Radiohead
Aus indiepedia.de
| Radiohead | ||
|---|---|---|
Radiohead live am 8. Juli 2008 in Berlin | ||
| Herkunft: | Oxford, England | |
| Aktiver Zeitraum: | seit den späten 1980ern | |
| Genres: | Post-Rock, Avantgarde, Electronica, Artrock, Post-Punk, Post-Pop, Indie-Rock | |
| Labels: | Capitol, Parlophone | |
| Homepage: | Radiohead.com | |
Thom Yorke (Gesang, Gitarre, Keyboard, Klavier, Percussion) Jonny Greenwood (Gitarre, Klavier, Keyboard, Ondes Martenot, Mundharmonika, Percussion) Colin Greenwood (Bass, Keyboard) Edward O'Brien (Gitarre, Gesang, Keyboard, Percussion) Philip Selway (Schlagzeug, Keyboard) | ||
Radiohead ist eine britische Indie-Rock-Band, die in den späten 1980ern in Oxford gegründet wurde und ursprünglich den Namen On A Friday trug. Die Band gilt weithin als eine der innovativsten und einflussreichsten Rockbands der Neuzeit.
Inhaltsverzeichnis |
Bandgeschichte
Anfänge
Der Name Radiohead stammt aus einem Lied der Talking Heads auf deren Album "True Stories" (1986). Die Band besteht aus Thom Yorke, Ed O'Brien, Jonny Greenwood, Colin Greenwood und Phil Selway. Thom und Jonny werden als Grundpfeiler der Band angesehen. Produzent Nigel Godrich arbeitet mit der Band seit der Aufnahme von The Bends und hatte deutlichen Einfluss auf deren Klang, weshalb er bisweilen als sechstes Bandmitglied bezeichnet wird.
Erster internationaler Erfolg von Radiohead war die Single Creep, von der sich die Band später abwandte und sich weigerte, es live zu spielen, da sie fürchteten, der Inhalt würde als Selbsthass missverstanden und von den Fans überbewertet werden. Inzwischen jedoch wird das Lied auf jeder Tour hin und wieder gespielt, was zu enthusiastischen Reaktionen der Fans führt.
1993 bis 1997
Ihr erstes Album Pablo Honey (1993) mutete noch recht traditionell an, mit Einflüssen der 1960er Jahre, aber auch Einflüsse von Bands wie den Pixies oder Nirvana. Doch schon mit ihrem nächsten, The Bends (1995), fanden sie zum für sie typischen, rockigen Ausdruck und reiften in lyrischer wie musikalischer Hinsicht.
Das Album wurde weithin gelobt und zählt zu einem der besseren der mittleren 1990er Jahre. Erwähnenswert ist die EP My Iron Lung (1994), die zwischen den beiden Alben veröffentlicht wurde und den Übergangszustand zwischen der poppigen Schlichtheit von "Pablo Honey" und der Härte und Tiefe von "The Bends" erkennen lässt.
1997 bis 2000
Nach zwei Jahren, in denen die Band fast ausschließlich auf Tour war und dort neues Songmaterial wie Airbag, Paranoid Android und unter anderem auch Subterranean Homesick Alien testete, veröffentlichte Radiohead das Album OK Computer (1997), das vor allem in Umfragen noch größere Zustimmung fand als "The Bends". In "OK Computer" nahm die Band musikalische Risiken auf sich, die unüblich für die Welt des Brit-Pop waren, indem sie mit Raumklang und Rauschen experimentierte. So ist zum Beispiel Fitter Happier ein Song fast ohne Instrumentalbegleitung und einer an Stephen Hawking erinnernden Computerstimme. OK Computer wird auch häufig als der erste Schritt der Band weg vom Indie-Rock hin zum Post-Rock bzw. Post-Punk angesehen.
