, ist Pavitt ebenfalls zu sehen. In "Singles" spielt er eine kleine Nebenrolle (selbstironisch als expressiver Künstler namens Spyro in der Szene mit dem Partnervermittlungsinstitut), während er bei "Hype!" zusammen mit Jonathan Poneman einige interessante Statements zur Entstehung der Sub Pop-Szene verlauten läßt.
  • Bei dem Lied Sub Pop Rock City, der B-Seite der Soundgarden-7" "Room a Thousand Years Wide", sind Sprachfetzen von Bruce Pavitt (und Jonathan Poneman) auf Kim Thayils Anrufbeantworter zu hören.