Beat

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Abgrenzung
Ursprünge: Rock'n'Roll, Skiffle
Herkunft: Großbritannien, insbesondere Liverpool und London
Zeitraum: ca. 1960 bis 1966, in Deutschland bis 1972
Anders als: Rock, Garage Rock, Power-Pop

Beat, Beatmusik oder auch Merseybeat ist eine Form der Rockmusik, die um 1960 in Großbritannien aus der Verschmelzung und Weiterentwicklung des klassischen US-Rock'n'Roll sowie dem britischen Skiffle hervorging. Sie zeichnete sich durch mehrstimmigen Gesang, die Kombination von Lead- und Rhythmusgitarre sowie einen Viervierteltakt als Rhythmusgrundlage aus. Bekannteste Vertreter des Beat waren die Beatles, gefolgt von Gruppen wie Gerry and the Pacemakers, The Hollies und The Small Faces.

Einführung und Geschichte

Beat war sozusagen die erste Version dessen, was Britpop drei Dekaden später darstellen sollte, nämlich die britische Reaktion auf eine spezifisch US-amerikanische Form der elektrischen Gitarrenmusik. Nachdem der Rock'n'Roll in den 1950ern weltweit seinen Siegeszug angetreten und das Konzept einer Musikgruppe im modernen Sinn – elektrische Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang – eingeführt hatte, war sein Stern Ende des Jahrzehnts wieder im Sinken begriffen. Eine neue Generation von Jugendlichen wuchs heran, die durch die erschwinglicher gewordenen elektrischen Musikinstrumente dazu inspiriert wurden, selbst Bands zu gründen. Stilistisch orientierten sich diese Gruppen am Rock'n'Roll, gleichzeitig war in Großbritannien jedoch die Musikform des Skiffle populär geworden, die auf Elementen aus Folk, Country und Jazz basierte und oftmals auf improvisierten Instrumenten gespielt wurde. Aus einer dieser Skiffle-Gruppen, The Four Quarrymen, entstand 1960 dann die Band, die den neuen Stil schon im Namen trug und ihn schließlich zu einem globalen Phänomen machen sollte: The Silver Beatles aus Liverpool, bald danach nur noch The Beatles. Die nordenglische Stadt am Mersey entwickelte sich mit Bands wie Gerry and the Pacemakers und The Searchers und Clubs wie dem "Cavern Club" zu einem Zentrum dieser neuen Form der Popmusik, die im Gegensatz zum Rock'n'Roll auch den ersten Schlag (engl. beat) des Viervierteltakts betonte, was den Rhythmus homogener und treibender machte. Daneben zeichnete sich der Beat auch durch eine Vokal-Mehrstimmigkeit, die Kombination von Lead- und Rhythmusgitarre sowie die Verwendung einer elektrischen Bassgitarre aus. Die Genrebezeichnung wurde erstmals 1961 vom Magazin "Mersey Beat" verwendet.

Als die Beatles 1962 ihren Durchbruch mit Love Me Do und She Loves You erreichten, wurde Beat in rasantem Tempo zum neuen Jugendphänomen. Nachfolgebands schossen wie Pilze aus dem Boden, und insbesondere in europäischen Ländern wie Deutschland oder den Niederlanden wurde das Beat-Phänomen von Bands wie The Lords oder The Rattles aus Hamburg oder Q65 und The Golden Earrings begeistert aufgenommen. Damit einher ging auch eine modische Veränderung, bei der ebenfalls die Beatles als Wegbereiter voranschritten: Statt Schmalztolle wurde nun die Pilzkopffrisur getragen, die Hosen wurden etwas weiter und die Schuhe spitzer. "Yeah Yeah Yeah" wurde zum Schlachtruf der Beat-Jugend und bezeichnete auch die fröhlich-naiv-hedonistische Grundstimmung, die den eingängigen Songs zu Grunde lag und den sich meist ausgelassen bis albern gebenden Beat-Bands zugeschrieben wurde.

Im Zuge der "British Invasion" 1964, als die Beatles den amerikanischen Markt eroberten und ihnen andere britische Bands wie die Kinks, die Rolling Stones oder die Yardbirds – keineswegs alle dem Beat-Lager zuzurechnen – nachfolgten, wurde Beat endgültig zum dominanten Faktor im globalen Musikkreislauf und blieb es bis etwa 1966. Dies war der Zeitpunkt, als die Beatles beschlossen, nicht mehr live aufzutreten und vor allem ihr eigenes musikalisches Universum erweitern wollten, was mit Platten wie "Rubber Soul", "Revolver" und schließlich "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" schließlich zu einer erneuten Revolution der Popmusik führen sollte. Andere Beat-Bands ließen das klassische Schema zum Teil ebenfalls hinter sich und entwickelten sich wie Pink Floyd oder The Small Faces Richtung Psychedelic Rock oder Hardrock weiter, während der Beat als solchen vor allem in Deutschland (das mit der NDR-Fernsehsendung "Beat Club" ein geradezu revolutionär modernes und zum Teil von konservativer Seite heftig angefeindetes TV-Schema eingeführt hatte) bis in die 1970er Jahre populär blieb.

Die vermeintliche Unschuld und zeitlose Fröhlichkeit des Beat – nicht zu vergessen der Sixties-Style in Outfit und Habitus – inspiriert noch heute zahlreiche Bands, von Throw That Beat in the Garbagecan! über die Trashmonkeys bis zu The (International) Noise Conspiracy.

Wichtige Akteure, Alben und Songs

Wichtige Bands:

Wichtige Alben:

Wichtige Songs

  • The Beatles: She Loves You, A Hard Day's Night, Ticket to Ride, I Feel Fine
  • The Swinging Blue Jeans: Hippy Hippy Shake
  • The McCoys: Hang On Sloopy
  • Herman's Hermits: No Milk Today, I'm Into Something Good
  • Gerry and the Pacemakers: Ferry 'Cross the Mersey
  • The Rattles: Come On and Sing
  • The Dave Clark Five: Glad All Over, Bits and Pieces
  • The Searchers: Needles and Pins

Vorläufer

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