Verunsichert durch den anhaltenden Erfolg und nach einer gewaltigen Welttournee am Rande der völligen Erschöpfung, verbrachte die Band die zweite Hälfte des Jahres 1998 und das gesamte Jahr 1999 in ziemlicher Stille und trat nur selten auf. Im Jahr 2000 kehrten sie mit der Platte Kid A zurück, einem gedämpfteren, elektronischen Album das lyrische und musikalische Aufhänger ihrer früheren Werke durch einen minimalistischeren Stil ersetzte, sowie einem Arrangement vergleichbar einer Mischung aus Pink Floyd und Aphex Twin. Die Band experimentierte wieder, nannte als Einflüsse Alice Coltrane und Paul Lansky sowie Warp Records. Zu "Kid A" gab sich die Band schwierig Medien gegenüber, mit sehr wenigen Interviews, nur im Internet veröffentlichte Musikvideos (z.B. Motion Picture Soundtrack) und so genannte "Blips", sehr kurze Musikclips, die auf den Musiksendern liefen. Trotzdem erreichte das Album Nummer 1 in den US- und UK-Charts.
2001 bis 2006
Das Album Amnesiac wurde Anfang des folgenden Jahres veröffentlicht, und bestand aus weiterem Material der selben Aufnahmesessions wie von "Kid A". Die Alben sind einander ähnlich und enthalten zwei verschiedene Versionen des Liedes Morning Bell. Um die Beziehung der beiden Platten zu beschreiben, vergleicht die Band "Kid A" mit dem Betrachten eines Feuers aus großer Entfernung, wohingegen man sich bei "Amnesiac" im Inneren des Feuers befinde. Auch erwähnte Thom Yorke den folgenden Vergleich: "Kid A" ist zu vergleichen mit einer Nachricht auf einem Anrufbeantworter, wohingegen "Amnesiac" die Antwort, der Rückruf ist.
2003 veröffentlichte die Band ihr sechstes Album Hail To The Thief, das sich weniger auf elektronische Experimente stützt als seine beiden Vorgänger, sich aber gleichfalls vom gitarrengetriebenen Rock der Anfangszeit absetzt. Der Titel sorgte für Aufsehen, da er als Anspielung auf den Ausgang der amerikanischen Präsidentschaftswahlen 2000 zu interpretieren war. "Hail To The Thief" war zur Verärgerung der Band schon einige Monate vorher in einer roh gemixten Version im Internet verfügbar.
Während Radiohead fälschlicherweise manchmal als Brit-Pop-Band (was wohl hauptsächlich auf die Anfangsjahre der Band zurückzuführen ist) eingeordnet wird, ist ihr Einfluss trotzdem auf die späten Ausläufer von Brit-Pop spürbar, besonders bei Bands wie Coldplay, Travis oder Muse. Die elektronischen Experimente der letzten Alben haben sie ebenso ins Umfeld von Warp Records gebracht wie sie nun auch mehr mit Post-Rock, Avantgarde, Post-Punk und Electronica denn Indie-Rock assoziiert werden, aber sich wohl generell wie nur wenige andere Bands außerhalb gängigen Schubladendenkens bewegen können.
Im Laufe der Zeit hat Thom Yorke (auf den CDs als 'Tchocky', 'Dr Tchock', 'The White Chocolate Farm' usw. erwähnt) zusammen mit Stanley Donwood ein recht eigenwilliges Artwork entwickelt. Die Zusammenarbeit mit dem ehemaligem Studienkameraden begann mit "The Bends". Das Artwork entwickelte sich immer weiter und besitzt seit "OK Computer" einen sehr hohen Stellenwert für die Band. In "Kid A" und "Amnesiac" besteht sie hauptsächlich aus düsteren Landschaften. Für "Hail To The Thief" entwickelten Yorke und Donwood ein Design, welches einem farbenfrohen Stadtplan ähnlich ist, der mit verschiedenen "medialen" Begriffen versehen wurde. Diese entnahm Thom den Nachrichten, da sie in ihm bestimmte Gefühle auslösten und darum auch gezielt von Sendern, Firmen und Politikern eingesetzt wurden. In einem Interview verweist er auf das Neusprech (Newspeak), eine in George Orwells Roman "1984" vorkommende Sprache. Auf diesen wird offenbar auch mit dem Liedtitel 2+2=5 angespielt.
Als erstes Bandmitglied veröffentlichte Jonny Greenwood 2003 ein Soloalbum: "Bodysong", den Soundtrack zur gleichnamigen Dokumentation von Simon Pummel. Der Film zeigt die Entwicklung und wichtigsten Lebensstationen des Menschen von der Geburt bis zum seinem Tod. Die Musik ist sehr jazzig und experimental. Greenwood setzte für das Album auch mehrere Ondes Martenot ein, ein Instrument aus der Anfangszeit der elektronischen Instrumente. Auch ist sein Bruder Colin auf dem Album zu hören.
