Herbst in Peking
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Inhaltsverzeichnis |
Genre
Line-Up
- Rex Joswig: Gesang
- Alexander Istschenko: Gitarre
- Hans Tomato: Bass
- Benno Verch: Schlagzeug
- Dr. Totenhöfer (alias Torsten Ratheischak): Keyboards
Bandgeschichte
Herbst in Peking sind eine der bemerkenswertesten Formationen der jüngeren deutschen Indierockgeschichte, weil sie nicht nur fast zwanzig Jahre in beiden deutschen Staaten existierten (das tun die Puhdys leider auch, und zwar bereits viel länger), sondern - gemeinsam mit etwa Sandow, Die Skeptiker oder Schleimkeim - zu den systemkritischen, so genannten "anderen Bands" der DDR zählten. Gegründet 1987 von Rex Joswig in Ost-Berlin, erspielte sich die fünfköpfige Band durch ihre kritischen Texte und die als Parodie auf realsozialistische Aufmärsche gedachten Bühnenauftritte rasch eine treue Fanschar. Nach dem Massaker auf dem Tiananmen-Platz 1989 wurde Herbst in Peking die Auftrittsgenehmigung entzogen, und das in dieser Zeit verfasste Lied Bakschischrepublik wurde zur Hymne der Wende-Zeit 1989/90. Hier gründete die Band auch ihr eigenes Label namens Peking Records, das zum ersten Indie-Plattenlabel der DDR wurde.
Im wiedervereinigten Deutschland veröffentlichten Herbst in Peking unter anderem bei Plattenmeister und Moloko Plus diverse EPs, hielten sich in den letzten zehn Jahren ihrer Existenz mit öffentlichen Auftritten aber eher zurück. Sänger Rex Joswig moderierte von 1992 bis 1998 die legendäre Radiosendung "Grenzpunkt Null" auf DT64 bzw. später MDR Sputnik, bei der er nichtkommerzielle Musik aus allen Stilrichtungen mit von ihm gelesenen Textauszügen aus der Avantgarde-Gegenwartsliteratur präsentierte. Mit dem 1997 erschienenen Album "Feuer, Wasser und Posaunen" konnten Herbst in Peking etwas mehr mediale Aufmerksamkeit auf sich ziehen, erreichten durch ihren merkwürdigen Mix aus Wave, Rock, Synthiesounds und im weitesten Sinne östlichen Klangeinflüssen jedoch nie die Verkaufszahlen anderer ursprünglich ostdeutscher Bands wie Rammstein oder besagte Zombierocker von den Puhdys. Am 22. September 2006 spielte die Band ihr letztes Konzert in Berlin und löste sich im Anschluss auf.
Diskographie
- Alben
- 1990 To Be H.I.P. (LP, Happy Valley Records)
- 1997 Feuer, Wasser und Posaunen (CD, Moloko Plus)
- 1999 Les Fleurs Du Mal (CD, Moloko Plus)
- 2004 German Fool (CD)
- Singles/EPs
- 1990 Bakschischrepublik (7", Peking Records)
- 1993 Terrible Herbst (6-Track-EP, Stay H.I.P. Records)
- 1995 Rest In Russian (10"-EP, Wild Honey Recordings)
- 1996 Das Jahr Schnee (5-Track-EP, Plattenmeister)
- 1998 Merry Christmas (8-Track-EP, Plattenmeister)
- 1998 La Dolce Vita (4-Track-EP, Moloko Plus)
- Sonstige
- 1990 Exit (MC, Peking Tapes)
Kompilationsbeiträge
- 1989 Bagdadbahn auf "Swiss Benefice Sampler Vol. 2"
- 1990 Bakschischrepublik auf "Systemausfall - Ostsampler"
- 1992 Bakschischrepublik auf "Rock aus Deutschland Ost - Aufbruch/Umbruch/Abbruch Vol. 20"
- 1992 Terrible Herbst auf "Hallo 13 - Die Rückkehr der FNL"
- 1996 Jesus im Schnee auf komm küssen 1
- 1997 Jesus im Schnee (Sputnik-Mix) auf Sozialamt bezahlt doch.
- 1998 Jesus im Schnee auf Perlen deutschsprachiger Popmusik Vol.3: Zur Hölle Mama
- 1999 Jesus im Schnee (Kein Wunder Mix) von Don Shtone auf Plattenbau
Referenzkasten
- Die Band ist nach dem gleichnamigen Buch des französischen Schriftstellers Boris Vian benannt worden. Die Band hatte zu DDR-Zeiten Probleme mit der Kunstaufsichtsbehörde, die den Namen als antichinesisch kritisierten (was China wiederum gar nicht so sah). Aus urheberrechtlichen Gründen trugen einige Platten der Gruppe die Abkürzung H.I.P. als Bandnamen.
- Das Gitarrenriff von Jesus im Schnee ist eins zu eins von Youth of America der Wipers übernommen.
Referenzbands
Coverversionen
Herbst in Peking covern...
- 1990 Working Class Hero von John Lennon (auf "Celebrating the Eggman - A Tribute To John Lennon")
