Beat Happening

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Beat Happening
Herkunft: Olympia, Washington, USA
Aktiver Zeitraum: seit 1982
Genres: Twee, Indie-Pop, Lo-Fi, Post-Punk
Labels: K Records, Sub Pop
Homepage: Beat Happening bei Sub Pop
Line-Up:
Calvin Johnson: Gesang, Gitarre
Heather Lewis: Gesang, Gitarre, Schlagzeug
Bret Lunsford: Gitarre, Schlagzeug (seit 1983)
Ehemalige Mitglieder:
Laura Carter: Gesang, Gitarre, Schlagzeug (1982–1983)

Beat Happening wurden 1982 in Olympia gegründet. Sie waren eine der einflussreichsten Indierockbands der 1980er und setzten mit ihrer strikten DIY-Einstellung sowie dem legendären Label K Records von Beat Happening-Musiker Calvin Johnson Maßstäbe im musikalischen US-Underground. Beeinflusst von den (Post-)Punk-Idealen des Selbermachens, der Anti-"Corporate Rock"-Einstellung und des individuellen Ausdrucks vor schicker Produktion, schuf das Trio quasi eine der ersten Definitionen von Lo-Fi und Indiepop. Auch durch den turnusmäßigen Wechsel von Instrumenten (nur Gitarre und Schlagzeug, kein Bass) und Gesang zwischen den drei Musikern sowie den Verzicht auf Nachnamen bei den Credits wurde das Prinzip des "Do It Yourself" bei Beat Happening zum Dreh- und Angelpunkt.

Bandgeschichte

Die Entstehung von Beat Happening, einer der wohl wichtigsten US-Indierockbands der 1980er Jahre, ist eng verknüpft mit dem Aufblühen den musikalischen Undergroundszene im US-Bundesstaat Washington. In dessen Hauptstadt Olympia sowie der größeren Stadt Seattle begann sich zu Beginn des Jahrzehnts die Maxime von Punk und Post-Punk zu verbreiten, Musik ohne großen technischen und spielerischen Aufwand einfach selber zu spielen, aufzunehmen und zu verbreiten. Mit dazu gehörte die Fanzine-Kultur, bei der man ebenfalls selbst über Bands aus der Region schrieb, die einem gefielen oder die in der großen Musikpresse nicht auftauchten. 1980 hatte Bruce Pavitt aus Seattle das Fanzine Subterranean Pop (später Sub Pop) ins Leben gerufen, das gleichzeitig ein Label für Cassetten von Bands aus dem Nord- und Mittelwesten der USA sein sollte. Einer seiner Mitstreiter war der Collegestudent Calvin Johnson aus Olympia, der in der Musikszene seiner Heimatstadt mit den Bands 003 Legion und den Cool Rays ebenfalls schon aktiv geworden war und dort unter anderem eine Sendung beim Collegeradiosender KAOS-FM moderierte. Inspiriert durch Pavitts Ansatz, wollte Johnson ein ähnliches Projekt für Bands speziell aus Olympia und Umgebung starten, was 1982 schließlich in der Gründung des Cassettenlabels K Records mündete.[1]

Die erste Veröffentlichung auf besagtem Label war ein Tape des Trios Supreme Cool Beings aus Olympia, bei dem unter anderem Heather Lewis mitspielte und das bereits diverse Elemente der späteren Beat Happening vorwegnahm, da die Mitglieder sich an Instrumenten und Gesang abwechselten, auf den Bass verzichteten und die Cover zu den Cassetten selbst herstellten. Nachdem sich die Band nach nur sechs Monaten wieder auflöste, tat sich Heather Lewis noch 1982 mit Calvin Johnson und Laura Carter als Laura, Heather and Calvin zusammen, wozu sich im Sommer 1983 der zuvor musikalisch unbewanderte Bret Lunsford gesellte.[1] Nach dem baldigen Ausstieg Laura Carters stand damit das feste Beat Happening-Lineup, das 1984 zwei Cassetten namens "Beat Happening" und "Three Tea Breakfast" für K Records einspielte, auf denen das Trio bereits eine der Blaupausen des US-amerikanischen Lo-Fi-Indierocks präsentierte. Ende 1984 erschien dann mit der von Wipers-Chef Greg Sage produzierten 7" "Our Secret/What's Important" die erste Vinyl-Veröffentlichung für Beat Happening und K Records gleichermaßen. Damit hatte sich das Trio bereits als Vorreiter des Independent-Szene des Nordwestens einen Namen gemacht.[1]