2006 erscheint dann, als Vertröstung für eine Verschiebung des nächsten Bandalbums, das Soloalbum "The Eraser" von Thom Yorke, mit durchaus wohlwollenden Kritiken, auch wenn eine wirkliche Überraschung über die Musik ausbleibt.
seit 2007
Am 1. Oktober 2007 wird auf der bandeigenen Website bekannt gegeben, dass am 3. Dezember 2007 das neue Radiohead-Album In Rainbows erscheinen wird. Hierbei handelt es sich um eine CD-Box bestehend aus dem Album auf CD und Doppel-LP sowie einer Bonus-CD. Der Erwerb der physischen Box soll anfangs ausschließlich von der Website möglich sein. Seit dem 10. Oktober 2007 ist der exklusive Download des Albums von der Radiohead-Website möglich, wobei die Band auch hier wie gehabt eigene Wege beschreitet: Der Hörer kann selbst entscheiden, wieviel er für den Download bezahlen möchte - das Album ist also auch gratis zu erhalten. Kurz vor Jahresende wird das Album dann jedoch auch auf konventionellem Weg veröffentlicht, von Kritikern begeistert gefeiert und trotz (oder wegen) des bis dahin einmaligen Download-Coups ein weltweiter Erfolg. Danach tourt die Band ausgiebig weiter und veröffentlicht im August 2009 den Download-Song Harry Patch (In Memory Of). Kurze Zeit später ist ein weiterer neuer Radiohead-Song namens These Are My Twisted Words ins Internet geleaked (siehe MP3s) und es wurde spekuliert, ob es sich dabei nicht um eine virale Marketingkampagne handelt.
Nachdem Gerüchte laut wurden die Band wolle vorerst keine weiteren Alben veröffentlichen[1], demetierte Gitarrist Ed O'Brien im Oktober 2009 diese Aussage und gab bekannt, dass bereits im nächsten Jahr ein neues Radiohead-Album erscheinen soll.[2]
Thom Yorke und Jonny Greenwood haben für die nahe Zukunft außerdem die Idee gefasst Musik für ein Orchester zu schreiben.[3]
Diskographie
* für die komplette Diskographie siehe den Artikel Radioheaddiskographie
- 1993 Pablo Honey
- 1995 The Bends
- 1997 OK Computer
- 2000 Kid A
- 2001 Amnesiac
- 2001 I Might Be Wrong: Live Recordings
- 2003 Hail To The Thief
- 2007 In Rainbows
- 2010 tba.
Soloprojekte
- 7 Worlds Collide – CD & DVD (2001) mit Neil Finn – Ed O'Brien und Phil Selway
- Bodysong – CD & DVD (2004) – Jonny Greenwood
- The Eraser - CD (2006) - Thom Yorke
- There Will Be Blood' - O.S.T. (2007) - Jonny Greenwood
Kompilationsbeiträge
- 1995 Lucky auf The Help Album
- 1996 Talk Show Host auf Romeo & Juliet (O.S.T.)
- 2001 Everything In Its Right Place auf Vanilla Sky (O.S.T.)
- 2005 Lucky auf Six Feet Under Vol.2 – Everything Ends (O.S.T.)
- 2005 I Want None Of This auf Help – A Day in the Life
Referenzbands
- wurden beeinflusst von: Talking Heads, R.E.M., The Pixies, Nirvana, Magazine, Can, Neu!, The Fall, Elvis Costello, Scott Walker, Charles Mingus, The Beatles, Roxy Music, Talk Talk, Ennio Morricone, DJ Shadow, Kraftwerk, Aphex Twin, Joy Division
- beeinflussten: Coldplay, Keane, Muse, Travis, Slut, Stale, Bloc Party, Mouse On Mars, Editors, Interpol, The Beta Band, Modeselector, Simian, Elbow, Franz Ferdinand, The Sea And Cake, Archive, Mogwai, The Cooper Temple Clause, The Mars Volta, Aereogramme, Grizzly Bear
- eng befreundet mit: Sigur Rós, REM, Grizzly Bear
Referenzkasten
- Creep: aufgrund der Ähnlichkeit der Creep-Melodie mit The Air That I Breathe von The Hollies müssen Radiohead sich die Credits teilen.
