Brit-Pop

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Abgrenzung
Ursprünge: Punk, Indie-Pop, New Wave, British Invasion, Merseybeat, Manchester-Rave, The Scene That Celebrates Itself
Herkunft: England, in der Hauptsache London und dann Manchester
Zeitraum: von 1992 über den Höhepunkt 1994–1996 bis circa 1998
Anders als: Alternative Rock, Indie-Rock, Grunge


Einführung und Geschichte

Die Ära von Brit-Pop begann 1992, erreichte ihren Zenit in den golden years of brit-pop 1994–1995 und dauerte mit ihren Ausläufern bis Ende des Jahrzehnts an.

Als Genrebezeichnung schlägt Brit-Pop eigentlich fehl. Brit-Pop ist mehr eine kulturelle Stoßrichtung denn eine musikalisch exakt zu definierende Richtung. Anschaulich verdeutlicht dies ein beispielhafter Blick auf vier der zentralen, äußerst erfolgreichen Brit-Pop-Bands:

Wie man erkennt, sind bis auf kleine Überschneidungen kaum ähnlich gelagerte Einflüße zu erkennen. Gemein ist lediglich allen eine entschiedene englishness (Ausnahme hier die vom amerikanischen Markt beeinflussten Ash). Sieht man die Entwicklung und den Auslöser für Brit-Pop an, so wundert das auch nicht. Suede und blur waren die beiden ersten Brit-Pop-Bands in diesem Sinne. Sie traten explizit an, dem britischen Pop wieder Geltung in der Welt zu verschaffen und die Hegemonie Amerikas, die in diesen Jahren durch die Grunge-Explosion besonders erdrückend war, zu brechen. Hier zeigt sich das Selbstverständnis Großbritanniens, die Sehnsucht danach, Bedeutung zu haben und nicht vom stillosen jungen Bruder an die Wand gedrückt zu werden. Nach einer orientierungslosen Zeit zu Beginn der 1990er als das Madchester-Phänomen abebbte und außer dem wenig zum Feiern geeigneten Shoegazer keine wirklich dominante Szene in England vorhanden war, bildete sich die vom Melody Maker gehässig betitelte The Scene That Celebrates Itself als Brit-Pop-Ursuppe heraus. Mit Elastica, Blur, Pulp und Lush waren einige der wichtigsten Protagonisten der späteren Londoner Brit-Pop-Szene hier im regelmäßigen sich selbst feiern im Syndrome-Club in Camden vereint.

Die ersten beiden Brit-Pop-Alben (der Begriff ist im Übrigen eine Erfindung des Melody Maker) waren Suedes selbstbetiteltes Debut und blurs "Modern Life is rubbish", das am deutlichsten die Rückbesinnung auf England artikulierte. blur, die vorher eher ein Madchester-Ausläufer waren und nachher eine unberechenbare, keine Grenzen kennende Indieband wurden, haben Mitte der 1990er mit ihrer "Life"-Trilogie die Definiton von Brit-Pop geliefert, wobei das mittlere Werk "Parklife" als das zentrale, vielfältigste und beste Brit-Pop-Album gelten kann. Damon Albarn erzählte typisch englische Geschichten, die stark an Ray Davies Charakterskizzen der 1960er erinnerte: für jeden Colin Zeal, Dan Abnormal, Ernold Same oder Tracy Jacks hatte Ray Davies einen Dedicated Follower Of Fashion, der sich den Waterloo Sunset an einem Lazy Afternoon ansah. Auch musikalisch war blur (obwohl das der Vielfalt der Band nicht gerecht wird) einem Hybrid aus The Kinks und dem klassisch englischen Punk verschrieben. Suede und blur bereiteten den Boden und mit Parklife war critical mass erreicht: 1,5 Millionen verkaufte Tonträger und Songs wie Girls & Boys und den Titelsong, die für eine Indieband unfassbare Ubiquität erreichten (erinnern wir uns: The Smiths hatten in ihrer ganzen Karriere gerade zweimal Platz 10 in den Singles-Charts vorzuweisen!). Während Parklife immer mehr in das kulturelle Gedächtnis der Nation eindrang, entstand zeitgleich in Manchester mit Oasis eine Band, die von dem bereiteten Feld profitieren sollte und zur erfolgreichsten britischen Band seit The Beatles wurde. 15 Millionen verkaufte Platten von (What's The Story) Morning Glory später war Brit-Pop ein weltweites Phänomen und Oasis die größte Band der Welt.

Während blur sich nach einem enervierenden Bandkrieg mit Oasis aus der Brit-Pop-Ecke zurückzogen und sich anderen Stilrichtungen erfolgreich öffneten, dachte Oasis nicht daran, ein anderes Spiel zu bestreiten, ja, die nach dem Oasis-Mastermind benannte Stilrichtung Noel-Rock förderte immer mehr Oasis-artige Bands hervor. Mit dem Morning Glory Nachfolger Be Here Now, dem wahrscheinlich sehnsüchtig erwartetsten Album der letzten 15 Jahre, zeigten Oasis ihre Größe (600.000 verkaufte Platten in der ersten Woche in Großbritannien allein. Bis heute hat sich kein Album schneller verkauft) und zugleich ihre Limitiertheit. Be Here Now gilt als der Moment, in dem Brit-Pop zerplatzt. Zwar ist das Album besser als sein Ruf, doch war mit Be Here Now die imperiale Phase von Oasis beendet. Da zeitgleich blur sich weigerten, Brit-Pop zu spielen, bei Suede die Trennung des kreativen Duos Brett Anderson und Bernard Butler sowieso schon längst vollzogen war, das Second Coming der Stone Roses bei so hohen Erwartungen nur enttäuschen konnte und selbst Pulp, die immer die seltsamen und doch immens erfolgreichen Misfits waren, mit dem hervorragenden Album This Is Hardcore in eine Identitätskrise schlitterten, war innerhalb von nur eineinhalb Jahren im Grunde alles vorbei.

