Bob Dylan

Aus indiepedia.de
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bob Dylan
Bob Dylan live am 12. April 2007 in der Metro Radio Arena in Newcastle
Bob Dylan live am 12. April 2007 in der Metro Radio Arena in Newcastle
Herkunft: Duluth, Minnesota, USA
Geboren: 24. Mai 1941 (76 Jahre)
Aktiver Zeitraum: seit 1959
Genres: Folk, Blues, Rock, Singer/Songwriter
Instrumente: Gitarre, Gesang, Mundharmonika, Klavier
Labels: Columbia Records, Asylum
Homepage: BobDylan.com
Bands:
Bobby Vee Band
Traveling Wilburys

Bob Dylan gilt als der einflussreichste Folk-Musiker und einer der einflussreichsten Rock-Musiker des 20. Jahrhunderts.

Biografie

Bob Dylan wird am 24. Mai 1941 als Robert Allen Zimmerman in Duluth, Minnesota, als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geboren. Schon in der Schule hat er den Wunsch Musiker zu werden und in Little Richards Band mitzuspielen. 1959 spielt er kurzzeitig bei der Bobby Vee Band als Pianist und beginnt ein Studium an der Universität von Minneapolis.

1961 wird eine zentrales Jahr für ihn: Robert Allen Zimmerman zieht nach New York, nennt sich von nun an Bob Dylan und trifft sein großes Idol Woody Guthrie, dem er im Krankenhaus, während dieser im Sterben liegt, einige Songs vorspielt. 1962 nimmt er nach erfolgreichen Konzerten bei Columbia sein selbstbetiteltes Debütalbum auf, das noch tief in der Folk-Tradition verwurzelt ist. Bereits auf seinem zweiten Album The Freewheelin' Bob Dylan von 1963 erscheinen Songs wie Blowin' in the Wind, Masters of War, A Hard Rain's A-Gonna Fall oder Don't Think Twice, It's Alright, die ihn nicht nur berühmter machen, sondern auch zu Klassikern werden sollen. 1963 lernt die Folk-Musikerin Joan Baez kennen; zwischen den beiden entsteht eine jahrelange, sehr wechselhafte Beziehung, sowohl als Paar wie auch als Musiker. Zusammen engagieren sie sich politisch und spielen eine große Rolle in der aufkommenden Bürgerrechtsbewegung, wobei Dylans Song Blowin' In The Wind zu einer Art Protesthymne wird. Er fällt immer wieder mit kleinen Skandalen auf, als er z.B. für den Kennedy-Mörder Lee Harvey Oswald Verständnis äußert, und produziert weiterhin Musik und Lyrik. 1964/65 tourt Dylan durch England und lernt die Beatles und die Rolling Stones kennen. Diese Tour wird von Don Pennebaker gefilmt, der Konzertfilm Don't Look Back wird zum Klassiker. Darin kommt auch das berühmte Musikvideo zu Subterranean Homesick Blues vor, in dem Dylan Texttafeln mit den Lyrics in die Kamera hält (und Allen Ginsberg auftaucht). 1965 hat er einen Nr.2-Hit mit Like A Rolling Stone.

1965 wandelte er sich endgültig vom Folksänger zum Rockstar. Sein Auftritt beim Newport Folk Festival 1965 wurde legendär, weil er dort erstmals mit elektrischer Gitarre und Band auftrat und dadurch bei Folk-Puristen heftige Kritik auslöste (Pete Seeger sagte noch Jahre später, er sei kurz davor gewesen, die Kabel mit einer Axt zu zertrennen). Dass ihn das Publikum von der Bühne buhte und er deswegen „zur Versöhnung“ den zweiten Teil des Auftritts wieder akustisch spielte, gilt aber mittlerweile als widerlegt. Ganz im Gegenteil war das Publikum enttäuscht, weil der auf akustische Instrumente ausgerichtete Bühnensound schlecht war und weil Dylan und seine Band nur drei Songs geprobt hatten. Deswegen spielte Dylan den Rest des Sets akustisch weiter.