1985 folgte die erste Langspielplatte, die schlicht "Beat Happening" hieß und ebenfalls von Greg Sage produziert worden war. Darauf enthalten waren der Bandklassiker Foggy Eyes sowie weitere Songs, die jene Beat Happening-typische Mischung aus unschuldig-verträumt daherkommenden Melodien, rumpeliger Aufnahmequalität und Wohnzimmeratmosphäre verbreiteten, die später als Twee bekannt werden sollte. Das von Bandfreund Steve Fisk sowie den beiden Screaming Trees Gary Lee Conner und Mark Lanegan im Studio betreute 1988er Album "Jamboree" schließlich wird als eines der zentralen Alben dieser Musikrichtung angesehen, wenn auch die demokratischen/naiven Strukturen in Performance und Songwriting sich hierbei bereits in Richtung Calvin Johnsons als durchaus auch finsterer schreibendes Mastermind verschoben hatten.[2] Der Albumtrack Indian Summer gilt zudem als wahre Hymne des Twee und wurde von Nachfolgern wie Luna gecovert. Nachdem im selben Jahr noch eine Split-10" mit den Screaming Trees erschienen war, setzte sich die tektonische Verschiebung im Beat Happening-Sound in Richtung mehr Düsternis auf der 1989er LP "Black Candy" (mit programmatischem schwarzem Cover, wo "Jamboree" noch in niedlichstem Rosa dahergekommen war) fort, wovon unter anderem Songs wie das zuvor bereits auf der Sub Pop-Kompilation "Sub-Pop-200" vertretene Pajama Party in a Haunted Hive kündeten. Mit "Dreamy" von 1991 wurde das Terrain zwischen Calvins aggressiveren und Heathers gefühlvolleren Songideen weiter erkundet, und das ein Jahr später von Ex-Young Marble Giant Stuart Moxham produzierte "You Turn Me On" stellte nach Ansicht vieler Kritiker den Höhepunkt in Sachen Weiterentwicklung von Beat Happening dar, da sich hier Calvin Johnsons knappe Kracher und Heathers elaborierte Epen wie dem neunminütigen Godsend ergänzten.[2]

"You Turn Me On" stellte allerdings auch die letzte vollgültige Beat Happening-LP dar, denn im weiteren Verlauf der 1990er war fast gar nichts Neues mehr von der Band zu hören, obwohl zahlreiche mit dem Grunge- und Alternative-Hype zu Ruhm gekommene Indie-Bands (Nirvana seien hier nur stellvertretend genannt) das Trio als Vorbilder priesen[3] und 1991 gar eine Tribute-CD mit großen Namen des Indierocks à la Velocity Girl, Thurston Moore, Lou Barlow und Superchunk herauskam.[4] Mit dem 1991 von Johnson initiierten International Pop Underground Festival unterstrich die Band zudem ihre Bedeutung im internationalen DIY-Zirkel, da dort zahlreiche andere wegweisende Bands mit derselben "Anti-Corporate Rock"-Einstellung wie Fugazi, Bikini Kill, die Fastbacks oder Mecca Normal auftraten.[3] Calvin Johnson kümmerte sich unterdessen um das nach wie vor florierende K Records-Label und gründete 1994 mit Dub Narcotic Sound System eine neue Band, die sich aber ihrem Namen entsprechend deutlich mehr in Richtung Funk, Soul und Dub bewegte und 1999 unter anderem eine Kollaboration mit der Jon Spencer Blues Explosion herausbrachte. Mehr in die Indierock-Richtung ging hingegen Johnsons 1994 gestartetes Projekt The Halo Benders mit Doug Martsch (Built to Spill).

Erst im Jahre 2000 kam mit "Angel Gone" wieder eine 7"-Single von Beat Happening heraus, doch erwies sich dies als nur kurzes Aufflackern von gemeinschaftlicher Aktivität der drei Bandmitglieder. Mit der Best Of "Music to Climb the Apple Tree By" sowie der 7-CD-Box "Crashing Through", welche alle Beat Happening-LPs enthielt, erschienen 2003 dafür gleich zwei umfassende Rückblicke auf das Schaffen der Band. Eine Zeitlang ließen Beat Happening verlauten, noch immer wöchentlich zu proben, doch ist von gemeinsamen Auftritten wie auch einem neuen Release derzeit keine Rede.[2] Calvin Johnson hat in den vergangenen Jahren hingegen drei Soloalben herausgebracht und als Produzent gearbeitet.

Diskographie

Alben

Singles/EPs

Sonstige

  • 1984 Beat Happening (Cassette, K)
  • 1984 Three Tea Breakfast (Cassette, K)
  • 1990 1983-85 (CD, "Beat Happening"-LP plus 18 Bonustracks, Feel Good All Over)
  • 1991 The Vaselines/Beat Happening (Live-Split-Cassette, K)
  • 2003 Music to Climb the Apple Tree by (Best Of, K)
  • 2003 Crashing Through (7-CD-Boxset mit allen LPs, K)

Jahrescharts

Jahr Titel Kritiker Charts
Spex
1988 Jamboree
17
1991 Dreamy
18
1992 You Turn Me On
15
Singles
1988 Screaming Trees Split-EP
12
1990 Nancy Sin
24

All-Time-Charts

Beat Happening

Kompilationsbeiträge

Referenzbands

Referenzkasten

  • Die Band Unrest widmete Calvin Johnson das Stück I Love Calvin, das auf der "Fortune Cookie Prize"-Tribute-CD enthalten ist.

Coverversionen

Beat Happening werden gecovert von...

  • Diverse: "Fortune Cookie Prize: A Tribute to Beat Happening" (Simple Machines Records, 1991)
Velocity Girl: Tales of Brave Aphrodite
Leaky Chipmunk (Bob Weston, Bob Fay, Lou Barlow): Our Secret
Scrawl: Bad Seeds
Seaweed: Foggy Eyes
Thurston, Kim and Epic: Black Candy
Geek: Night Moves on the Catwalk
Love Child: Ponytail
Superchunk: Nancy Sin
Fish and Roses: Youth
Whorl: This Many Boyfriends Club

MP3

Weblinks

Quellen

  1. 1,0 1,1 1,2 FAQ bei krecs.com
  2. 2,0 2,1 2,2 Bandbio bei Allmusic
  3. 3,0 3,1 Bandbio bei Sub Pop
  4. Infoseite zu "Fortune Prize Cookie" bei Simple Machines