British Invasion

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Der Begriff "British Invasion" bezeichnet den weit reichenden Erfolg britischer Bands in den Vereinigten Staaten von Amerika, als dessen Auslöser gemeinhin der erste Auftritt der Beatles in der "Ed Sullivan Show" im Jahr 1964 angesehen wird. In Folge dessen eroberten zahlreiche britische Künstler den US-amerikanischen Musikmarkt und revolutionierten diesen von Grund auf.

Was damals geschah

Seit ihrer ersten Single "Love Me Do" von 1962 war die Liverpooler Band The Beatles zu einem britischen Pop-Phänomen geworden und hatte dann in ganz Europa die Beat-Welle ausgelöst. Ihre von Skiffle und Doo Wop beeinflusste, fröhlich-eingängige Variante des ursprünglichen amerikanischen Rock'n'Roll hatte unter dem Schlachtruf des "Yeah Yeah Yeah" zu einer beispiellosen Mode- und Musikwelle geführt, die bis 1964 zu einer großen Anzahl von Bandgründungen geführt und die Beatles selbst zu Superstars gemacht hatte. Bis Ende des Jahres 1963 hatten dies im Mutterland des Rock and Roll jedoch nur wenige Eingeweihte mitbekommen, und die Jugend zwischen Los Angeles und New York tanzte weiterhin Twist, lärmte in Kellerräumen und auf Campusparties die drei Akkorde des Garage Rock herunter oder träumte sich zum Surf-Sound der Beach Boys an den Strand von Kalifornien. Für ein Aufmerken hatte lediglich das Kunststück der britischen Instrumental-Band The Tornados gesorgt, mit ihrer Surf-beeinflussten Single Telstar im Jahr 1962 als erste Band aus dem Vereinigten Königreich einen Nummer-Eins-Hit in den US-Billboard-Charts zu landen. Die USA galten jedoch weiterhin als der Nabel der Jugendkultur.

Dies änderte sich im Dezember 1963, als ein DJ aus Washington, D.C. erstmals die Beatles-Single "I Want to Hold Your Hand" im Radio spielte, woraufhin die Hörer zu Zehntausenden in die Plattenläden eilten, um die Single zu kaufen, die noch nicht einmal im Handel war. Capitol Records zog den Release der Platte vor, und im Januar 1964 waren die Beatles auf Platz 1 der Billboard-Singles-Charts. Im Februar schließlich absolvierten die "Fab Four" ihren legendären Auftritt in der Ed Sullivan Show, woraufhin die letzten Dämme brachen, welche die "Beatlemania" in den USA noch zurückgehalten hatten. Im Frühjahr 1964 belegte das Quartett aus Liverpool die ersten fünf Plätze der US-Singles-Charts, und von nun an konnte man tatsächlich von einer "britischen Invasion" sprechen, denn neben den Beatles drängten nun zahllose weitere Acts aus dem Vereinigten Königreich auf den aufnahmewilligen US-Markt. Darunter waren zwar auch viele One-Hit-Wonders oder Bands mit zeitlich begrenztem Erfolg wie Chad & Jeremy, The Dave Clark Five (die 1964 gar als einzige ernsthafte Konkurrenz zu den Beatles gehandelt wurden), Freddie and the Dreamers oder Wayne Fontana and the Mindbenders, doch mit Herman's Hermits, The Kinks, The Animals oder The Troggs waren auch diverse Popbands dabei, die länger anhaltenden Erfolg erreichen konnten. Nach der ersten, eher Pop-lastigen Welle der British Invasion folgte eine zweite, die eher kantigere Acts wie vor allem The Who und The Rolling Stones in den USA bekannt machte. Während im Fahrwasser der Beatles (die von Long Tall Sally bis Dizzy Miss Lizzy zahlreiche Klassiker des Genres coverten) der frühe, gut gelaunte Rock'n'Roll in seinem Heimatland zu neuer Popularität gelangte, gewann durch die Stones (später auch The Yardbirds, Fleetwood Mac und viele weitere) der bis dato eher stiefmütterlich behandelte "schwarze" Rhythm and Blues an Bedeutung.

Bis 1967 hatte die "British Invasion" den globalen Musikmarkt nahezu komplett umgekrempelt und Großbritannien als neue Geburtsstätte ernstzunehmender Rock- und Popmusik etabliert. Auf diesem Erfolg aufbauend konnten in den 1970er Jahren britische Glam- und Hardrockbands wie Led Zeppelin, Queen, Deep Purple und Black Sabbath zu Weltstars werden. Zuvor allerdings verschob sich ab etwa 1966 der Fokus auf neue musikalische Formen wie Psychedelic Rock, Folkrock oder Bluesrock, die sowohl im Vereinigten Königreich wie auch den USA zahlreiche neue Bands und Künstler hervorbrachten, die sich teilweise gegenseitig beeinflussten.

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