1966 tourte Dylan zum ersten Mal mit einer Rockband – The Hawks, aus denen später The Band wurde. Dylan & The Hawks gehörten zu den ersten, die mit ihrer eigenen Tonanlage auf Tour gingen und galten damals als eine der lautesten Bands. Während die Jüngeren im Publikum Dylans neuen Sound liebten, reagierten die „alten“ Folkfans oft geradezu feindselig. Legendär ist der Zwischenruf „Judas“ beim Konzert in der Manchester Free Trade Hall am 17. Mai 1966 (fälschlicher Weise oft als Royal-Albert-Hall-Konzert bezeichnet) und Dylans Reaktion darauf. Die Reaktion des Publikums war lauter Beifall, Dylan hingegen ließ sich mit der Antwort Zeit. Zunächst sagte er nur "I don't believe you" (den gleichnamigen Song hatte er gerade zuvor gespielt); nach einer kurzen Pause (in der die Musiker sich schon auf Like A Rolling Stone, die erste der zwei üblichen Zugaben, einstimmten) zischte er ein gedehntes "You're a liar" ins Mikrofon und rief dann der Band zu: "Play fuckin' loud" – was die auch tat.

Ebenfalls 1966 veröffentlicht er Blonde on Blonde, eines der ersten Doppelalben der Rockgeschichte. Die Single Rainy Day Women #12 & 35 wird von den Radiosendern boykottiert, weil sie angeblich zum Drogenkonsum auffordert. Bob Dylans schwerer Motorradunfall am 29. Juli 1966 beendete diese Schaffensphase. Danach zog sich Dylan vorübergehend ins Privatleben mit seiner Frau Sara Lowndes zurück. In dieser Zeit entstanden aus lockeren Sessions mit The Band die "Basement Tapes", die aber erst 1975 (nachdem Teile der Sessions in vielfältiger Form als Bootlegs auf dem Markt waren) als Doppel-LP veröffentlicht werden.

1967 veröffentlicht er das einfach gehaltene Album "John Wesley Harding", 1969 tritt er zusammen mit Johnny Cash auf und bringt daraufhin das Country-inspirierte "Nashville Skyline" heraus. 1970 engagiert sich Dylan weiter politisch, tritt nach mehrjähriger Konzertpause bei dem von George Harrison organisierten Concert for Bangla Desh auf, hat jedoch auch mit Heroin-Vorwürfen und den harschen Kritiken zu „Self Portrait“ zu kämpfen. Er spielt in Sam Peckinpahs Western „Pat Garrett And Billy The Kid“ (die Rolle des "Alias") und komponiert den Soundtrack zum Film (inklusive Knockin' On Heaven's Door). Erst 1973/74 geht er wieder auf Tournee. Die Tour, die in Rekordzeit ausverkauft war, ist auf dem Live-Album "Before the Flood" dokumentiert.

1975 zieht er mit einer großen Gefolgschaft vieler Künstler (u.a. Allen Ginsberg, Joan Baez, Joni Mitchell) mit seiner "Rolling-Thunder"-Tour durch die USA und setzt sich in seinem Song Hurricane für den zu Unrecht verhafteten Boxer Rubin "Hurricane" Carter ein. Die Tour ist teilweise in dem Film "Renaldo & Clara" dokumentiert, der allerdings nicht nur kommerziell ein Flop wurde. 1977 lassen sich Dylan und Sara Lowndes scheiden. 1979 gibt sich Dylan plötzlich religiös, wie er auf den Alben Slow Train Coming (1979) und Saved (1980) sowie bei den folgenden Konzerten deutlich klar macht.

1985 nehmen die politischen Engagements ungewohnte Formen an, als er beim Live-Aid-Konzert sehr deutlich seine Meinung zur Veranstaltung bekannt gibt und beim Singen von We Are the World (zusammen mit u.a. Michael Jackson und Bruce Springsteen) gar nicht mehr dabei ist. 1986/87 geht er mit Tom Petty & The Heartbreakers und The Grateful Dead auf Tour, seine zweite Frau Carolyn Dennis ist auch dabei.