Die Ausläufer der Brit-Pop-Phase waren nichtsdestotrotz sehr erfolgreich: Urban Hymns von The Verve und noch später Coldplay dominierten den Plattenmarkt.

Wichtige Akteure, Alben und Songs

Wichtige Bands:

blur, Oasis, Pulp, Ash, Suede, Supergrass, Ocean Colour Scene, The Bluetones, Dodgy

Bands aus dem Brit-Pop-Umfeld: (eigentlich kein Brit-Pop, aber Brit-Pop by assosciation sozusagen)

Manic Street Preachers, The Charlatans, Elastica, The Verve

Wichtige Akteure:

Damon Albarn, Jarvis Cocker, Liam Gallagher, Noel Gallagher, Alan McGhee, Chris Evans

Wichtige Alben:

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Wichtige Songs

  • blur: Parklife, Girls & Boys, For Tomorrow, Country House, Song 2, To The End, The Universal, End Of The Century
  • Oasis: Live Forever, Supersonic, Whatever, Some Might Say, Wonderwall, Don't Look Back In Anger, Champagne Supernova
  • Pulp: Common People, Mis-Shapes, Disco 2000, Babies
  • Suede: Animal Nitrate, Stay Young, The Drowners, New Generation, Trash, Beautiful Ones
  • Supergrass: Alright, Caught By The Fuzz
  • Ocean Colour Scene: The Day We Caught The Train
  • The Boo Radleys: Wake Up, Find The Answer Within
  • Ash: Girl From Mars, Goldfinger, Oh Yeah

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  • Manic Street Preachers: A Design For Life, Everything Must Go, If You Tolerate This Your Children Will Be Next
  • The Verve: Bittersweet Symphony, The Drugs Don't Work, History
  • Elastica: Waking Up, Connection

Vorläufer

Direkte Wegbereiter

Roots

Wichtige Labels

Britpop als Jugendkultur

Aufgrund der Ablehnung gegenüber dem Genre-Begriff Britpop seitens der Künstler und Bands war es für Jugend und Fans schwierig, sich als "Britpopper" zu definieren. Da die Protagonisten dieser Musikbewegung sich ebenfalls nicht einheitlich durch einen bestimmten Look kennzeichneten, es keine bestimmten äußerlichen Merkmale wie bei anderen Jugendkulturen gab, müssen wir dem Ganzen etwas tiefer auf den Grund gehen:

Was machte einen Britpop-Anhänger aus? Grundsätzlich läßt sich feststellen, dass, anders als in der Indie-Szene, es nicht das dringende Streben nach ökonomischer Unabhängigkeit bspw. von der Musikindustrie gab. Auch wenn man sich in typisch britischer Manier hauptsächlich über das definierte, was man ablehnte und der Britpop so von Sarkasmus und Zynismus geprägt war, also schon ein gewisses Abgrenzen stattfand, so war dieses Abgrenzen eher eine Rebellion gegen sich selbst als gegen bestehende Autoritäten, wie man es aus typisch alternativen Szenen gewohnt war. Im Britpop strebte man nach mehr, man strebte nach Erfolg. Die sozialen, gesellschaftlichen Gegebenheiten wurden deshalb zwar durchaus kritisiert, meist blieb es jedoch bei der ironisierenden Beschreibung der Verhältnisse. Anders als in anderen Jugendkulturen (Punk, Hardcore und Teilen der Indieszene z.B.) kam man mit dem "Establishment" zurecht – Bands wie Oasis warben zeitweise sogar für "New Labour" unter Tony Blair – die für Jugendkulturen übliche Abgrenzung fand also nicht nach außen, nicht gegenüber moralische Vorstellungen der Umwelt statt, sondern war allein auf das direkte Umfeld beschränkt. Dies lies sich auch im äußeren Erscheinungsbild erkennen:


Kleidungsstil: Trotz des grundsätzlich heterogenen Auftretens innerhalb der Britpop-Szene, gibt es einige Kleidungsmarken, die in der gesamten Szene als Erkennungszeichen getragen wurden und werden: Fred Perry, Ben Sherman, Adidas, Lonsdale, Alpha Industries, Nike, Clarks, Pringle


Szenetypische Redewendungen: Um in der damaligen Britpop Szene als vollwertiges Mitglied akzeptiert zu werden, bedienten sich die Jugendlichen einer bestimmten Sprache, einer Art Slang:

  • "aye" – lässt sich leider nicht ins deutsche übersetzen
  • "oi" – zustimmedes ja
  • "yeah, yeah, yeah!" – Ausdruck der Freude
  • "wanker!...geeeeeeeeeeeeezer!" – "Ich mag dich nicht."
  • "no! fuckin' no!" – "Ähm, nein, ich bin nicht interesiert."
  • "if you're proud about getting thrown from fucking ferrys, then why don't you go and support fucking westham united like some fucking scottish slacker?" bedeutet sinngemäß übersetzt: "wenn dir das alles nicht wichtig ist, kannst du genauso gut auch wie ein Versager in der Provinz zugrunde gehen!"
  • "fucking mega" – "großartig"
  • "cool as fuck" – "brillant"
  • "don't tell me not the fuck, mate" – "führ mich nicht an der Nase herum"
  • "bollocks" – "so ein Blödsinn!"


Britpop Ladism: Die Nähe der Britpopper zum Ladism zeigte sich nicht zuletzt in der Begeisterung der Britpop-Kids zum Sport.

Für die Britpop-Bewegung wichtige Sportarten waren:

  • Fußball
  • Cricket
  • Polo

Filme mit Bezug zum Britpop-Lifestyle