Trivia
- In der South Park-Folge "Scott Tenorman Must Die" (Ep. 501, dt.: Scott Tenorman muss sterben!) kommen Radiohead als Gastsprecher vor und werden als Lieblingsband eines älteren Jungen von Cartman verspottet. [1]
- Jonny Greenwood und Philip Selway sind Teil der Supergroup The Weird Sisters in Harry Potter and the Goblet of Fire.
- Thom Yorke und Jonny Greenwood sind Teil der Supergroup The Venus In Furs des Films The Velvet Goldmine.
- Die Band pflegt seit langem eine enge Freunschaft zur popluären isländischen Postrock Band Sigur Rós. Die vier introvertierten Isländer spielten auch schon als "Vorband" bei einigen Radiohead - Konzerten.
- Der Song Harry Patch (In Memory Of), den Radiohead im August 2009 in ihrem Onlineshop veröffentlichten, ist eine Hommage an den einige Wochen zuvor verstorbenen britischen Kriegsveteranen aus dem Ersten Weltkrieg.[4]
Coverversionen
Radiohead covern...
- Nobody Does It Better (James Bond-Titelsong von "The Spy Who Loved Me") von Carly Simon (Live bei MTVs Most Wanted)
- Wish you were Here Pink Floyd (auf dem Golden Unplugged Album)
- Wonderwall Oasis (auf dem Golden Unplugged Album)
- Unravel von Björk (am 8. November 2007 auf "radiohead.tv") [2]
- The Headmaster Ritual von The Smiths (am 9. November 2007 auf "radiohead.tv") [3]
- Ceremony von Joy Division/New Order (am 9. November 2007 auf "radiohead.tv") [4]
- The Rip von Portishead (am 6. Juni 2008 backstage in St.Louis, USA) [5]
- Tell Me Why von Neil Young (live)
Radiohead werden gecovert von...
- Stereogum presents... OKX: A Tribute To OK Computer
- Anyone Can Play Radiohead: A Tribute To Radiohead
- True Love Waits Christopher Riley plays Radiohead -- Piano Album erschienen bei Sony Music 2003
- Hold Me To This Christopher Riley plays Radiohead -- Piano Album erschienen bei World Vill 2005
- Amanda Rogers – "No Surprises"
- dem amerikanischen Jazz Pianisten Brad Mehldau – "Paranoid Andriod", "Exit Music (For a Film)", "Everything In Its Right Place", "Knives out"
- John Frusciante – "You and whose army?"
- Tears For Fears – "Creep"
- Mark Owen – "Creep"
- Anthrax – "The Bends"
- Alanis Morissette – "Fake Plastic Trees"
- Robert Smith – "Creep"
- The Flaming Lips – "Knives Out"
- Scala & Kolacny Brothers – "Creep"
- Scala On The Rocks - "Exit Music (For A Film)" (Es existiert auch eine Veröffentlichung unter dem Interpretennamen Scala & Kolacny Brothers)
- Korn – "Creep" (Unplugged)
- Mark Ronson feat. Phantom Planet – "Just" (Version)
- Bell - "Videotape" (live)
- Prince - "Creep" (live)
- Gnarls Barkley - "Reckoner" (live)
- Amanda Palmer – "Creep" (live)
- Regina Spektor – "No Surprises"
- Conan O'Brien – "Creep" (live)[5]
Remixe
Radiohead werden geremixt von...
- Amplive - Rainydayz (8 Remixes vom Album "In Rainbows")
- Black Dog - Talk Show Host
- Depth Charge - Planet Telex
- Cristian Vogel - Myxomatosis
- Fila Brazillia - Climbing up the Walls
- Four Tet - Skatterbrain
- Holy Fuck - Nude
- Hexidecimal - Planet Telex
- LFO - Planet Telex
- Pocket - Unravel
- UNKLE - Planet Telex
- Zero 7 - Climbing up the Walls
MP3s
- Unravel (Björk Cover)
- Videotape (Mojib Remix)
- Jigsaw Falling into Place (von In Rainbows
- Reckoner (dto.)
- These Are My Twisted Words
Videos
Weblinks
Thom Yorke | Jonny Greenwood | Colin Greenwood | Edward O'Brien | Philip Selway
Pablo Honey | The Bends | OK Computer | Kid A | Amnesiac | I Might Be Wrong: Live Recordings | Hail To The Thief | In Rainbows