Wie für zahlreiche andere Künstler, deren Karriere in den 1960ern und 70ern begann, sind die 80er auch für Bob Dylan eine künstlerische Durststrecke (ähnlich erging es z. B. auch Neil Young oder David Bowie). Alben wie "Empire Burlesque", "Knocked Out Loaded" und "Down in the Groove" enthalten kaum noch Songs, die an seine früheren Meisterwerke heranreichen (und wenn, sind sie oft durch typische 80er-Jahre-Produktionstechniken beeinträchtigt). Erst mit "Oh Mercy" (1989, produziert von Daniel Lanois) findet er wieder aus seiner Krise.

1988 beginnt Dylan mit seiner "Never Ending Tour", die bis heute andauert, ihn durch die ganze Welt führt und auf der er, in seiner unnachahmlichen Weise, seine Songs immer wieder variiert und neu interpretiert. Er singt bei der Grammy-Verleihung 1991 gegen den Golfkrieg und findet mit den akustischen Alben "Good As I Been To You" (1992) und "World Gone Wrong" (1993) zu seinen musikalischen Wurzeln des Folk und Blues zurück. 1993 spielt er Chimes Of Freedom zur Amtseinführung von Bill Clinton; 1994 tritt Dylan bei MTV Unplugged auf. 1997 unterzieht er sich einer Herz-OP, tritt im Video Gone 'Til November von Wyclef Jean auf, wird zum ersten Mal für den Literatur-Nobelpreis nominiert, spielt in Bologna bei einem Konzert für Papst Johannes Paul II. und bringt das gefeierte Album "Time Out Of Mind" heraus. Sein Sohn Jakob Dylan feiert derweil Erfolge mit seiner Band The Wallflowers.

2001 gewinnt Dylan einen Golden Globe und einen Oscar für seinen Song Things Have Changed aus dem Soundtrack des Films "Wonder Boys" und veröffentlicht das Album "Love And Theft", das gute Kritiken erhält, aber auch wegen ungewohnter Country-Swing- und prä-Rock'n'Roll-Klänge für Diskussionen sorgt. 2003 kommt der von ihm geschriebene Film Masked And Anonymous heraus, in dem er auch mitspielt und der von der Kritik nur mäßig empfangen wird. 2004 tritt er in einem Werbespot für Damenunterwäsche auf und veröffentlicht seine Autobiografie "Chronicles". 2005 bringt Martin Scorsese den 3,5-stündigen Dokumentarfilm No Direction Home: Bob Dylan über Dylans Schaffen in den 60ern (bis zur „elektrischen“ Tour 1966) heraus.

Im August 2006 erscheint das wiederum geradezu hymnisch gefeierte Album "Modern Times", mit dem Dylan zum ersten Mal seit "Desire" wieder eine Nummer 1 in den USA hat. Damit stellt er gleich zwei Rekorde auf: Noch nie hatte ein Sänger in Dylans Alter (65) ein Nr.1-Album und noch niemand hatte zwischen zwei Nr.1-Alben eine derartig lange Pause (31 Jahre). 2007 erscheint der Film "I'm Not There", in dem Dylans Leben mit sieben verschiedenen Schauspielern (u.a. Richard Gere, Christian Bale und Cate Blanchett) dargestellt wird.

2009 erscheint neben dem neuen Studioalbum Together Through Life auch noch das Benefiz-Album Christmas In The Heart auf dem Bob Dylan Weihnachtslieder vertont. Anfang 2011 werden mit In Concert: Brandeis University 1963 bisher nie gehörteLiveaufnahmen des noch jungen Bob Dylan veröffentlicht. Das Konzert fand noch vor der Veröffentlichung seines 2. Albums The Freewheelin' Bob Dylan statt, also noch bevor Dylan wirklich berühmt wurde.[1] „Willst Du etwas wissen / Die Antwort ist geschissen“. 2016 wird Bob Dylan der Literaturnobelpreis zugesprochen, was zu einiger Verwirrung derer führt, die ihn als Schriftsteller gerne gehabt hätten.[2]

Kollaborationen

Diskografie

* für die komplette Diskographie siehe den Artikel Bob-Dylan-Diskographie.

Studioalben

Kompilationsbeiträge

Referenzkasten

  • The Jesus And Mary ChainFizzy: "Elvis lives and Bob Dylan is dead / And OJ's wife's crawling back from the dead"
  • John LennonGod: "I don't believe in Elvis / I don't believe in Zimmerman / I don't believe in Beatles / I just believe in me"
  • Simon & GarfunkelA Simple Desultory Philippic: "He doesn't dig poetry, he's so unhip that / When you say Dylan he thinks you're talking about Dylan Thomas / Whoever he was"
  • T. RexBallrooms Of Mars: "Bob Dylan knows / And I bet Alan Freed did / There are things in night / That are better not to behold"
  • The WhoThe Seeker: "I asked Bobby Dylan / I asked The Beatles / I asked Timothy Leary / But he couldn't help me either"

Bob Dylan

  • "Talkin' New York"
    • Der Song beschreibt den Anfang von Dylans Karriere, von seiner Ankunft in New York bis zu seinem Plattenvertrag bei Columbia.
  • "Song To Woody"
    • Hey, hey Woody Guthrie, I wrote you a song: Der Song ist Dylans großem Vorbild Woody Guthrie gewidmet.
    • Here's to Ciso and Sonny and Leadbelly too: Gemeint sind Cisco Houston, Sonny Terry und Huddie Ledbetter, alles Sänger-Kollegen von Woody Guthrie und weitere Vorbilder von Dylan.

The Freewheelin' Bob Dylan

  • "Oxford Town": Dylan beschreibt das Schicksal des ersten schwarzen Studenten James Meredith, der sich an der Universität von Mississippi eingeschrieben hatte und damit große Proteste der weißen Bevölkerung auslöste, die eine Rassentrennung für die Universität forderten. Um eine Integration des Studenten zu garantieren mussten Soldaten eingesetzt werden.
  • "Talkin' World War III Blues"
    • So I turned on my Conelrad / But I didn't pay my Con Ed bill: "Conelrad" war ein Alarm-System, das in den 50ern während des Kalten Krieges entwickelt wurde und zur Übermittlung von Nachrichten außerhalb des normalen Empfangsbereichs diente. "Con Ed" ist einer der größten Stromversorger Amerikas.
  • "I Shall Be Free"
    • It's President Kennedy callin' me up / He said, "My friend, Bob, what do we need to make the country grow?" / I said, "My friend, John, Brigitte Bardot, Anita Ekberg, Sophia Loren." / Put 'em all in the same room with Ernest Borgnine!: John F. Kennedy war der damalige US-Präsident, Bardot, Ekberg und Loren Schauspielerinne und Sexsymbole dieser Zeit, Ernest Borgnine war ebenfalls ein bekannter Schauspieler.
    • I make love to Elizabeth Taylor / Catch hell from Richard Burton! Taylor und Burton waren eines der langlebigsten und berüchtigsten Schauspieler-Ehepaare Hollywoods.

Trivia

  • Can You Please Crawl Out Your Window ist einer von Nick Hornbys 31 Songs.
  • Bob Dylan wurde mit dem Song „Dirge“ von 1974 in die Liste 100 Great Voices des britischen Magazins Mojo gewählt (1994).
  • Der Name der Hauptfigur des Romans "Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe" von Gernot Gricksch (verfilmt von Leander Haußmann) spielt auf den bürgerlichen Namen Bob Dylans an.

Songs über Bob Dylan

siehe auch Namedropping (Bands und Künstler in Songtiteln)

Referenzbands

Coverversionen

Bob Dylan covert...

Bob Dylan wird gecovert von...

  • All I Really Want to Do
  • Gotta Serve Somebody


  • I'll Keep It With Mine
  • Señor (Tales of Yankee Power)
  • Stuck Inside Of Mobile With The Memphis Blues Again
  • You're Gonna Make Me Lonesome When You Go

Remixe

Bob Dylan wird geremixt von...

  • Mark RonsonMost Likely You Go Your Way (And I'll Go Mine)


Filmografie

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://www.spex.de/2011/03/17/bob-dylan-mit-zwei-live-shows-in-deutschland-unbekanntes-bootleg-wird-veroeffentlicht/
  2. Markus Lippold – Literaturnobelpreis für Musik. Warum eigentlich Bob Dylan? (2016) [1] bei nt-v